Welche Bluetooth-Box hat den besten Klang? Welche Arten von tragbaren Boxen gibt es? Was bedeuten die technischen Daten? Wir geben Tipps für den Kauf von Lautsprechern für unterwegs.

Bluetooth-Lautsprecher: Das solltet ihr wissen Abonniere uns
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Die Preisspanne von Bluetooth-Lautsprechern ist riesig

Die Preisspanne reicht von rund 30 Euro für eine brauchbare Mini-Box bis hin zur Topklasse, in der auch mal 300 Euro oder mehr für eine Box fällig werden können. Der Preis hängt dabei nur zum Teil von der Größe ab: So manch kleiner Bluetooth-Lautsprecher kann teurer sein, als ein deutlich größeres Modell. Höhere Kosten entstehen durch den Einsatz bestimmter Gehäusematerialien (z. B. Aluminium statt Kunststoff), hochwertige Bauteile (Treiber, Verstärker, Akku), Forschung und Entwicklung sowie Marketing. Grundsätzlich schlägt fast jede Bluetooth-Box vom Klang her die eingebauten Lautsprecher in Smartphones oder Laptops, sodass sich die Anschaffung lohnt.

Lautstärke und Klangqualität: Die Grenzen der Physik

Die Grundregel lautet, dass Gehäusevolumen durch nichts ersetzt werden kann. Durch digitale Signalverarbeitung (DSP) können die Hersteller zwar das Maximum an Klang aus kleinen Abmessungen herausholen – aber letzten Endes erfordert eine partytaugliche Box mit ordentlich Bass dann doch eine gewisse Größe. Mit einem faustgroßen Würfel bringt man sicherlich kein Wohnzimmer in Tanzstimmung, mit einer Boombox mit der Größe eines Schuhkartons schon eher.

Der Teufel Boomster (2021) kann sehr hohe Lautstärken sauber wiedergeben, ist mit 3,75 kg Gewicht und 37 cm Breite aber auch nicht mehr handtaschentauglich (Bildquelle: GIGA)

Die Herstellerangaben zur Maximallautstärke (in Dezibel) sind mit Vorsicht zu genießen: Fast jeder Lautsprecher fängt an zunehmend zu verzerren, wenn er in die Nähe seines Spitzenpegels gebracht wird. Zudem wird für gewöhnlich der Bass bei steigender Lautstärke heruntergeregelt, damit es nicht zu Überlastungen kommt. Das Ergebnis ist, dass so manche Bluetooth-Box zwar ohrenbetäubend laut spielt, die Wiedergabe aber kreischend und blechern wirkt – mit Musikgenuss hat das dann nichts mehr zu tun. Ähnliches gilt für Herstellerangaben die eine angebliche Leistung in Watt nennen („Mächtiger 80W Sound“): Solche Werte haben praktisch keine Aussagekraft und eignen sich auch nicht zum Vergleich von Lautsprecher-Modellen.

Belastbar sind allenfalls Messwerte, die unter kontrollierten Bedingungen erfasst wurden – aber die sind selten zu finden. Zudem werden Bluetooth-Lautsprecher häufig in unterschiedlichen Positionen und auch im Freien verwendet: Die Daten aus einem Messraum sind dann kaum hilfreich, da sich die Bedingungen komplett verändert haben.

Echter Stereo-Klang: Braucht man das?

Zwei Dockin D Fine Cube lassen sich zu einem Stereopaar kuppeln. Mit etwas Abstand lässt sich so ein tolles Klangbild erzeugen, das in der Mitte dazwischen am besten klingt (Bildquelle: GIGA)

Weiträumiger Klang von zwei Seiten? Wenn einige Hersteller ein „beeindruckendes Stereopanorama“ mit nur einer Box versprechen, dann sollte man skeptisch sein. Räumlich wirkender Stereoklang erfordert zwei Lautsprecher, die mindestens eine Unterarmlänge Abstand (oder mehr) voneinander haben. Bei einer kompakten Box macht es so gesehen nichts aus, wenn sie nur Mono (Linker und rechter Kanal zu einem zusammengefasst) von sich gibt – eine breite „Bühne“ mit Instrumenten auf linker und rechter Seite würden sie ohnehin nicht darstellen können.

