Noch gibt's bei Apple die klare Trennung – ein MacBook wird nur mit Tastatur und Trackpad bedient, Touchscreen gibt's allein bei iPhone und iPad. Wer jedoch wie ich, bei den letzten Apple-Neuheiten zwischen den Zeilen liest und sieht, der entdeckt da ein Umdenken. Sprechen wir mal drüber in der aktuellen Ausgabe der Wochenendkolumne.

 

MacBook Pro 2019

Facts 

Die größte Überraschung der WWDC lieferte mit großem Abstand der Mac: Zunächst setzt das kommende macOS zum großen Sprung an – nicht macOS 10.16, sondern Version 11.0 gibt's von Apple, benannt nach „Big Sur“, einem idyllischen Küstenstreifen im Heimatstaat des US-Herstellers in Kalifornien. Und dann noch die eigentliche Überraschung: Apple schmeißt Intel raus und wird zukünftig eigene Prozessoren im ARM-Design in MacBook, iMac und Co. verbauen. Es sind diese zwei Ankündigungen, die mich an die Zukunft eines Mac-Convertibles glauben lassen, das MacBook mit Touchscreen könnte am Ende tatsächlich noch Realität werden. Vergessen das alte Dogma, demzufolge Apple niemals einen berührungsempfindlichen Bildschirm im Mac benutzen würde.

Apples versteckte Hinweise: MacBook mit Touchscreen nicht mehr unmöglich

Die Hinweise verstecken sich im Detail, sind letztlich aber doch offensichtlich. Schauen wir uns für meine Hypothese als Erstes das absolut neue Design von macOS 11.0 Big Sur an. Offensichtlich alles so schön bunt hier, mehr iPhone und iPad als Mac. Da gibt's zum Beispiel neue Schiebschalter, Programm-Icons sehen nachweislich nach typischen App-Icons aus, das Dock gleicht dem Pendant aus iOS und iPadOS wie ein Ei dem anderen, in Safari machen Vorschaubilder der Tabs die Navigation leichter und wollen förmlich „berührt“ werden. Nur einige Beispiele des einerseits neuen, anderseits doch so vertrauten Interface. Die Elemente können zwar mit Maus und Trackpad gesteuert werden, aber irgendwie möchte man greifen mit Fingern und Händen. Bisher war macOS eindeutig als Desktop-Betriebssystem erkennbar, macOS 11.0 Big Sur ist es nicht.

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Wer hier ganz genau hinschaut, der „sieht“ förmlich das MacBook mit Touchscreen:

macOS Big Sur: Das neue Mac-System von Apple vorgestellt und erklärt

Der zweite versteckte Hinweis richtet den Blick auf die neue Hardware-Architektur. Apple verspricht: Die neuen Macs mit den eigenen Prozessoren können ohne Anpassungen alle iPhone- und iPad-Apps ausführen. Für den Mac gibt's dann abertausende neue Programme. Nur müssen die dann auf einem MacBook halt mit Trackpad oder Maus gesteuert werden, eine Bedienung für die die Apps ursprünglich gar nicht ausgelegt sind. Ein MacBook mit Touchscreen müsste solche Kompromisse nicht eingehen und wäre somit eine folgerichtige Entscheidung seitens Apple.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die Kolumne möchte Denkanstöße liefern und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Eine kleine Auswahl der bisherigen Artikel der Kolumne:

Zur Erinnerung: Apple kennt keine Dogmen

Hand aufs Herz: Die Zeit der vermeintlichen Dogmen ist bei Apple doch längst zu Ende, wenn es sie denn jemals gab. Für diese Feststellung reicht ein Blick zurück:

  • Kleine iPads will niemand haben und Apple wird ein solches nie anbieten: Dann kam das iPad mini.
  • Smartphones mit großen Displays sind zu unhandlich: Tja, die Plus-Modelle des iPhones wurden ein Mega-Erfolg. Aktuell ist bei 6,5 Zoll Schluss, das iPhone 12 Pro Max wird's wohl mit 6,7 Zoll noch toppen.
  • Das iPad braucht keinen Stift: Hat da jemand Apple Pencil gerufen?
  • Das iPad Pro will gar kein Surface sein: Würde sich mal bitte jemand das neue Magic Keyboard mit Trackpad genau anschauen.
  • Apple wird auch zukünftig auf Intel setzen: Tja, „Intel outside“ heißt es jetzt wohl.
  • Es wird nie ein MacBook mit Touchscreen geben: Bitte in Zukunft an dieser Stelle selbst beantworten.

Kurz und gut: Basierend auf meiner über 25jährigen Apple-Erfahrung halte ich heutzutage so gut wie gar nichts mehr für unmöglich. Erst recht nicht einen Touchscreen-Mac. In diesem Sinne: Schönen Sonntag noch und viel Spaß bei den eigenen Überlegungen zum Thema.

Hinweis: Die in diesem Artikel geäußerten Meinungen stellen ausschließlich die Ansichten des Autors dar und sind nicht notwendigerweise Standpunkt der gesamten GIGA-Redaktion.

Sven Kaulfuss
Sven Kaulfuss, GIGA-Experte für Apple, Antiquitäten und altkluge Sprüche.

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