Vergiftete CDs im Briefkasten: Warnung per Facebook – Was steckt dahinter?

Selim Baykara 7

Auf Facebook und WhatsApp wird schon seit Monaten immer wieder vor „vergifteten Briefen“ gewarnt. Angeblich werden in zahlreichen deutschen Städten vergiftete Briefumschläge in Briefkästen verteilt und es soll auch schon Opfer gegeben haben. Teilweise liest man in den Statusbeiträgen auch über vergiftetete CDs, die mit einem merkwürdigen Pulver behandelt wurden. Zahlreiche Nutzer sind verunsichert und fragen sich: „Was ist dran an den vergifteten CDs?“

Video: Das steckt hinter Hoaxes, Fakes und Betrug im Internet

Das steckt hinter Hoaxes, Fakes und Betrug im Internet.
Soziale Medien wie Facebook oder WhatApp sind bekannt dafür, dasss manche Falschmeldungen, sogenannte Hoaxes, immer wieder hochkommen. Die Geschichte mit den vergifteteten Briefumschlägen tauchte zuerst 2016 auf -damals hieß es noch, dass sich CDs in Umlauf befänden, die mit einer gefährlichen Substanz behandelt seien. Einige Zeit später hieß es dann, dass in verschiedenen Städten Umschläge mit einem weißen Pulver gesichtet wurde. Die Briefumschläge dürfe man keinesfalls öffnen, da das Pulver hochgiftig sei und zu schweren gesundheitlichen Schäden führen könne.

Einer der Beiträge mit der Warnung:

Vergiftete Briefumschläge: Warnung auf Facebook und WhatsApp ist ein Hoax

Auch Monate später, wird die Warnung vor den angeblich vergifteteten Briefumschlägen weiter in den sozialen Medien verbreitet. Selbst die Polizei musste sich inzwischen schon mehrmals dazu äußern und klarstellen, dass es sich bei den Warnungen um Falschmeldungen handelt. Weder wurden jemals irgendwelche konkreten Fälle gemeldet, in denen ein solcher Briefumschlag zugesendet wurde, noch wurden irgendwelche Personen deswegen behandelt. Es handelt sich dabei also um eine Falschinformation, wie sie oft auf Facebook und Co. auftaucht.

Zum Thema: Falschmeldung sorgt für Großeinsatz der Polizei

In dem Ort Eving in der Nähe von Dortmund führte die Warnung vor den Gift-CDs 2016 sogar zu einem Großeinsatz der Polizei – damit zeigt sich erneut, wie gefährlich diese Fake-Meldungen sein können.

Eine Frau hatte die Meldung per WhatsApp und kurz darauf einen Briefumschlag erhalten, den sie nicht zuordnen konnte. Völlig verängstigt brachte sie den Brief zur Polizei – und löste damit einen Großeinsatz von Feuerwehr und Polizei inklsuive einem Dekontaminationszelt und einer gesperrten Polizeiwache aus. Letztlich stellte sich dann heraus, dass der Brief lediglich Kosmetika enthielt, die die Frau zuvor bestellt hatte.

Fazit: In den sozialen Medien wird sehr viel Unsinn verbreitet. Nur die wenigsten Katastrophenmeldungen, die ihr per WhatsApp, Facebook und Co. erhaltet, stellen sich nachher auch als wahr heraus. Solche Warnungen sollte man deshalb nie einfach weiterverbreiten, ohne vorher genau zu checken, was es damit auf sich hat.

Bilderstrecke starten
11 Bilder
Facebook-Hoaxes: Diese 10 Falschmeldungen sind so dumm, dass wir weinen müssen .

