Elektrofahrräder sind im Mainstream angekommen: Das Design ist mittlerweile cool und das Preis-Leistungs-Verhältnis interessant. Aber welches E-Bike soll man sich 2020 kaufen? GIGA zeigt im ausführlichen Vergleich, welche Modelle in Tests gewonnen haben und welche besonders begehrt sind.

 

Kaufberatung

Facts 

E-Bikes und Pedelecs: Was ist das und wo liegt der Unterschied?

Gemeint sind Fahrräder mit Unterstützung durch einen Elektromotor. Allerdings sind die Begriffe „E-Bike“ und „Pedelec“ im Handel und im allgemeinen Sprachgebrauch nicht immer eindeutig getrennt. Wir richten uns nach dem ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e. V.), der drei Arten von Elektrofahrrädern nennt, die unterschieden werden können:

  • Pedelecs: Der Begriff steht für „Pedal Electric Cycle“ und meint die in Deutschland bekannteste Art von Elektro-Rädern. Ein Elektromotor bis maximal 250 Watt schaltet sich hinzu, wenn der Nutzer selbst in die Pedale tritt. So bekommt man Unterstützung und spart Muskelkraft – allerdings nur bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h. Die beigesteuerte Leistung des elektromotorischen Hilfsantriebs ist abhängig von der Trittfrequenz des Fahrers. Für Deutschland geregelt im Straßenverkehrsgesetz (StVG) § 1.
  • Schnelle Pedelecs („Schweizer Klasse“): Auch „S-Klasse“ oder „S-Pedelecs“ genannt. Motorunterstützung für höhere Geschwindigkeiten (bis 45 km/h). Gelten rechtlich nicht mehr als Fahrräder, sondern als Kleinkrafträder. Benötigen einen Führerschein der Klasse AM, ein Versicherungskennzeichen und eine Betriebserlaubnis. Bei der Nutzung besteht Helmpflicht, Radwege dürfen nicht benutzt werden.
  • E-Bikes im engeren Sinn: Im engeren Sinn versteht man unter einem E-Bike ein Fahrrad mit Elektroantrieb und Drehgriff oder Schaltknopf, das auch ohne körperlichen Einsatz (Pedale treten) des Nutzers fährt (max. 20 km/h). Es ist also mit einem „Elektro-Moped“ verwandt und wird vom deutschen Gesetzgeber entsprechend als Kleinkraftrad eingestuft. Um sie fahren zu dürfen, braucht man einen „Mofa-Führerschein“ (Prüfbescheinigung) und ein Versicherungskennzeichen.

Die hier im GIGA-Vergleich vorgestellten Testsieger und Bestseller sind allesamt Pedelecs laut obiger Definition. Die Preisspanne ist groß: Es gibt einfache Modelle für rund 500 Euro bis hin zum vollgefederten Mountainbikes mit Elektromotor für mehrere Tausend Euro. Aktuell sollte man mit 1.100 Euro aufwärts für ein Pedelec rechnen, dass täglich zum Einsatz kommen soll. Je mehr man ausgibt, desto besser die verbauten Komponenten wie Schaltung, Bremsen, Motor und Akku.

E-Bikes mit Bosch Mittelmotor Active Line Plus bei FahrradXXL anschauen

Die besten E-Bikes 2020: Alle Empfehlungen im Überblick

Platzierung Produkt Preis Angebot
Der Stiftung-Warentest-Sieger KTM Macina Tour 510 ca. 2.800 Euro Preisvergleich bei Idealo
Preis-Leistungs-Tipp Fischer Viator 6.0i ca. 2.270 Euro Fischer Viator 6.0i bei MediaMarkt
FahrradXXL-Bestseller Kreidler Vitality Eco 2 ca. 1.800 Euro Kreidler Vitality Eco 2 bei FahrradXXL
Klapprad-Bestseller Zündapp Z101 ca. 1.100 Euro Zündapp Falt-E-Bike Z101 bei Amazon
Unser Design-Liebling Cowboy 3 ca. 2.300 Euro Zur Website des Herstellers
Pedelec-Topseller bei MediaMarkt anschauen

Der E-Bike-Testsieger der Stiftung Warentest: KTM Macina Tour 510

Der neueste große E-Bike-Test der Stiftung Warentest fand Mitte 2020 statt (Ausgabe 06/2020). Es wurden 12 Pedelecs mit Mittelmotor verglichen, als Sieger ging das KTM Macina Tour 510 hervor. Das laut Stiftung Warentest als „klarer Favorit“ eingestufte Pedelec wurde in der Modellversion 2020 und mit Tiefeinstieg („Wave“) getestet. Das KTM Macina Tour 510 erhält man auch als klassisches Herren („Gents“)- oder Damenrad („Ladys“), auf der Webseite des österreichischen Herstellers sind entsprechende Abbildungen und alle technischen Daten zu finden.

