Star Wars Jedi: Fallen Order im Test – Das ist das Spiel, das ihr sucht

Alexander Gehlsdorf

2013 hat Electronic Arts mit Star Wars einige der mächtigsten Spiele-Lizenzen überhaupt in die Hände bekommen und seitdem lediglich zwei umstrittene Battlefield-Teile produziert. Mit reichlich Verspätung erscheint mit Star Wars: Jedi Fallen Order jetzt jedoch endlich die Singleplayer-Offenbarung, auf die ihr all die Jahre gewartet habt.

Die verheerende Order 66 hat zum Tod fast aller Jedi geführt. 19 Jahre später ist der ehemalige Orden kaum mehr als eine Legende geworden. Im Kino und im TV wird diese Lücke seit einigen Jahren von den Filmen Rogue One und Solo: A Star Wars Story und der Serie Star Wars: Rebels gefüllt. Besonders Fans von letzterer bekommen mit Star Wars Jedi: Fallen Order nun noch mehr Nachschub rund um das Schicksal der wenigen überlebenden Jedi und ihrer Flucht vor dem immer stärker werdenden Imperium.

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Wie in der Serie stehen auch in Star Wars: Jedi Fallen Order mysteriöse Jedi-Tempel, Holocrons und die tödliche Inquisition im Vordergrund. Aber von vorn: Ihr schlüpft in die Rolle von Cal Kestis, der als Jedi-Padawan mit knapper Not die sogenannte Große Jedi-Säuberung überlebt hat und seitdem anonym als Schiffscutter ausgediente Raumschiffe aus den Klonkriegen demontiert.

All das ändert sich jedoch, als ihn die Inquisition entdeckt. Dank der ehemaligen Jedi-Meisterin Cere Junda, die Order 66 ebenfalls überlebt hat, gelingt ihm zum Glück die Flucht. Gemeinsam mit dem Piloten Greez macht sich das Trio auf den Weg, ein verborgenes Jedi-Holocron zu finden, das zur Neugründung des zerstörten Ordens führen könnte.

Star Wars Jedi: Fallen Order - Launch Trailer.

Soulslike für Profis und Einsteiger

Als einer der letzten Jedi die Gewalt des Imperiums zu überleben ist kein Zuckerschlecken. Dementsprechend hat sich Entwickler Respawn Entertainment vor allem von Spielen des Studios From Software inspirieren lassen, die mit Dark Souls, Sekiro und Bloodborne schon so manchen an die Wand geworfenen Controller auf dem Gewissen haben.

Auch Cal Kestis muss regelmäßig an Meditationspunkten rasten, denn nur dort kann er seine Lebensenergie wiederherstellen und Skillpunkte verteilen. Allerdings hat dies die Konsequenz, dass alle Gegner im Umkreis respawnen. Damit das Erkunden der sehr offenen Planeten also auf Dauer nicht frustrieren wird, schaltet ihr alle Naselang Abkürzungen frei, um die Level im Nachhinein trotzdem zügig manövrieren zu können.

Genau das wird auch nötig sein: Cal war in seiner Kindheit zwar ein Jedi-Padawan, das bedeutet jedoch nicht, dass er von Beginn an über die volle Bandbreite der Jedi-Fähigkeiten verfügt. Sobald ihr also nützliche Tricks wie den Wallrun, Doppelsprung oder Machtgriff gelernt habt, lohnt sich eine Rückkehr zu bereits besuchten Planeten, da ihr auf diesen neue Geheimnisse und ganze Level-Abschnitte entdecken könnt.

Bei der Erkundung hilft auch Cals treuer Droiden-Begleiter BD-1. Dieser heilt euch nicht nur im Kampf, sondern öffnet auch verschlossene Türen, hackt feindliche Droiden und kartographiert alle bereits besuchten Bereiche. Dadurch könnt ihr trotz der weitläufigen Level jederzeit sehen, wo die Reise weitergeht, welche Pfade ihr noch nicht erkundet habt und welche Wege euch erst im späteren Story-Verlauf geöffnet werden.

Weiterhin verrät euch BD-1, wie viele Geheimnisse und Truhen jeweils noch im aktuellen Level verborgen sind. Completionists, die besonders viel Wert auf 100 Prozent und die Platin-Trophäe legen, wissen also stets, wo es noch etwas zu entdecken gibt. In den Truhen verbergen sich in den meisten Fällen kosmetische Inhalte, mit denen Cal sein Lichtschwert umbauen oder BD-1 eine neue Farbe verpassen kann. Darüber hinaus könnt ihr euch auf diese Weise auch Erfahrungspunkte verdienen und nützliche Upgrades finden, die eure Lebensenergie und eure Macht-Reserven permanent erhöhen.

Besonders auf dem höchsten der vier Schwierigkeitsgrade ist das auch wärmstens zu empfehlen. In diesem Modus kann Star Wars Jedi: Fallen Order durchaus mit der Gnadenlosigkeit eines Dark Souls mithalten – manche Situation, allen voran Bosskämpfe, enden dann schon mal in purer Verzweiflung. Wer auf derartige Herausforderungen keine Lust hat, kann den Standard-Schwierigkeitsgrad oder sogar den besonders leichten Story-Modus wählen. Dann stellt selbst das größte Boss-Monster keine Bedrohung mehr dar.