Vergiftete CDs im Briefkasten: Falschmeldungen im Netz

Entsprechende Meldungen, die vor den Gift-CDs warnen, werden schon seit Ende 2015 auf Facebook oder mit dem Instant-Messenger WhatsApp verbreitet. Glaubt man den Warnungen, sollen die CDs angeblich schon in mehreren deutschen Städten aufgetaucht sein, darunter Hamburg, Köln und Bielefeld. Die Meldungen sind nicht ganz einheitlich: Mal heißt es, dass die CDs mit Koran-Suren bedruckt sind und gezielt von Nazis an Muslime verteilt werden. In anderen Statusbeiträgen heißt es wiederum, dass Linke dahinter stecken, die die CDs an rechtsgerichtete Personen verteilen.

In einer der Warnungen wird vor einem Umschlag gewarnt, der angeblich von der Stiftung Karl Heinz Böhm für die Äthiopienhilfe stammt. Konkret heißt es da:

Es werden Umschläge in Briefkästen verteilt. Der Inhalt ist eine CD mit Liedern und Aussagen aus dem Koran. Die CD ist mit chemischer Substanz bearbeitet, die die Atemwege lähmen. Bitte nicht öffnen und sofort die Polizei informieren. In Weilheim sind betroffene schon im Krankenhaus. Bitte weiter sagen.

Das Team des Internet Watchblogs mimikama.at machte sich daraufhin die Mühe gemacht und fragte bei der Polizei Weilheim nach. Ergebnis: In der Region gab es keinen bislang gemeldeten Fall – man muss also auch hier wieder davon ausgehen, dass es sich um eine gezielte Falschmeldung handelt.

Davor wurde auf WhatsApp auch eine Audio-Nachricht verbreitet, die vor den Gift-CDs warnt. In der Message hört man eine Frau, die folgenden Text von sich gibt: „Hallo mein Lieben. Ich bins. Ich habe das gerade eben auch bekommen. Soll jetzt bei uns im Kreis sein das die jetzt in Briefkästen verteilt werden. Wenn ihr so was im Briefkasten habt, bitte nicht aufmachen, nur mit Handschuhen anfassen….“ Im Prinzip also die gleichen Warnungen, die zunächst nur per Text verschickt wurden.

Auch hierbei handelte es sich um Panikmache, da es bislang keine bestätigten Fälle gab, dass tatsächlich mit Gift behandelte CDs versendet wurden.  Sogar die Polizei Sachsen schaltete sich schon ein und warnte auf Facebook vor entsprechenden Beiträgen.

 

Gift-CDs und Co: Hoaxes und Fakes auf Facebook erkennen

Geschichten wie die Gift-CDs tauchen immer wieder auf Facebook oder WhatsApp auf. Meist handelt es sich dabei um vermeintlich sensationelle oder schockierende Nachrichten und Warnungen, die man mit so vielen Leuten wie möglich teilen soll. So erkennt ihr den typischen „Facebook-Hoax“:

  • Es gibt keine verlässliche Quelle für die Nachricht und die Geschichte beruht meist nur auf Hörensagen bzw. anderen Nutzern, die es auch nur von einem „Freund“ gehört haben.
  • Die Meldung wird ausschließlich per Social Media verbreitetet und taucht nicht in normalen Medien (Zeitung, TV, Nachrichten-Websites) auf.
  • In der Nachricht wird vor einer konkreten Gefahr gewarnt, auf die ihr aktiv reagieren sollt.
  • Ihr werdet dazu aufgefordert, die Nachricht zu liken, zu teilen und weiterzuverbreiten.

Natürlich unterscheiden sich die einzelnen Warnungen teils recht deutlich im Inhalt – vom Aufbau fallen aber so gut wie alle Hoax-Meldungen in das obige Raster und sind meist recht leicht zu enttarnen. Generell empfiehlt es sich vor allem im Netz, aufmerksam zu sein, nicht alles zu glauben, was man auf Facebook und Co. liest und solche Meldungen vor allem nicht ungeprüft mit seinen Bekannten zu teilen.

Bildquellen: mimikama

Zu den Kommentaren

Kommentare zu dieser News

Weitere Themen

* gesponsorter Link