Es erhielt die Gesamtnote 1,7 („gut“) und wurde unter anderem für die sehr guten Fahreigenschaften sowie den gut abgestuften und kraftvollen Motor  gelobt. Die gemessene Reichweite von 55 Kilometern ist auf Augenhöhe mit den Mittbewerbern im Testfeld – getestet wurde übrigens unter „anspruchsvolle Bedingungen“, also Hügeln und schlechtem Asphalt.

KTM Macina Tour 510 bei eBay anschauen

Vorteile : 

  • Fahrverhalten sehr gut
  • Ansprechverhalten und Motorunterstützung sehr gut
  • Lässt sich auch ohne zugeschaltetem Motor vergleichsweise gut fahren

Nachteile:

  • -

Preis-Leistungs-Tipp: Fischer Viator 6.0i 2020

Ein Kauftipp aus dem mittleren Preissegment: Das Fischer Viator 6.0i wurde im E-Bike-Kaufberater 01/2020 von Radfahren.de (einsehbar im Readly-Abo) mit dem Urteil „sehr gut“ für das Preis-Leistungs-Verhältnis bewertet. Es weist keine schwerwiegenden Nachteile auf, sondern punktet mit ordentlichen Leistungen in Sachen Fahrverhalten, Antrieb und Ausstattung. Insgesamt ist es sportlich abgestimmt, der Brose Drive S Mittelmotor sorgt für ordentlich Schub.

Anders als so manches Konkurrenzmodell ist das Fischer Viator 6.0i nicht nur im Fachhandel, sondern auch bei Anbietern wie Saturn, Mediamarkt oder Amazon zu finden. Einen kleinen Nachteil sollte man aber vorab kennen: Der Schlüssel vom Rahmenschloss lässt sich erst nach dem Abschließen abziehen.

Fischer Viator 6.0I-S2 Trekking-E-Bike

Fischer Viator 6.0I-S2 Trekking-E-Bike

Vorteile:

  • Sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis
  • Gutes Fahrverhalten, gute Ausstattung

Nachteile:

  • Rahmenschloss: Schlüssel kann erst nach dem Abschließen abgezogen werden

Der Bestseller bei FahrradXXL: Kreidler Vitality Eco 2

Wer nach einem E-Bike sucht, wird früher oder später auf den Händler FahrradXXL aus Frankfurt am Main stoßen. Das Unternehmen bietet nach eigenen Angaben „Deutschlands größte Auswahl“. Entsprechend interessant ist also ein Blick auf die E-Bike-Bestseller, die im Onlineshop zu sehen sind.

Auf den vorderen Rängen vertreten ist das Kreidler Vitality Eco 2 (Modell 2019) – ein Pedelec mit Tiefeinstieg, das mit Rabatt angeboten wird: Statt 2.200 Euro sind nur 1.800 Euro fällig. Die Kundenbewertungen bei FahrradXXL betragen im Schnitt 4,9 von 5 Sternen. Gelobt werden unter anderem das Fahrverhalten und die einfache Handhabung, negative Punkte nennt aktuell keiner der Nutzer. Das Drehmoment des Kreidler Vitality Eco 2 (2019) wird vom Händler mit 40 Nm angegeben. Zum Vergleich: Beim oben genannten KTM Macina Tour 510 sind es laut Stiftung Warentest 75 Nm. Die Ausstattung (u.a. Federgabel, 7-Gang Nabenschaltung, LED-Beleuchtung) ist ordentlich.

