Sirenen sind in einer digitalen Welt kein zeitgemäßes Warnmittel mehr, oder doch? Die meisten Bürger kennen die Bedeutung der Sirenen-Signale gar nicht und fast jeder hat ein Handy. Da bietet sich doch ein Mittel wie Cell Broadcast an. Eine generell gute Idee ruft dennoch einige Kritiker auf den Plan.

 

NINA - Die Warn-App des BBK

Facts 

Im Grunde gibt es nicht viele Sirenen-Alarmtöne: Alarm für die Feuerwehr, „Alarm zur Verbreitung von Durchsagen“ und Entwarnung. Bei einer Überschwemmung würde die Sirene also nur bedeuten, dass man jetzt das Radio einschalten, den Fernseher anmachen oder in seine Warn-Apps gucken soll. Was ist also an einem „Cell Broadcast“ besser? GIGA erklärt euch die Funktionsweise.

Bis Cell Broadcast endlich auch zu uns kommt, sollte man die NINA-App nutzen:

NINA: So funktioniert die Warn-App

Was ist Cell Broadcast?

Im Jahr 2020 verzeichnete die Bundesnetzagentur in Deutschland rund 150 Millionen Mobilfunkanschlüsse. Ein guter Teil davon steckt in Maschinen, aber man kann davon ausgehen, dass jeder erwachsene Deutsche ein funktionsfähiges Handy hat.

Aus diesem Grund soll das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Zukunft den Mobilfunkdienst „Cell Broadcast“ (SMS-CB) als Warnsystem verwenden. Nachdem sich angesichts der Überschwemmungen im Juli 2021 gezeigt hat, dass Sirenen als Warnmittel nicht ausreichen – zumal nicht mal mehr ein Viertel der ursprünglichen Sirenen im Betrieb sind – setzen die Politik und die Katastrophenschützer jetzt auf Cell Broadcast.

In anderen Länder, wie etwa den USA, aber auch in den Niederlanden wird das System genutzt, regelmäßig getestet und ist stabil. Es ist weitgehend anonym und funktioniert – wegen des SMS-Formats – auch auf älteren Handys.

Dabei wird eine Nachricht an alle Geräte verschickt, die gerade in bestimmten Zellen angemeldet sind. Dadurch ist es nicht nötig, die Handynummern aller Teilnehmer anzuwählen, sondern der Push-Dienst kann in Sekunden Millionen Teilnehmer in hunderttausenden Funkzellen gleichzeitig benachrichtigen. Es erfolgt kein Feedback und der Absender weiß nicht, wer die Nachricht gelesen hat und wer nicht.

In Smartphones werden die Nachrichten von systeminternen Apps empfangen und angezeigt. Dadurch sind auch längere Texte möglich, die zudem auch Links zu weiterführenden Erklärungen enthalten können.

Der Cell-Broadcast-Dienst unterscheidet zwischen vier Cell-Broadcast-Warnstufen, die in Smartphones komplett oder teilweise deaktiviert werden können. Das ist natürlich nicht zu empfehlen, da es dem Sinn des Dienstes widerspricht. Es gibt „extreme“ und „erhebliche“ Gefahren. Außerdem gibt es die „Amber Alerts“, die in den USA eine größere Rolle spielen und sich auf Kindesentführungen beziehen. Und schließlich gibt es die Testwarnungen. Sie erfolgen etwa einmal monatlich und gewährleisten, dass man tatsächlich auch erreicht wird.

Cell Broadcast und der Datenschutz – sicher oder unsicher?

Vermutlich hat kein anderes Volk auf der Erde so eine fast religiöse Leidenschaft für den Datenschutz wie wir Deutschen. Einigen ist es schon zu viel, wenn in einem Mietshaus ihr Name an der Klingel stehen soll. Natürlich werden deshalb gerade auch hier Diskussionen um drohende Datenschutz-Verletzungen beim Cell Broadcast laut.

Dafür gibt es aber keinen Grund. Man muss sich nur klar machen, worauf das System beruht:

Angenommen, in einem kleinen Ort droht eine Überschwemmung und dieser Ort hat insgesamt 10 Funkzellen der verschiedenen Mobilfunkanbieter. Anstatt nun festzustellen, welche Anschlüsse sich in den Funkzellen befinden und sie dann gezielt zu benachrichtigen, wird einfach eine Warnung in das gesamte Gebiet geschickt. Jeder, der gerade in irgendeiner dieser betroffenen Funkzellen angemeldet ist, erhält die Nachricht.

Einerseits erfolgt die Warnung also völlig anonym und andererseits ist dem System ohnehin bekannt, welche Teilnehmer sich in welcher Funkzelle befinden – sonst könnte man sie ja nicht erreichen!

Aus diesem Grund ist Cell Broadcast mit Sicherheit eine zeitgemäße Erweiterung unserer Warnsysteme und soll nach dem Willen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ab dem Sommer 2022 auch in Deutschland eingesetzt werden. Solche Ausfälle wie bei der kürzlichen Flutkatastrophe wird es dann hoffentlich nicht mehr geben. Und bis dahin sollte sich zumindest jeder Smartphone-Besitzer die Warn-App des BBK installieren.

NINA - Die Warn-App des BBK

NINA - Die Warn-App des BBK

Entwickler: Bundesamt für Bevölkerungsschutz (Deutschland)
NINA

NINA

Entwickler: Bundesamt fuer Bevoelkerungsschutz und Katastrophenhilfe

Die warnt nämlich zuverlässig und ausführlich vor Unwettern und anderen Katastrophen, weshalb sie auf jedes Handy gehört.