Ist Handystrahlung schädlich oder ungefährlich?

Selim Baykara 1

Über Handystrahlung wird seit Jahren diskutiert, allerdings ist umstritten, ob die elektromagnetischen Wellen wirklich schädlich sind. Bislang haben Wissenschaftler zwar noch keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Handynutzung und erhöhtem Krebsrisiko festgestellt – dennoch machen sich viele Nutzer insgeheim Sorgen. Zu Recht? In unserem Special geben wir euch die wichtigsten Fakten zum Thema Handystrahlung an die Hand. 

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Als Handystrahlung bezeichnet man hochfrequente elektromagnetische Wellen, die von Mobiltelefonen und Smartphones bei der Übertragung von Anrufen und Daten ausgestrahlt werden. Die Strahlung wird vom menschlichen Organismus aufgenommen und führt dazu, dass sich der Körper erwärmt – allerdings geben nicht nur Handys die Strahlen ab, sondern zahlreiche andere Elektro-Geräte, z.B. WLAN-Geräte, DECT-Telefone, Radio- und TV-Übertragungssystemen und Mikrowellenöfen.

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Bei Handys haben viele Menschen aber besonders große Angst, weil man die Mobilgeräte am eigenen Körper trägt und beim Telefonieren in der Nähe des Kopfs hält. Gerade in den sozialen Medien werden daher immer wieder Schauergeschichten verbreiten, nach denen Nutzer einen Hirntumor bekommen hätten, weil sie zu viel mit dem Handy telefonierten.

Ist Handystrahlung schädlich?

Inzwischen gibt es einige medizinische Studien, die sich wissenschaftlich mit den Auswirkungen der Handystrahlung befassen. Die COSMOS-Studie untersuchte knapp 300.000 Handynutzer im Alter von 20 bis 30 Jahren. Die Probanden wurden dabei über mehrere Jahre hinweg untersucht, allerdings sind die Ergebnisse bislang nicht eindeutig. Ähnlich verhielt es sich auch bei der Interphone-Studie der internationalen Agentur für Krebsforschung aus dem Jahr 2000. Die internationale Studie befragte über 12.ooo Menschen aus 13 Ländern. Auch hier konnten die Wissenschaftler keinen Zusammenhang zwischen Handynutzung und erhöhtem Krebsrisiko feststellen.

Generell gibt es einige Schwachstellen bei solchen Studien, die man berücksichtigen sollte:

  • Da Handys erst vergleichsweise kurz genutzt werden, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen, ob tatsächlich Langzeiteffekte auftreten.
  • Probanden müssen die Handynutzung in der Regel selbst dokumentieren – die Daten könnten also unzuverlässig sein.
  • Denkbar ist auch, dass es andere Faktoren gibt, die sowohl die Handynutzung als auch die Gesundheit beeinflussen.
  • Führungskräfte telefonieren beispielsweise häufig mit dem Handy haben in der Regel aber auch mit Stress zu kämpfen. Das wiederum könnte zu einem erhöhten Krebsrisiko führen.

Von wissenschaftlicher Seite gibt es im Moment also keinen eindeutigen Nachweis, dass Handystrahlung schädlich ist. Ein eindeutiger kausaler Zusammenhang zwischen elektro-magnetischer Strahlung und bestimmten Krankheitssymptomen konnte bislang nicht festgestellt werden. Dazu kommt, dass es nach wie vor nur sehr wenige Krankheitsbeschwerden gibt, wenn man den sprunghaften Ausbau der Mobilfunknetze und die stetig zunehmende Zeit bedenkt, der man der Strahlung ausgesetzt ist.

Das sagt der Gesetzgeber zur Handystrahlung

Auch wenn nicht erwiesen ist, dass die Strahlung schädlich ist, sieht der Gesetzgeber bestimmte Grenzwerte vor: Die Strahlungsemission von Handys darf den sogenannten SAR-Wert nicht überschreiten. Generell gilt: Je höher der SAR-Wert, desto stärker strahlt das Handy.

  • Die Bundesimmissionsschutzverordnung wurde zuletzt 2013 neu gefasst (§48b BImSchG). Die Verordnung sieht keine Reduzierung der Grenzwerte vor.
  • Damit bleibt Deutschland Vorreiter: In Ländern wie Russland, Italien und Belgien gelten teilweise deutlich niedrigere Grenzwerte als hierzulande.
  • In Schweden spricht man zudem von der sogenannten Elektro-Hypersensibilität – die erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Strahlen wird dort sogar als Behinderung anerkannt.
  • Von Experten wird dieses Phänomen aber unterschiedlich beurteilt – auch hier fehlt der endgültige Nachweis eines kausalen Zusammenhangs.

Wenn sich Fachleute überhaupt bei einer Sache einig sind, dann dass Strahlungen jeglicher Art nicht gut für den Menschen sind. Das bedeutet allerdings nicht, dass ihr befürchten müsst, einen Tumor zu bekommen, nur weil ihr ein Smartphone nutzt. Auch die Angst vor den zahlreichen neuen Mobilfunkmasten ist in vielen Fällen unbegründet, da sie im Endeffekt die Strahlenbelastung sogar verringert. Grund: Ein besser ausgebautes Mobilfunknetz hilft der Kommunikation zwischen Smartphone und Netz. Die Sendeleistung fällt damit in gut ausgebauten Gebieten viel niedriger aus und die Belastung für den Menschen wird dementsprechend geringer.

Handystrahlung abschirmen: So schützt ihr euch vor dem Elektrosmog

Wenn ihr euch dennoch nicht sicher seid, ob langfristige Gefahren drohen, solltet ihr euch vorsorglich schützen. Telefoniert dazu so selten wie möglich, damit ihr keiner Strahlung ausgesetzt seid. Darüber hinaus solltet ihr euch an die folgenden Tipps halten, um eine mögliche Belastung durch Handystrahlung zu vermeiden.

  • Achtet beim Kauf eines Handys oder Smartphone auf einen niedrigen SAR-Wert.
  • Benutzt zum Telefonieren ein Headset, damit das Handy so weit vom Kopf wie möglich ist.
  • Beim Verbindungsaufbau sendet das Gerät mit voller Leistung –haltet das Handy daher erst dann ans Ohr, wenn die Verbindung steht.
  • Bewahrt das Handy in einer Tasche oder einem Rucksack auf und tragt es nicht immer direkt am Körper.
  • Achtet darauf, dass das Handy einen guten Empfang hat, damit es nicht so stark senden muss.
  • Verwendet keine Strahlenschutzfolie – damit muss das Handy stärker senden, was zu mehr Strahlung führt.
  • Haltet euch beim Telefonieren möglichst kurz.
  • Legt das Handy nachts nicht direkt neben euch, sondern etwas weiter entfernt im Raum.

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Handystrahlung: Krebs, Tumore und andere Gerüchte

Fazit: Wenn ihr im Internet lange genug nach Artikeln sucht, die Krankheiten nachweisen wollen, werdet ihr sie finden. Das Thema ist so ausgiebig besprochen worden, dass alle Verschwörungstheorien gar nicht mehr unter einen einzigen Aluhut passen würden. Tut euch daher den Gefallen und schaut euch die Umstände der jeweiligen Studien genauer an. Nicht jede Untersuchung ist so klar, wie die Überschrift, mit der sie betitelt wird. Die Methodik, mit denen statistische Daten erhoben werden, sind in der Regel genauso wichtig, wie die Daten selbst. Deswegen kann man auch potentiell eindeutige Studienergebnisse durchaus hinterfragen.

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