Der kleine Prinz - Kritik: Wunderschön, mutig und nicht nur für Fans!

Christoph Koch
Der kleine Prinz - Trailer Deutsch.
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Mit „Der kleine Prinz“ hat der französische Autor Antoine de Saint-Exupéry ein kleines Meisterwerk geschaffen, das seit seiner Veröffentlichung im Jahre 1943 zahlreiche Generationen mit der Geschichte rund um den kleinen Prinzen, der unsterblich in eine Rose verliebt ist, in den Bann zieht. Seitdem hält der kleine blonde Junge mit den großen Weisheiten des Lebens Einzug in die Popkultur und zahlreiche Sätze und Passagen der Geschichte dürften auch Nichtkennern des Buches bekannt sein. Jetzt kommt der kleine Prinz also als Animationswerk ins Kino und auch wenn ich als Liebhaber des Buches solchen Unterfangen erst einmal skeptisch gegenüberstehe, hat mich “Der kleine Prinz“ am Ende doch begeistern können.

Die Welt ist grau, hart und vor allem von morgens bis abends durchgetaktet. Es wird nichts dem Zufall überlassen und jeder einzelne Schritt wird akribisch geplant und umgesetzt. In dieser seelenlosen Welt lebt ein kleines Mädchen mit ihrer Mutter. Das kleine Mädchen soll sich auf die Aufnahmeprüfung an einer Elite-Uni vorbereiten. Doch das ist noch lange nicht alles, denn jeder einzelne Schritt und Moment ihres Lebens ist vorgeplant und der Zufall ausgeschaltet. Dies ist kein Ort für Fantasie, Originalität und Ungewöhnliches.

„Der kleine Prinz“ und der Einfluss auf das Leben

Doch da lernt das Mädchen den älteren und chaotischen Nachbarn kennen, der in diese streng geregelten Welt so gar nicht hineinpasst. Nach und nach freunden sich die beiden an und das kleine Mädchen lernt die Geschichte des kleinen Prinzen kennen, welche das vollkommen zur Rationalität erzogene Mädchen durch seine fantasievolle Geschichte erst einmal überfordert. Doch die märchenhafte Geschichte des Prinzen, seinem Asteroiden und seiner Liebe zu einer Rose nimmt das kleine Mädchen immer mehr gefangen und sie beginnt, auch in ihrem Leben der Fantasie und nicht den strengen Regeln der Welt zu folgen.

Es gibt zahllose Hörspielfassungen, eine Bühnenversion und mehrere Verfilmungen vom kleinen Prinzen, doch bisher gab es erstaunlicherweise keinen Kino-Animationsfilm, was angesichts der Zeichnungen, mit denen der Autor sein Werk illustrierte, überraschen dürfte. Doch jetzt ist es endlich soweit und mit „Der kleine Prinz“ findet das Kinderbuch endlich den Weg in die Kinos. Und das mit Bravour. „Der kleine Prinz“ nimmt Abstand davon, einfach nur die Geschichte des Buches auf die Leinwand zu verfrachten, sondern der Film konzentriert sich vielmehr darauf, was diese fantasievolle Geschichte in denen bewegt, die sie lesen.

Wir bekommen mit „Der kleine Prinz“ nicht das komplette Werk Stück für Stück als Leinwand-Version vorgesetzt, sondern es werden nur die wichtigsten und schönsten Teile des Buches in einem wunderschönen, sich tief vor den Original-Zeichnungen verbeugenden Animationsstil präsentiert. Im Mittelpunkt der Geschichte steht vielmehr das kleine Mädchen und ihre Erfahrungen mit der Geschichte des kleinen Prinzen und welchen Einfluss sie auf das Leben, das Handeln und das Miteinander hat. Und genau durch diese kleine, aber feine Verschiebung des Schwerpunkts, weg von der eigentlichen Geschichte, hin zum Einfluss der Geschichte auf die Welt, kann „Der kleine Prinz“ punkten und mich als Fan des Buches abholen.

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Mutiger Schritt und frischer Wind

Hier wird nicht einfach nacherzählt, sondern die Geschichte in einen aktuellen und großen Kontext verfrachtet, was sehr erfrischend wirkt und gleichzeitig modern daherkommt. Dadurch bekommt die 70 Jahre alte Geschichte des kleinen Prinzen einen überzeugenden Gegenwartsbezug. „Der kleine Prinz“ ist ein Plädoyer für die Kraft der Fantasie und aus diesem Grund kann und will ich dem Film auch keinesfalls Böse sein, dass er ab ungefähr der Mitte einen überraschend mutigen Schritt wagt, der leicht hätte schiefgehen können, der hier jedoch schon allein dadurch funktioniert, das durch jede einzelne Pore dieses Films die Liebe zum Werk fließt. Es sei nur so viel verraten: Der Film fordert euch auf, die eigene Fantasie zu benutzen und hält sich an seine Prämisse!

Hier und da gehen einem die Charaktere vielleicht ein bisschen auf die Nerven, „Der kleine Prinz“ hätte auch etwas kürzer ausfallen dürfen und die Entscheidung, Matthias Schweighöfer und Til Schweiger als Synchronsprecher zu engagieren, halte ich für sehr fragwürdig. Vor allem Schweighöfer hat mir im Film durch seine Synchronisation einige der schönsten Stellen des Buches kaputt gemacht.

Fazit

Sicherlich, „Der kleine Prinz“ ist keineswegs perfekt, aber allein durch die Akzentverschiebung, den tollen Animationsstil und dem mutigen Schritt ab der Mitte, der hier nicht gespoilert werden soll, konnte mich diese Verfilmung packen. Für Fans und die, die es werden wollen, ein Muss!

rating8

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