Praktisch: Außerhalb von Kämpfen lässt sich der Schwierigkeitsgrad jederzeit wechseln. Wer also tatsächlich stundenlang an einem besonders tückischen Bosskampf verzweifeln sollte, hat die Möglichkeit, sich weiteren Frust zu ersparen. Bestraft wird das vom Spiel übrigens nicht. Kein einziges Achievement in Star Wars Jedi: Fallen Order ist an den Schwierigkeitsgrad gebunden. Idealerweise ist das Spiel also stets genau so fordernd oder eben leicht, wie ihr gerade wollt.

Kämpfen, Macht, Spaß

Auch in den Kämpfen ist der Einfluss der From-Software-Vorbilder deutlich spürbar. Besonders Fans von Sekiro: Shadows Die Twice werden sich am Lichtschwert schnell wohlfühlen. Cals wichtigstes Manöver ist der Block, mit dem er sich vor allen Laserschüssen und sonstigen Angriffen schützt. Perfekte getimte Blocks erlauben es darüber hinaus, Angriffe zu parieren. Dadurch werden Laser zurück zum Absender geschickt, parierte Nahkampfangriffe machen den Gegner empfänglich für Gegenangriffe.

Hin und wieder rücken euch auch Gegner mit unblockbaren Spezialangriffen auf den Leib. In diesem Fall hilft nur rechtzeitiges Ausweichen. Der Vorteil an diesen Angriffen ist jedoch, dass sie im Anschluss stets eine gute Gelegenheit für zwei bis drei eigene, beherzte Hiebe mit dem Lichtschwert bieten.

Was das Kampfsystem von Star Wars Jedi: Fallen Order besonders auszeichnet, ist die Vielfalt der Gegner. Egal ob reguläre Sturmtruppen, Elite-Einheiten mit Raketenwerfern, außerirdische Bestien mit Gift-Angriffen oder wiederbelebte Zombie-Hexen auf Dathomir: Jeder Widersacher hat ganz eigene Herangehensweisen, Stärken und Schwächen. Diese zu kennen und im Kampf zum eigenen Vorteil zu nutzen, ist die hohe Kunst des Kampfsystems.

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Auf diese Weise wird jede Begegnung zu einem kleinen Puzzle: Welche Gegnertypen stehen mir gegenüber? In welcher Reihenfolge sollte ich sie bekämpfen? Welche Fähigkeiten sind besonders nützlich? Auf dem Planeten Zeffo stehen mir etwa mehrere Nahkämpfer gegenüber, während ich aus der Ferne mit Raketen beschossen werde. Eine Möglichkeit wäre es, die Nahkämpfer zu ignorieren und zuerst auf den Raketenwerfer loszustürmen. Viel effektiver ist es jedoch, eine bereits abgeschossene Rakete mit der Macht aufzufangen und sie in die Gruppe der Nahkämpfer zu werfen.

Um dabei nicht den Überblick zu verlieren, steht abermals Droide BD-1 helfend zu Seite. Jeder besiegte Gegner kann gescannt werden und erhält daraufhin einen Eintrag in der Datenbank des Spiels. Diese verrät nicht nur interessante Eckdaten für Fans der reichhaltigen Star-Wars-Lore, sondern erklärt auch spezielle Kampftaktiken, um auf zukünftige Begegnungen optimal vorbereitet zu sein.

Allerdings sind die Kämpfe nicht die einzigen Situationen, in denen ein wenig Köpfchen nötig ist. Während Cals Machtfähigkeiten dabei eine große Hilfe sind, leisten sie dem angehenden Jedi auch in den komplexen Rätseln wertvolle Dienste. Vor allem wenn es darum geht, in den Tiefen des Planeten Zeffo die Geheimnisse der Macht zu ergründen, spielen nicht nur Muskeln, sondern auch Hirnschmalz eine Rolle.

Mein Test-Fazit zu Star Wars Jedi: Fallen Order

In den letztem Jahren hat die Bezeichnung AAA-Spiel an Bedeutung verloren. Statt Hochglanz-Blockbuster-Produktionen wird der Begriff als Abkürzung für gierige Monetisierung und halbgare Service-Modelle genutzt. Star Wars Jedi: Fallen Order ist anders. Es ist eines der wenigen AAA-Spiele seit langem, die diesen ursprünglich angedachten Namen wirklich verdienen.

Star Wars Jedi: Fallen Order ist das erste tolle Star-Wars-Spiel seit Jahren – und konkurriert mit folgenden Perlen aus der Vergangenheit:

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Die besten Star Wars-Spiele aller Zeiten

Eine riesige, frei erkundbare Spielwelt ohne Leerlauf, ein komplexes Kampfsystem, eine gut geschriebene Geschichte, bombastische Grafik, keine unnötigen Online-Features – bereits in diesem Zustand wäre das Spiel schon ein moderner Klassiker. Dass aber obendrauf all das noch mit der Star-Wars-Lizenz veredelt wird, macht Star Wars Jedi: Fallen Order endgültig zum Pflichtkauf für alle Fans des Franchises und für Souls-Veteranen.

Wenn ich mir von Respawn Entertainment noch etwas wünschen dürfte, dann höchstens einen Arena-Modus, um die großartigen Bosskämpfe des Spiels wiederholen zu können, ohne dafür ein komplett neues Spiel starten zu müssen. Obwohl ich auch dazu jederzeit erneut bereit wäre.

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