Ein leistungsstarker Prozessor, eine solide Kamera, ein pfeilschneller Fingerabdrucksensor und eine aufgeräumte Android-Oberfläche ohne viel Schnickschnack. Auf dem Papier klingt das OnePlus 9 wie das perfekte Smartphone für mich – und trotzdem hat es einige Macken, die mich regelrecht in den Wahnsinn treiben. Ein Kommentar von Robert Kohlick.

 

OnePlus: Das Unternehmen hinter den „Flaggschiff-Killern“

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Abrechnung mit dem OnePlus 9: Es fehlt mal wieder der Feinschliff

Ach verdammt noch mal, OnePlus! Warum musst du es mir wieder so schwer machen? Schon das erste OnePlus Nord sorgte bei mir für gemischte Gefühle – und nun auch noch das OnePlus 9? Fast 5 Monate lang konnte ich das Gerät im Alltag als meinen Daily-Driver einsetzen. Mein Fazit: Das Android-Flaggschiff ist ein echt gutes Smartphone – nur leider lässt OnePlus mal wieder viel Potenzial auf der Strecke. Und das liegt vor allem am fehlenden Feinschliff der Software.

Denn während ich über das Arbeitstempo, die Akkulaufzeit oder das OLED-Display kein einziges negatives Wort verlieren kann – hier stimmt einfach alles – habe ich während meiner Testphase immer mal wieder genervt mit den Augen rollen müssen, wenn ich auf ein neues Problem mit Oxygen OS gestoßen bin. Ein paar Beispiele gefällig?

  • 120 Hz sind nicht immer 120 Hz: Obwohl ich in den Einstellungen die Bildwiederholfrequenz des Smartphones auf 120 Hz gestellt habe, scheint das einigen Apps vollkommen egal zu sein. Der Video-Feed der YouTube-App zittert beispielsweise weiterhin mit maximal 60 FPS über das Display. Diese Entscheidung mag bewusst getroffen worden sein, um etwas Akku zu sparen – mich bringt diese Gängelei jedoch richtig auf die Palme.
  • Schlechte Gestenerkennung: Die Gestenerkennung auf dem Sperrbildschirm funktioniert auch nach diversen Updates nicht astrein. Vor allem nachts, wenn ich die Taschenlampe mit einer V-Geste aktivieren will, braucht es manchmal drei Anläufe, bis das OnePlus 9 endlich verstanden hat, was ich von ihm will.
  • Multitasking-Problem beim Telefonieren: Wenn ich angerufen werde, während mein Handy gesperrt ist, kann ich während des Anrufs nicht mehr auf den Homescreen und andere Apps zugreifen. Wahrscheinlich eine Sicherheitsfunktion, die Diebe davon abhalten soll, sich auf diesen Weg Zugang zu meinen Daten zu verschaffen. Aber warum kann ich nicht während des Gesprächs mein Handy selber entsperren, um wieder Zugang zum OS zu bekommen?
Oxygen OS – eine große Stärke und gleichzeitig auch eine riesige Schwäche der OnePlus-Smartphones ... leider. (Bild: GIGA)
  • Display-Einstellungen werden nicht konsequent angewendet: Ebenfalls in den Einstellungen zu finden: Die Option, Bildschirminhalte im Bereich der Frontkamera anzeigen zu lassen. Doch selbst wenn diese Funktion aktiviert wird, ist das noch kein Garant dafür, dass sich alle Apps auch daran halten. YouTube und Twitter etwa pfeifen drauf und weigern sich konsequent, Inhalte in diesem Bereich anzuzeigen. Kein Beinbruch, nervig ist es aber allemal.
  • Spontane Reboots: Manchmal scheint Oxygen OS sich so hart zu verschlucken, dass es das Handy kurzerhand und ohne Vorwarnung neustartet. Während der letzten 5 Monate ist das zwar nur drei Mal passiert, verwirrt hat es mich dennoch zurückgelassen.

Und dabei handelt es sich noch lange nicht um alle Software-Probleme, die mir während meiner Zeit mit dem OnePlus 9 aufgefallen sind. Zugegeben, für manche von euch mag es sich dabei um Kleinigkeiten handeln, über die man doch mühelos hinwegsehen kann – mich haben diese kleinen Fehler jedoch regelmäßig zur Weißglut getrieben. Und gerade das ärgert mich besonders, da ich finde, dass das OnePlus 9 abseits dieser Schwierigkeiten ein echt tolles Android-Smartphone ist.

Lust, ein bisschen in Erinnerungen zu schwelgen? Wir haben für euch einen kompletten Überblick der Smartphone-Geschichte von OnePlus in Videoform auf Lager:

OnePlus – Die Smartphones im Überblick

Ich wünschte, ich könnte das OnePlus 9 noch mehr lieben

Dank des Snapdragon-888-Prozessors des OnePlus 9 werden Apps blitzschnell gestartet und das Smartphone bleibt auch bei der Installation von App-Updates stets flüssig nutzbar. Die verbauten 256 GB interner Speicher sind auch nach fast 5 Monaten noch nicht einmal ansatzweise zur Hälfte gefüllt und dank des 12 GB großen Arbeitsspeichers können zahlreiche Hintergrund-Apps zackig wieder aus dem Tiefschlaf geholt werden.

Auch bei der Kamera hat sich OnePlus keine Blöße gegeben. Im Vergleich zum OnePlus 7 Pro, welches ich zuvor im Einsatz hatte, lässt sich vor allem bei den Bildern der Frontkamera ein deutlicher Qualitätsunterschied erkennen. Bei der Hauptkamera hingegen ist zwar ebenfalls ein Unterschied zu erkennen, jedoch fällt dieser nicht mehr so stark aus. Das mag unter anderem daran liegen, dass das OnePlus 9 keinen optischen Bildstabilisator besitzt – dieses Feature ist dem teuren Pro-Modell vorbehalten.

Beim Akku gibt es hingegen nichts zu beanstanden. Im Home-Office hält das Handy bei beinahe durchgehender WLAN-Verbindung rund 2 Tage durch, wenn ich tagsüber unterwegs und damit auch auf mobile Daten angewiesen bin, geht der Akku nach etwa anderthalb Tagen in die Knie.

Dank Warp Charge ist er jedoch in Windeseile wieder aufgeladen – zumindest, wenn ich aufs kontaktlose Laden verzichte. Denn während das OnePlus 9 via Kabel mit 65 Watt lädt, reduziert sich die Ladeleistung auf 15 Watt, wenn das Android-Handy kabellos aufgeladen wird. Das reicht jedoch völlig aus, um das Gerät über Nacht wieder vollständig aufzuladen.

ONEPLUS 50W Wireless Charger

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Doch jetzt mal Butter bei die Fische! Gefällt mir das OnePlus 9 auch nach 5 Monaten noch? Ja, und wie! Ist es perfekt? Nein, keineswegs. Auch das aktuelle Modell krankt mal wieder an einigen Software-Problemen, die einen bitteren Beigeschmack hinterlassen. Bei all diesen Fehlern handelt es sich zwar um Kleinigkeiten – unterm Strich beweist OnePlus damit jedoch nochmal, was ihnen fehlt, um es mit Rivalen wie Samsung und Apple aufnehmen zu können: Feinschliff.