Regeln verschärft: Will YouTube die Nutzer wirklich vor ihrer eigenen Dummheit bewahren?

Stefan Bubeck 1

„Tide Pod Challenge“, „Blue Whale Challenge“, „Public Bomb Prank“ und jetzt auch noch „Bird Box Challenge“: Aus lustigen Wettkämpfen und Streichen kann leider ganz schnell (tödlicher) Ernst werden. Endlich tut Google auf seiner Video-Plattform YouTube etwas dagegen – es war höchste Zeit.

Regeln verschärft: Will YouTube die Nutzer wirklich vor ihrer eigenen Dummheit bewahren?
Bildquelle: Getty Images / Marcos Calvo.

Besser spät als nie: YouTube will gefährliche Challenge- und Prank-Videos verbieten. Das geht aus einem Blogpost des YouTube-Teams hervor, der am Mittwoch online ging. Die Gemeinschaftsleitlinien (Community Guidelines) der Video-Plattform betonen nun unter dem Punkt Richtlinien zu schädlichen oder gefährlichen Inhalten, dass etwa „Herausforderungen, bei denen ein Todesrisiko besteht“ verboten seien. Ebenso tabu seien unter anderem „Inhalte, bei denen ein Kind an gefährlichen Herausforderungen teilnimmt, die ein unmittelbares Verletzungsrisiko darstellen“ oder zu „emotionalem Stress führen können“.

YouTube: Gefährliche Challenge-Videos werden gelöscht und der Kanal bekommt eine Verwarnung

In den kommenden zwei Monaten will YouTube immer härter durchgreifen: Wird gegen die Richtlinien verstoßen, dann hat das die Löschung des Videos und eine Verwarnung für den Channel zur Folge. Das dürfte einigen YouTubern die inhaltliche Grundlage entziehen – es gibt Kanäle, die sich genau auf solche fragwürdigen Videos spezialisiert hatten. In der Sache harmlose Challenge-Videos wie etwa die Bottle-Flip-Challenge sind nicht von den strenger ausgelegten Regeln betroffen.

Netflix hat bereits vor zwei Wochen reagiert und bittet Filmfans darum, sich nicht unbedacht an der sogenannten Bird Box Challenge zu beteiligen, die auf dem gleichnamigen Film-Erfolg des Streaming-Anbieters beruht:

Social Media: Reaktion statt Prävention

YouTubes Aufstieg zu einer weltweiten Medienmacht hat sicherlich auch damit zu tun, dass sich neue Trends in einer unfassbaren Geschwindigkeit ausbreiten können („Virale Videos“). Klassische Fernsehsender sind da durch interne und externe Kontrollmechanismen (Rundfunkrat, Landesmedienanstalten) vergleichsweise gehemmt. Auf Social-Media-Plattformen wird in erster Linie auf negative Ereignisse reagiert, nachdem der Schaden schon entstanden ist – sie zeichnen sich weniger durch wirkungsvolle präventive Maßnahmen aus. Bei der hohen Anzahl täglich neu erscheinender Posts ist das allerdings auch nicht ohne Weiteres zu lösen.

Neue Regeln bei YouTube: Was steckt wirklich dahinter?

Natürlich ist es löblich, dass das YouTube-Team die Problematik der gefährlichen Challenge- und Prank-Videos nochmals betont und fortan konsequent dagegen vorgehen will. Trotzdem bleibt da ein Beigeschmack, denn die zahlreichen Unfälle, Verhaftungen und Vergiftungen aus den letzten Monaten zeigen, dass die Video-Plattform oft erst dann die Reißleine zieht, wenn es eigentlich schon zu spät ist.

Das „vorhersehbare Ergebnis“ einer Bird Box Challenge, hier in einem Twitter-Post der US-Polizei:

Bis dahin spülen Millionen von Klicks beachtliche Werbeumsätze in die Kassen. Da könnte man auf die verschwörerische Idee kommen, dass YouTube nicht nur aus moralischen Gründen gegen waghalsige Challenge-Clips vorgeht, sondern vor allem, weil sich Werbetreibende schlichtweg ein weniger kontroverses Umfeld für ihre Reklame wünschen. Wird also der Nutzer vor seiner eigenen Dummheit geschützt oder die Attraktivität einer profitablen Werbe-Plattform sichergestellt? Wahrscheinlich beides.

Wie dem auch sei: Selbst wenn potenziell gefährliche Trends bei YouTube zukünftig ausgebremst werden sollten, bevor sie viral gehen können – es bleibt weiterhin die Frage, wie es diesbezüglich bei Facebook, Twitter, VK, Snapchat und anderen Plattformen aussieht. Wenn nämlich der geistige Nachfolger der lebensmüden Tide Pod Challenge einfach nur an anderer Stelle zum Hit wird, dann ist dieses Internet-Kapitel noch lange nicht zu Ende.

Wie melde ich gefährliche Inhalte bei YouTube?

Übrigens: Wer auf YouTube ein Video sieht, bei dem dumme unüberlegt handelnde Menschen sich selbst oder andere in Gefahr bringen könnten, kann dies jederzeit melden. Das entsprechende Menü ist unter dem Button mit den drei Punkten (neben dem Titel) zu finden.

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