Manche Bluetooth-Lautsprechermodelle lassen sich zu einem Stereopaar koppeln (meist zwei baugleiche Boxen erforderlich z. B. 2 x Dockin D Fine+ 2 mit Stereo-Link, bei Amazon ansehen). Für den Heimgebrauch empfehlen sich auch WLAN-Speaker wie Sonos One oder Apples HomePod mini (Stereopaar mit Airplay 2), die speziell dafür ausgelegt sind.

360-Grad-Klang: Sind rundum abstrahlende Lautsprecher die einfachere Lösung?

Bei den meisten Bluetooth-Lautsprechern zeigen die Treiber nach vorne auf den Nutzer: Der Sound wird direkt abgestrahlt und gelangt auf dem kürzesten Weg zum Ohr. Einige Modelle sind aber so konstruiert, dass der Schall gleichmäßig in alle Richtungen abgestrahlt wird („Rundstrahler“, „360-Grad-Klang“). Das bedeutet, dass ein vergleichsweise großer Schallanteil indirekt zum Hörer gelangt, etwa indem er von den Raumwänden reflektiert wird.

Bose Soundlink Revolve mit zylinderförmigen Gehäuse: Der Schall wird gleichmäßig in alle Richtungen abgegeben (Bildquelle: GIGA)

Dieses Rundstrahler-Prinzip kann Vorteile mit sich bringen: Die Musik klingt durch den indirekten Schallanteil im Idealfall räumlicher und „größer“, bekommt einen Hauch von Konzertatmosphäre. Die Hersteller versprechen allerdings oft auch, dass man so eine 360-Grad-Box fast schon beliebig im Raum (oder im Freien) aufstellen kann und jeder Zuhörer eine tolle Klangqualität genießen kann. Diese Aussage ist kritisch zu sehen: Gerade bei Rundstrahlern muss man nämlich genau darauf achten, welche schallreflektierenden Flächen sich in der unmittelbaren Umgebung befinden, die dann den wahrgenommenen Klang am Hörort beeinflussen. Im schlimmsten Fall kommt es zu Überbetonungen und störendem Nachhall: Die Musik klingt dann diffus und anstrengend.

Stefan Bubeck
Stefan Bubeck, GIGA-Redakteur, Experte für Consumer Electronics, insbesondere Audio.

Direktschall gefällt mir besser

Ich bevorzuge in den meisten Fällen einen Bluetooth-Lautsprecher, der ganz klassisch nach vorne abstrahlt. Mir gefällt dieser direkte Sound, vor allem bei Beat-lastiger Musik ist das von Vorteil. Außerdem kann ich durch die Aufstellung sehr einfach und effektiv den Klang an den Zweck anpassen. Wenn die Box ein Dinner mit Hintergrundmusik berieseln soll, dann drehe ich sie leicht von den Zuhörern weg. Wenn eine Party beschallt werden muss, dann richte ich die Box direkt aufs Publikum und platziere sie in Wandnähe (das hilft meist dem Bass auf die Sprünge).

Spezielle 360-Grad-Lautsprecher finde ich nur dann ausgesprochen nützlich, wenn sich viele Zuhörer im Freien befinden und die Box in der Mitte steht – also etwa bei einem Picknick im Park.