Für jedem, dem die Traditionsmarke „Kreidler“ vielleicht nichts sagt, hier noch ein interessanter Punkt: Das aus einer höheren Baureihe stammende Modell „Kreidler Vitality Eco 6 Edition“ konnte 2018 in einem Vergleich der Stiftung Warentest (Ausgabe 06/2018) den dritten Platz belegen (Note: „gut, 1,9) – und somit namhafte Konkurrenten wie Stevens, Kalkhoff und Cube abhängen.

Kreidler Vitality Eco 2 (2019) bei FahrradXXL anschauen

Vorteile:

  • Umfassend ausgestattet
  • Gutes Fahrverhalten

Nachteile:

  • Motor (Bosch Active, 36 V) ist nicht besonders kräftig

Der klappbare E-Bike-Bestseller: Zündapp Faltrad Z101

Zündapp E-Bike Z101 Klapprad

Zündapp E-Bike Z101 Klapprad

Und nochmal ein Blick in die E-Bike-Bestseller bei Amazon, diesmal mit Fokus auf die Gattung der klappbaren E-Bikes, die sich besonders platzsparend im Kofferraum eines Autos oder in der Bahn transportieren lassen. Hier fällt das Zündapp Z101 ins Auge, das mit unter 1.200 Euro (zuweilen auch deutlich weniger) bezahlbar ist und durchschnittlich mit 4 von 5 Sternen bewertet wurde. Der Name „Zündapp“ stand einst für den Nürnberger Motorradhersteller „Zündapp-Werke GmbH“, welcher allerdings im Jahr 1984 Konkurs ging. Heutzutage wird der Markenname unter anderem für E-Bikes verwendet, die in China produziert werden.

Das E-Klapprad Z101 ist mit einer StVZO-konforme Beleuchtung ausgestattet und wird vollständig montiert ausgeliefert. Der Alurahmen besitzt einen Klappmechanismus, das Faltmaß beträgt kompakte 97 cm x 67 cm x 44 cm. Allerdings schränken die 21,1 kg Gewicht die Mobilität ein wenig ein – vor allem ältere Nutzer sollten das Pedelec nicht allzu schwungvoll in den Kofferraum wuchten. Das könnte in die Bandscheiben gehen.

„Das Bike eignet sich für kleinere Fahrten auf guten Wegen,“ fasst einer der Käufer bei Amazon zusammen und trifft den Einsatzzweck eines faltbaren E-Bikes damit auf den Punkt. Die 20-Zoll-Bereifung fordert Kompromissbereitschaft in Sachen Fahrkomfort- und -Stabilität, darüber muss man sich im Klaren sein. Für gelegentliche Einsätze in der Stadt ist das Zündapp Z101 genau das Richtige – wer mehr will, muss mehr ausgeben und auf den Klappmechanismus verzichten.

Zündapp Z101 Falt-E-Bike bei Amazon

Vorteile:

  • vergleichsweise günstig
  • StVZO-konforme Ausstattung

Nachteile:

  • eingeschränkter Fahrkomfort
  • Reichweite nur 35 bis 45 km pro Akkuladung, laut einzelnen Nutzerberichten auf Stufe 3 auch erheblich weniger

Das E-Bike mit dem besten Design: Cowboy E-Bike

Auch wenn sich in Sachen Design in den letzten Jahren viel getan hat – so richtig sexy sind nur ganz wenige E-Bikes. Ein glänzendes Beispiel setzt an der Stelle das E-Bike „Cowboy 3“ von belgischen Startup Cowboy. Ein minimalistischer und futuristischer Look, der die Blicke auf sich zieht. Dank geschmeidiger Formgebung ist es aber nicht sofort als Elektro-Fahrrad erkennbar. Ist das aus einem Science-Fiction-Film oder direkt aus der Zukunft?

Cowboy 3 E-Bike beim Hersteller

GIGA-Redakteur und leidenschaftlicher Radfahrer Sebastian ist eigentlich immer ohne Elektromotor unterwegs. Er hat das „iPhone unter den E-Bikes“ ausgiebig getestet (damals noch in der ersten Modellversion) und kam zum Schluss, dass das Cowboy E-Bike seine Sicht auf Pedelecs „total verändert“ habe. Keine Gangschaltung, keine Motorsteuerung, trotzdem dynamische E-Unterstützung – das Cowboy E-Bike zeigt, wohin sich Pedelecs entwickeln könnten. Ein spannendes Konzept, mit 2.290 Euro (UVP, Modell Cowboy 3) preislich fair, mit 16,9 kg recht leicht und abgesehen davon auch schön anzusehen.

