Es soll ein „gemeinsamer Kampf gegen Funklöcher“ werden: Die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica wollen beim Netzausbau künftig kooperieren. Bis zu 6.000 neue Mobilfunkstandorte sollen so entstehen, heißt es. Geht es den Funklöchern jetzt wirklich an den Kragen oder ist das nur schlaues Marketing?

 

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Provider planen Kooperation bei Mobilfunkausbau

Die großen deutschen Netzbetreiber wollen sich zusammenraufen und künftig beim Ausbau der Mobilfunknetze zumindest teilweise gemeinsame Sache machen. Wie in einer Pressemitteilung der Deutschen Telekom zu lesen ist, sollen „spätestens“ im Frühjahr 2020 Details der Kooperation vertraglich festgelegt werden. Schon jetzt sei geplant, bis zu 6.000 neue Mobilfunkstandorte aufzubauen, die dann von allen Vertragsunterzeichnern gemeinsam genutzt werden sollen. Auch Drillisch (1&1) ist laut Telekom eingeladen, sich am gemeinsamen Netzausbau zu beteiligen.

Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica (o2) und Drillisch hatten im Sommer 2019 bei der Vergabe der 5G-Lizenzen insgesamt 6,5 Milliarden Euro bezahlt. Zusammen mit den Funklizenzen bekamen die Anbieter aber auch Auflagen, die sich auf den Ausbau in ländlichen Regionen bezogen. Straßen, Schienen und Flüsse müssen zudem mit Priorität behandelt werden. Gerade dieser Punkt dürfte dazu beigetragen haben, dass sich die Anbieter nun verbünden. Das Bundeskartellamt sei über die Kooperationspläne bereits informiert und hält die gemeinsame Nutzung von Infrastruktur grundsätzlich für sinnvoll, heißt es.

Netzbetreiber wollen Kosten sparen

Die Netzbetreiber sind sich sicher, dass am Ende nicht nur die Kunden profitieren werden. Durch den gemeinsamen Aufbau von Funkmasten sollen die Kosten gedrückt werden. Alle Vertragspartner sollen die gleiche Zahl neuer Standorte errichten und sie dann der Konkurrenz zu gleichen Bedingungen anbieten. Netztechnologie und Antennen sollen dabei aber nicht geteilt, sondern weiterhin individuell von den Providern installiert und betrieben werden.

Telekom-Chef Dirk Wössner sieht eine Win-Win-Situation: „Uns Mobilfunkanbieter verbindet das Ziel, noch bestehende weiße Flecken im Mobilfunknetz schnellstmöglich zu schließen. Infrastruktur zu teilen ist für uns nicht neu, in diesem Umfang aber ein sehr großer Schritt in die richtige Richtung.“

Auch Vodafone-CEO Hannes Ametsreiter bewertet die Kooperation positiv: „Davon profitieren künftig Hunderttausende. Ob in kleinen Landgemeinden, an Straßen oder Bahnstrecken. In weißen Flecken werden wir Betreiber gemeinsam bauen und teilen.“

Deutschlandkarte zeigt Funklöcher

Wie es wirklich um den Ausbau des Mobilfunks in Deutschland bestellt ist, macht eine neue Karte der Bundesnetzagentur deutlich. Hier machen die Betreiber gerade in eher ländlich geprägten Regionen sowie in Grenzgebieten eine schlechte Figur. Auch manche Ränder von Großstädten Stadtränder werden vielfach von den Netzbetreibern vernachlässigt.

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Nach Vorgaben der Bundesnetzagentur müssen bis zum Ende des Jahres 2019 in Deutschland 98 Prozent der Haushalte 50 Megabit pro Sekunde erreichen. Weder die Deutsche Telekom noch Vodafone oder Telefónica werden diese Vorgabe wohl tatsächlich erreichen. Innerhalb Deutschlands ist die Abdeckung zudem sehr unterschiedlich. In Brandenburg, Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern sieht es besonders schlecht aus, hier kommen mehr als ein Drittel der Haushalte nicht auf 50 Megabit pro Sekunde.