Akku laden: Entscheidend sind Anschlüsse und das passende Netzteil

Neuere Modelle verfügen über die verdrehsichere USB-C-Buchse, so wie auch aktuelle Smartphone-Modelle. Die ältere Micro-USB-Buchse ist zwar noch nicht ausgestorben, aber in so manchem Haushalt könnte der neu erworbene Bluetooth-Lautsprecher bereits das letzte Gadget sein, das noch damit geladen wird. Die meisten Modelle mit USB-Anschluss lassen sich auch mit einer kräftigen Powerbank (z. B. Belkin Boost Charge 20K, bei Amazon ansehen) unterwegs nochmal „nachtanken“. Manche der ganz großen Bluetooth-Lautsprecher lassen sich nur mit dem beiliegenden Netzteil aufladen (z. B. JBL Xtreme 2 mit 19 V). Ihr solltet also vor dem Kauf einer Box auf den verbauten Anschluss zu achten und das in die Kaufentscheidung einfließen lassen.

USB-C-Anschluss und Klinkenbuchse am Marshall Stockwell 2 (Bildquelle: GIGA)

Vor den Kauf sollte man auch prüfen, ob überhaupt ein Ladegerät („Netzteil“) und USB-Verbindungskabel im Lieferumfang enthalten sind – oft ist das nämlich nicht der Fall. Die Hersteller gehen davon aus, dass man beispielsweise das Ladegerät eines Handys verwendet. Im Zweifel lohnt sich also der Kauf eines zusätzlichen (leistungsstarken) Ladegeräts (z. B. Anker 24 Watt, erhältlich bei Amazon), sodass man jederzeit mehrere Gadgets gleichzeitig aufladen kann.

Powerbank-Funktion: Nützlich fürs Handy

Manche Bluetooth-Lautsprecher wie der Teufel Rockster Cross für rund 350 Euro (bei Teufel ansehen) haben eine „Powerbank-Funktion“. Das bedeutet, dass sie über einen USB-Anschluss selbst Energie abgeben können, etwa an ein Smartphone, das so wieder aufgeladen wird (natürlich auf Kosten des Lautsprecher-Akkus).

Freisprechfunktion: Bluetooth-Lautsprecher in Meetings

Es gibt Situationen, da ist eine Freisprechfunktion („Speakerphone“) nützlich. Damit das möglich ist, muss im Bluetooth-Lautsprecher ein Mikrofon verbaut sein. Man denke an ein Telefonat oder Video-Meeting mit vielen Teilnehmern auf einer Seite, die alle mithören und mitreden wollen. Auch denkbar ist eine Nutzung der Freisprecheinrichtung im Auto, wenn man die Box zuvor sicher verstaut und mit dem Handy gekoppelt hat.

aptX und aptX HD: Mehr Daten für bessere Klangqualität?

Je höher die Datenrate bei der Bluetooth-Übertragung, desto besser die Klangqualität – soweit die Theorie. Einige Hersteller bewerben ihre BT-Lautsprecher damit, dass sie dank aptX HD (oder Sony LDAC oder Samsung HD) einen Klang bieten, der sich nicht von einer Audio-CD unterscheiden lasse. In der Praxis macht sich der Qualitätsunterschied zu herkömmlicher Übertragung (Bluetooth SBC) oder dem von Apple bevorzugtem AAC bei den meisten Bluetooth-Lautsprechern aber nicht immer bemerkbar.

Der Audio-Codec LDAC ist der herkömmlichen Übertragung mit SBC in jeder Hinsicht technisch überlegen. Die hohe Datenrate kann sich positiv auf die wahrgenommene Klangqualität auswirken (Bildquelle: Sony)

Einen stärkeren Einfluss auf den Klang haben hier oft andere Faktoren, wie die Quelle (z. B. Spotify mit 320 kbit/s vs. Internetradio mit 48 kbit/s) oder die Position der Box im Raum (Reflektionen). Wenn es bei hohen Lautstärken scheppert und dröhnt, ist es häufig nicht die Box selbst – sondern der wacklige Regalboden, auf dem sie platziert wurde.

