Wie funktioniert das Internet - eine kleine Einführung

Marco Kratzenberg 1

Die Frage, wie das Internet funktioniert, darf man so natürlich gar nicht stellen. Denn die richtige Antwort ist ein technisches Kauderwelsch, das man nicht wirklich verstehen will. Die einfache Antwort lautet hingegen: Es gibt Anbieter. Es gibt Nutznießer und irgendwo dazwischen wird Geld verdient und verloren.

Wie funktioniert das Internet - eine kleine Einführung

Die meisten von uns sind. Nutznießer. Sie surfen durch das Internet und fragen sich wenig, woher der ganze Kram kommt, wer ihn online gestellt hat und warum. Leute wie ich sind beides. Ich habe z.B. diesen Artikel geschrieben… und viele, viele andere. Ich surfe aber auch selbst durchs Netz, privat und beruflich. Ich mache Downloads. Ich lese Texte. Ich unterhalte mich mit Freunden und Kollegen bei Facebook und Co. Ich kaufe aber auch ein. Ich bestelle Sachen, ich vergleiche. Ich bin also auch Kunde.

Bei einem können wir uns ganz sicher sein. Der größte und interessanteste Teil des Internets würde nicht existieren, wenn niemand damit Geld verdienen würde. Seiten wie Facebook kosten Millionen im Unterhalt. Da sind weltweit Tausende von Menschen in Lohn und Brot, da werden ganze Gebäude voller Server unterhalten, bloß damit wir unseren Studienkollegen Katzenbilder zeigen können. Auch ich bekomme Geld für meine Artikel. Das muss ja auch irgendwoher kommen. Woher also?

Wie funktioniert das Internet technisch?

Die Basis des Internets sind die Netzwerkstruktur, die Seitenprogrammiersprache HTML sowie die Nameserver. Letztere stellen ein globales Adressbuch dar, das den Zusammenhang zwischen Webadressen und ihrer IP-Adresse verwaltet. Jeder Zugangsprovider, wie z.B. T-Online, verwaltet so ein Adressbuch und sorgt dafür, dass es regelmäßig aktualisiert wird. So kann man sich z.B. eine eigene Domainmit dem Namen yodaichbin.de besorgen und niemand findet sie. Doch der Webspace-Anbieter schickt diese Adresse und die Serveradresse des damit zusammenhängenden Webauftritts an eine Nameserververwaltung und von dort aus wird es weltweit verteilt. Sobald also der eigene Provider diese Adresse kennt, kann man die Domain erreichen. Beim anderen Provider geht das vielleicht noch nicht, weil er seinen Nameserver erst am nächsten Tag updatet.

Fangen wir gewissermaßen an einem Ende an. Was wir im Internet sehen und nutzen können, befindet sich als Programme und Programmcode auf den Festplatten vieler Server, verteilt auf der ganzen Welt. Überall stehen Datencenter mit endlosen Reihen von klimatisierten Schränken voller Server. Diese enthalten Festplatten und darauf befinden sich einzelne Pakete von „Webspace“ den jemand besitzt oder gemietet hat. Jeder dieser Festplattenteilbereiche kann über eine eigene Internetadresse erreicht werden. Entweder über seine IP-Adresse oder die darauf umgeleitete Webadresse. Für giga.de gibt es die IP-Adresse 80.86.80.177. Unter dieser Adresse werden verschiedene Domains verwaltet.

Eine Adresse wie https://www.giga.de/software/ leitet den Benutzer als von zuhause zum Nameserver seines Providers. Der leitet uns weiter zur oben genannten IP. Dort ist eine Serversoftware, die erkennt, dass wir zu Giga.de wollen und uns dorthin schickt. Und auf dem entsprechenden Serverabschnitt werden wir dann in den Ordner „software“ geleitet. Was sich dort als Startdatei befindet, bekommen wir über das Internet zugesendet und der Browser setzt es zu einer sichtbaren Seite mit Links und Bildern zusammen. Wir können nun Links anklicken, Kommentare schreiben und abschicken. Für dieses ganze Hin und Her sind Nameserver, Browser und Serversoftware zuständig.

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21 Beiträge, in denen alte Leute kläglich auf Facebook scheitern.

Und wie funktioniert das Internet „menschlich“?

Bei Shops ist die Sache klar. Die bieten uns Ware an, wir kaufen und bezahlen. Die schicken uns die Ware und alle sind zufrieden. Hier zahlen wir für etwas und das muss u.a. die Kosten des Internetauftritts decken. Außerdem die Lagerhaltung, den Versand, eventuelle Personalkosten, Fotografen, Programmierer… Aber offenbar klappt das ja.