Hier unser Bericht über das Cowboy der ersten Generation:

Das beste Pedelec? Cowboy Bike im Test

E-Bike-Testsieger und -Bestseller 2020: Das sollte man vor dem Kauf wissen

E-Bike vom Discounter: Angebote bei Aldi und Lidl

E-Bikes sind wesentlich teurer als vergleichbare herkömmliche Fahrräder – das ist kein Wunder, denn Elektromotor, Akku und Elektronik verursachen Zusatzkosten bei der Herstellung. Um dennoch günstig an ein E-Bike zu kommen, lohnt sich der Gang zum Discounter. Die beiden Supermarkt-Riesen Lidl und Aldi (Hofer in Österreich), aber auch der Autodienstleister A.T.U haben immer wieder bezahlbare (Marken)-Pedelecs im Angebot – GIGA berichtet regelmäßig darüber. Verkauft werden nicht nur normale E-Bikes, sondern auch Modelle mit drei Rädern und Ladefläche (Cargo-E-Bike/Lastenrad) oder klappbare Pedelecs.

Pedelec-Angebote bei Lidl anschauen

E-Bike-Helmpflicht und geeignete Helme

Eine Helmpflicht für Pedelec-Fahrer besteht in Deutschland laut aktueller Gesetzgebung nicht. Trotzdem ist wie bei herkömmlichen Fahrrädern auch das Tragen eines Helms zu empfehlen, da dieser im Fall der Fälle dem Fahrer das Leben retten kann. Ein Blick in die Amazon-Bestseller in den Kategorien Trekking-, City- & Rennradhelme zeigt, dass man gute Modelle bereits ab 35 Euro finden kann.

Airbag statt Helm: Hövding 3 (Herstellervideo)

Ein etwas außergewöhnlicher „Helm“ ist der Airbag von Hövding (ca. 300 Euro), den man um den Nacken trägt. Der Kopf bleibt während der Fahrt frei – erst bei einem Sturz bläst sich blitzschnell ein schützendes Kissen auf, dass mögliche Stöße sicher abfängt.

Akkus von E-Bikes: Verschleiß und Entsorgung

Die Energieversorgung des E-Bike-Motors während der Fahrt erfolgt über eine Batterie (meist Lithium-Ionen-Akku). Je nach Kapazität hält eine Ladung für eine Reichweite von 40 bis 100 Kilometern. Der Akku ist ein Verschleißteil und muss nach einigen Jahren ausgetauscht werden, da er mit der Zeit an Leistung verliert. Tipp: Extremtemperaturen sind auf Dauer zu vermeiden, am besten ergeht es E-Bike-Akkus bei Raumtemperatur. Die Entsorgung von alten E-Bike-Akkus geschieht übrigens nicht über den Hausabfall! Entsorgt werden muss fachgerecht in Deutschland über das „Gemeinsame Rücknahmesystem Batterien“ des Fachhandels und über kommunalen Sammelstellen.

E-Bike-Topseller bei Otto anschauen

Umweltsituation: Wie umweltfreundlich sind E-Bikes?

Die Nutzung eines E-Bikes schont die Umwelt – zumindest im Vergleich zum PKW. Hier einige Punkte, bei denen E-Bikes in Sachen Umweltschutz besser abschneiden als Autos:

  • weniger CO2-Emissionen
  • weniger Stickstoffoxide (NOX)
  • weniger Feinstaub

Vollkommen emissionsfrei oder umweltschonend sind E-Bikes allerdings nicht, man denke an die Herstellung (Abbau von Lithium für die Akkus) und die für die Fahrt benötigte Energie. Wenn letztere nicht aus einer erneuerbaren Quelle stammt, dann hat das negative Auswirkungen auf die Umweltbilanz jeder einzelnen Pedelec-Fahrt. Ein E-Bike ist in der Regel nur dann eine umweltschonendere Alternative, wenn man stattdessen das Auto stehen lässt. Die umweltfreundlichsten Fortbewegungsarten bleiben weiterhin zu Fuß gehen oder das herkömmliche Rad ohne Elektromotor.

Stefan Bubeck
Stefan Bubeck, GIGA-Experte für Consumer Electronics, insbesondere Audio.

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