Multipoint Bluetooth: Eine der nützlichsten Funktionen

Wer mehrere Abspielgeräte abwechselnd benutzt (z. B. 2 Handys oder 1 Handy und 1 Tablet), wird sich über eine Funktion namens Multipoint Bluetooth freuen. Das bedeutet, dass der Lautsprecher mit zwei Quellen gleichzeitig verbunden sein kann. Zu hören ist dann jeweils das Gerät, bei dem zuletzt der Play-Button gedrückt wurde. Dieser „fliegende Wechsel“ erspart den Umweg über das Bluetooth-Menü des Abspielgeräts. Eines der wichtigsten und zugleich stark unterschätzten Features, auf das man achten sollte.

Der Bose Soundlink Flex unterstützt mehrere Bluetooth-Verbindungen gleichzeitig, sodass ein schneller Wechsel zwischen Abspielern möglich ist (Bildquelle: GIGA)

Bluetooth-Lautsprecher mit WLAN: Ja, die gibt's!

Die meisten Bluetooth-Lautsprecher unterstützen kein WLAN – es gibt aber auch Ausnahmen:

  • Vom kalifornischen Audio-Hersteller Sonos stammen der Sonos Move (bei Saturn ansehen) und der Sonos Roam (bei MediaMarkt ansehen). Beide arbeiten in Wohnungen mit dem hauseigenen Multiroom-System (WLAN erforderlich), können aber unterwegs auch per Bluetooth angesteuert werden.
  • Bose hat den Bose Portable Smart Speaker (bei Amazon ansehen) im Programm, der per WLAN Teil eines „Klangnetzwerks“ wird (z. B. zusammen mit der Bose Soundbar 500). Draußen nutzt man die Box mit Bluetooth.
  • Der Libratone Zipp 2 ist tragbar und nimmt Musik auch mit Apples Airplay 2 (WLAN) entgegennimmt.
  • Der JBL Link Portable (bei Cyberport ansehen) kann Airplay 2 und Chromecast, unterstützt aber auch Bluetooth.

Außerdem können manche stationäre WLAN-Multiroomlautsprecher auch Bluetooth empfangen, etwa der Bose Home Speaker 500 (für 330 Euro bei Amazon) – diesem fehlt andererseits die Batterie, er ist nur für den stationären Betrieb in Wohnungen gedacht.

Bluetooth-Lautsprecher mit Radio: Das Handy bleibt in der Hosentasche

Wer überwiegend Radiosender hört, kann die meiste Zeit auf die (zuweilen nervige) Steuerung per Smartphone verzichten. Die Lösung sind Boxen, bei denen neben Bluetooth auch ein (digitales) Radio integriert ist.

  • So ist etwa der Teufel Boomster (bei Teufel ansehen) mit DAB und UKW ausgestattet – beides lässt sich komplett am Gerät selbst bedienen.
  • Der deutlich kompaktere JBL Tuner 2 (bei MediaMarkt ansehen) unterstützt ebenso DAB/DAB+/UKW. Ein kleines Display zeigt den aktuellen Sender an.

Nachhaltigkeit: Mehr als nur Umweltschutz

Wir alle kennen diese Verpackungen, bei denen alles in Folie eingetütet ist: Der Lautsprecher, die Kabel, die Anleitung – muss das denn wirklich sein? Manche Hersteller sind hier schon einen Schritt weiter, sie setzen auf möglichst wenig Verpackungsmaterial, das noch dazu aus Pappkarton oder Naturfasern besteht. Manche Lautsprecher-Modelle bestehen zum Teil aus recyceltem Kunststoff oder Aluminium – das ist immerhin ein kleiner Beitrag zur Ressourcenschonung.

Das Thema Nachhaltigkeit kennt aber auch weitere Aspekte: So ist sind ein einfach austauschbarer Akku oder ein leicht zu öffnendes Gehäuse (Stichwort: Reparierbarkeit) bei einer Bluetooth-Box ein Vorteil. Eine hohe Verarbeitungsqualität stellt eine lange Lebensdauer sicher, auch ein guter Software-Support seitens des Herstellers sorgt hier für Vertrauen.