Andererseits gibt es einen sehr großen Teil von scheinbar und wirklich kostenlosen Angeboten. Viele Leute mieten Webspace und investieren sehr viel Arbeit, um Ihre Fotos zu zeigen, Foren zu unterhalten und Tipps zu jeder Lebenssituation zu geben. Vielleicht blenden sie dort etwas Werbung ein und hoffen, dass mal jemand draufklickt oder darüber Ware bestellt. Dann gibt es eine Provision, die sich meist im Cent-Bereich bewegt und in der Regel nicht einmal die monatlichen Kosten deckt. Sie stellen ihre Seiten aus lauter Freundlichkeit online. Um ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen und ihr Wissen weiterzugeben. Auch das gibt es. Meist handelt es sich dabei um eher kleine Auftritte.

Doch wovon leben die Großen? Wie kann Google zum höchstbewerteten Konzern der Welt werden und der Gründer von Facebook zum Milliardär? Schließlich müssen wir doch für beides nichts zahlen, aber die Kosten sind höher, als der Staatsetat so manchen afrikanischen Staates. Nun, wir alle bezahlen diese Firmen. Nicht unbedingt mit Bargeld, aber mit unseren Daten und unserem Verhalten. Seiten wie Google, Facebook und Co verkaufen Werbung. Wir alle bekommen die zu sehen und manchmal klicken wir sie auch an. Darauf verlassen sich die Werbetreibenden. Sie bestellen die Werbeplätze und bezahlen dafür, um neue Kunden anzulocken. So oder ähnlich läuft das auf Millionen von Internetseiten. SO funktioniert das Internet langfristig.

Funktioniert das Internet ohne Werbung?

Langfristig kann das Internet ohne Werbung nicht existieren. Das hängt alles miteinander zusammen. Da wollen Leute etwas verkaufen und schalten Werbung. Wenn niemand die Werbung anklickt oder sie sogar niemand sieht, weil alle Werbeblocker verwenden, dann gehen diese Firmen auf lange Sicht pleite. Stellt sich allerdings heraus, dass Werbung im Internet gar nicht mehr funktioniert, dann können auch jene Firmen nicht mehr gewinnbringend arbeiten, die diese Werbeplätze verkaufen. Facebook, Google und Co. müssten ihre Seiten schließen. Irgendwann blieben nur noch die Seiten übrig, die nicht von einem Gewinn abhängig sind und ihre Leistungen freiwillig erbringen. Onlineshops wären deutlich seltener. Nichtsdestotrotz würde der Wegfall der Riesen auch die Kleinen beeinflussen. Angefangen mit der Tatsache, dass wir ihre Seiten gar nicht mehr finden. Aber es geht noch weiter: Server und Datencenter sind relativ günstig (etwa im Vergleich zu vor 10 oder gar 20 Jahren), weil diese Artikel in Massen hergestellt und abgenommen werden. Doch wenn die Großen fehlen, dann fehlen auch die Großabnehmer. Die Produktion wird teurer, der Verkaufspreis wird teurer, Webspace wird wesentlich teurer. Das wiederum wird zum Sterben der kostenlosen Angebote führen.

Vielleicht wären wir dann wieder an dem Punkt, an dem ich das Internet das erste Mal erlebt habe: Die wenigen verfügbaren Internetseiten hat man in gedruckten Zeitungen gefunden. Oder auf Linklisten. Und sie führten uns zu einigen Seiten mit Forschungsergebnissen an einigen Unis. Das war’s! Mehr gab es anfangs nicht. Die Printverlage würden sich freuen. Gedruckte Zeitungen würden sich wieder viel mehr verkaufen. Giga.de gäbe es auch nicht mehr. Ohne Werbekunden könnte keiner die Kosten tragen. Vermutlich würden noch einige Fachhändler ihre Supportseiten aufrecht erhalten. Aber da das Internet insgesamt wesentlich uninteressanter würde, nähme auch das langfristig ab.

Umfrage: Ist Merkels Datensteuer eine gute Idee?

Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert eine Reform des Steuersystems: Sie spricht von „Bepreisung von Daten“ und zielt damit auf Internetkonzerne, die mit Nutzerdaten Geld verdienen. Sind Daten der Rohstoff der Zukunft und was ist von diesem Vorschlag zu halten?

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