Viele Beobachter fragen sich schon länger, ob Apple ein Software-Problem hat – also zu viel Augenmerk auf die Hardware legt. Ein Experte sieht jetzt ausgerechnet einen Bereich als Beispiel dafür, den Apple immer wieder als wichtiges Zukunftsprojekt benennt.

 

iOS 11

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Ming-Chi Kuo: Apple hat AR-Vorsprung binnen weniger Monate verloren

Apple mag in Sachen Hardware oft einen Vorsprung vor der Konkurrenz haben. In Sachen Software ist Apple jedoch nicht mehr sonderlich überzeugend, meint der KGI-Securities-Analyst Ming-Chi Kuo – der sich seit Jahren intensiv mit Apple beschäftigt. Es gebe mehrere Beispiele, die zeigen, dass Apples Softwareentwicklung hinter der Hardwareentwicklung zurückbleibe, „und das ist schlecht für die Innovationsstrategie der Integration von Software und Hardware“, so Kuo.

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Als Beispiel nennt er ausgerechnet Apples Augmented-Reality-Plattform ARKit – also den Bereich, den Apple-CEO Tim Cook höchstpersönlich immer wieder als wichtige Zukunftstechnologie hervorhebt. Eigentlich war Apple auch stolz, mit iOS 11 und ARKit eine AR-Plattform zu haben, die der Konkurrenz überlegen ist. Binnen weniger Monate scheint Apple den Vorsprung aber komplett verloren zu haben.

Software-Problematik: Chinesischer Hersteller Oppo schlägt Apple mit eigenen Waffen

Kuo verweist auf die kommende AR-Version des chinesischen Battle-Arena-Spiels Honor of Kings, das außerhalb Chinas als Arena of Valor bekannt ist. Das Spiel, das auf dem iPhone auf ARKit setzt, wird neben dem iPhone auch mit einigen viel günstigeren Geräten des chinesischen Herstellers Oppo kompatibel sein. Oppo habe hier einen Teil der Apple-Strategie erfolgreich kopiert: Das Unternehmen habe eine eigene Programmierschnittstelle entwickelt, um eine bessere Integration von Hardware mit Software zu erreichen. Auch habe Oppo eng mit dem Künstliche-Intelligenz-Startup SenseTime und mit dem Honor-of-Kings-Entwickler Tencent zusammengearbeitet, um die AR-Version des Spiels richtig umzusetzen.

Apple habe es seit der Vorstellung von ARKit im vergangenen Jahr wiederum nicht geschafft, eine wirklich „schwergewichtige“ exklusive Augmented-Reality-App fürs iPhone zu bekommen. Eigentlich hatte Apple mit der überlegenen Plattform, der Integration mit den eigenen Chips und Verbesserungen der Rückseiten-Kamera des iPhone alle Voraussetzungen gehabt, um sich von der Konkurrenz abzusetzen. Die mangelnden Fortschritte im Bereich der Software in den folgenden Monaten haben aber dafür gesorgt, dass der Vorsprung nahezu verschwunden sei.

Mit iOS 11.3 hat ARKit zumindest einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht: Die Software erkennt jetzt auch vertikale Flächen wie Wände. Weitere Neuerungen von iOS 11.3 seht ihr in unserer Bilderstrecke.

Apple: Kritik auch wegen Software-Bugs und Sicherheitslücken

Dass Kuo ausgerechnet auf ARKit verweist, ist überraschend. Es ist aber nicht das erste Mal, dass Apple für seine Software in Kritik steht – letztes Jahr machten diverse iOS- und macOS-Bugs von sich Reden; zum Teil gab es vor allem im macOS schockierende Sicherheitslücken. Aufgrund dessen soll Apple bei zukünftigen iOS- und macOS-Updates stärker auf Fehlerbehebungen statt auf neue Features achten wollen. Gleichzeitig schläft die Konkurrenz in Sachen neuer Features aber nicht, wie das Beispiel AR und Oppo zeigt. Apple muss hier die richtige Balance finden. Was denkt ihr?

Quelle: MacRumors