Apple weiß fast nichts über mich — und das ist gut so

Holger Eilhard 15

Bereits vor einigen Wochen berichteten wir von der Möglichkeit, sich von Apple die über die eigene Apple ID gesammelten Daten zukommen zu lassen. Ich habe meine eigenen Daten angefordert, um herauszufinden, was Apple wirklich weiß.

Apple weiß fast nichts über mich — und das ist gut so
Bildquelle: GIGA / Sebastian Trepesch.

Datenanfrage bei Apple: Die Antworten in rund 20 Excel-Dateien

Der Prozess, um die bei Apple gespeicherten Daten über die eigene Apple ID zu erlangen, ist im Vergleich zur Konkurrenz bei Google oder Facebook etwas umständlich. Statt einiger schneller Klicks, die binnen weniger Sekunden zum Download der Daten führen, geschieht die Anfrage derzeit über das Feedback-Formular des iPhone-Herstellers. Immerhin genügt ein einfacher und formloser Kommentar, um eine Antwort zu erhalten.

Die erste Antwort auf die Anfrage kam in meinem Fall in Form einer Mail einige Tage später. In dieser bat ein Mitarbeiter um die Angabe folgender Details:

  • Vor- und Zuname
  • Apple ID (wenn bekannt)
  • eMail-Adresse des Accounts
  • Postadresse
  • Telefonnummer
  • Seriennummer des registrierten Produkts / der registrierten Produkte
  • Apple Online Store/iTunes Store Bestellnummer

Bei der Angabe der Seriennummer nannte ich drei meiner aktiven Geräte; ein einfacher Überblick findet sich auf appleid.apple.com. Für die „Apple Online Store/iTunes Store Bestellnummer“ genügte ein Blick ins Postfach, um eine der letzten App-Rechnungen zu finden.

Eine weitere Woche später folgten zwei getrennte Mails von Apple. Die erste Mail beinhaltete einen Link zu einer Passwort-geschützten Zip-Datei, die zweite Mail das hierfür benötigte Passwort. Nach dem Entpacken der Datei, welche nur 4,5 MByte groß war, sind rund zwei Dutzend Excel-/CSV-Dateien sowie eine weitere Zip-Datei mit den bei Apple gespeicherten Informationen zu finden.

Keine Überraschungen in den gesammelten Daten

Ein Blick in diese Dateien offenbart keine Überraschungen. Wie die Dateinamen im oben gezeigten Bild schon andeuten, beinhalten diese Tabellen neben generellen Informationen zum eigenen Accounts unter anderem auch iTunes-Aktivitäten und Reparatur-Details.

Zwar beinhalten diese Dateien keine tiefgreifenden Details zur eigenen Person, geben aber aufgrund ihres Alters einen interessanten Blick in die Vergangenheit und zeigen auch, was Apples Mitarbeiter im Fall einer Reparatur dokumentiert haben. So gehen die „iTunes Downloads“ in meinem Fall zurück bis ins Jahr 2004 und den damals ersten heruntergeladenen Songs. Hier sind aber auch die ersten Apps zu finden, die ich im Juli 2008 geladen habe.

Keine Inhalte, sondern nur Metadaten

Während diese Informationen anhand der IP-Adresse gegebenenfalls Aufschluss über den Standort eines Nutzers zum Zeitpunkt der Kaufs geben können, geben die Einträge in den „IDS_Querylogs“ Hinweise auf eine mögliche Kommunikation via iMessage. Ob es allerdings wirklich dazu kam, dass sich zwei Nutzer miteinander unterhalten haben, kann anhand der darin gespeicherten Daten nicht gesagt werden.

Die Datei, welche nur rund einen Monat an Daten umfasst, beinhaltet lediglich Versuche der Nachrichten-, Kontakte-, Telefon- oder Mail-App, eine Telefonnummer oder E-Mail-Adresse bei Apple zu finden. Apple weist daraufhin, dass man anhand dieser Logs nicht feststellen kann, ob wirklich eine Nachricht gesendet wurde oder ob es überhaupt einen Versuch zum Senden einer solchen gab.

Die Anfragen werden teilweise automatisch vom Gerät selbst verursacht und können daher auch ohne eine Aktion des Nutzers stattfinden. Es handelt sich bei den zur Verfügung gestellten Daten also primär um Metadaten, welche die Interaktionen mit Apples Diensten dokumentieren.

Eine Möglichkeit zum direkten Download von Inhalten, wie etwa von in iCloud gespeicherten Fotos oder in iCloud Drive gespeicherten Dateien, fehlen bislang. Dies soll sich jedoch bald ändern, nicht zuletzt um der Änderung der Datenschutzrichtlinien in der EU gerecht zu werden.

Personenbezogene Daten bei Apple: Vorbildlich zurückhaltend

Fazit: Die von Apple gesammelten Daten sind auf das Nötigste beschränkt — insbesondere im Vergleich zu den Mengen an Informationen, wie sie soziale Netzwerke wie Facebook oder der Suchmaschinengigant Google tagtäglich sammeln und auswerten. Dies ist nicht verwunderlich, denn Apple verdient nicht an den persönlichen Daten seiner Nutzer, sondern setzt voll auf den Verkauf von Hard- und Software. Dennoch sind die wenigen gespeicherten persönlichen Daten einen Blick wert, selbst wenn es nur um die Einkäufe der vergangenen Jahre und etwaige Interaktionen mit Apples Support geht.

So gelangt ihr an eure Daten

Solltet ihr eure eigenen Daten bei Apple anfragen wollen, könnt ihr dazu Apples Kontaktformular nutzen. Ihr wählt dazu in der Auswahl „Datenschutzprobleme“ und müsst dann lediglich das Formular ausfüllen und eine formlose Anfrage stellen. In unserem Versuch war die Angabe von etwaigen Paragrafen oder Fristen nicht nötig. Einige Tage nach dem Absenden des Formulars solltet ihr dann eine Mail, wie oben beschrieben, erhalten, in der ihr nach weiteren Daten zu eurer Apple ID gefragt wird. Wir hoffen, dass Apple diesen Teil des Prozesses in der nahen Zukunft vereinfacht.

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