Sonys bisher beste True-Wireless-Kopfhörer mit Noise Cancelling: Wo die WF-1000XM4 an die Spitze klettern und wo es noch Verbesserungsbedarf gibt, klärt GIGA-Audioexperte Stefan im Test.

Sony WF-1000XM4 im Test: Fazit

GIGA-Wertung: 8.3 / 10

Einfach die Augen schließen und die Musik genießen: Ich stehe vor einem Späti am Rosenthaler Platz, schlürfe einen BraTee eine Limo und lausche andächtig „The Lover of Beirut“ von Anouar Brahem. Menschen laufen vorbei, der Autoverkehr ruckelt vor sich hin, mittendrin die Tram auf dem Weg zum Rosa-Luxemburg-Platz – die Sony WF-1000XM4 schirmen mich mit ihrem hervorragenden Noise Cancelling so gut vom Umgebungslärm ab, dass mich nichts davon stresst. Doch nicht nur das: Die True-Wireless-Kopfhörer klingen auch fantastisch und sitzen sicher in den Ohren.

Perfekt sind sie aber nicht, denn der Langzeittragekomfort ist nur mittelmäßig und auch die Touch-Bedienung kann mich nicht rundum begeistern. Die beiden großen Stärken sind ganz klar die fast schon audiophile Soundqualität und das spitzenmäßige ANC, hier schlägt Sonys Modell mir jedes derzeit bekannte Konkurrenzprodukt – unter anderem auch die beliebten Apple AirPods Pro. Wem diese beiden Punkte am wichtigsten sind, dem seien die Sony WF-1000XM4 hiermit wärmstens empfohlen.

Vorteile:

  • Fantastische Klangqualität
  • Sehr gutes Noise Cancelling (ANC)
  • Nützliche App

Nachteile:

  • Kein Multipoint Bluetooth (aber immerhin Google Fast Pair)
  • Tragekomfort mittelmäßig
  • Touch-Bedienung nicht optimal
Sony WF-1000XM4 Noise Cancelling-Kopfhörer

Sony WF-1000XM4 Noise Cancelling-Kopfhörer

Klang

Es kommt selten vor, dass man auf einen klanglichen Allrounder trifft: Ein Kopfhörer, der jede Musikrichtung beherrscht – von den feinen Details bis hin zum brachialen Bassdrum-Hammer. Die Sony WF-1000XM4 sind so ein technisches Wunderwerk. Sie holen aus jedem Song das Beste heraus, sei es die Melancholie von Blumfeld, die Lässigkeit von Migos oder die Dunkelheit von Kammerflimmer Kollektief. Nie habe ich das Gefühl, da sei noch etwas „zwischen“ meinem Trommelfell und der Musik. Sony schafft es, einen direkten Blick auf das Klanggeschehen anzubieten, wie ich ihn zuletzt mit den Sennheiser Momentum True Wireless 2 erlebt habe.

Noise-Cancelling-Kopfhörer: JBL Live Pro+ TWS, Sony WF-1000XM4 und Apple AirPods Pro (v.l.n.r., Bild: GIGA)

Der Klangcharakter ist dabei allerdings nicht streng neutral, sondern etwas unterhaltsamer gestaltet: Die Bässe sind leicht angehoben, was der Musik vor allem unterwegs und bei sportlicher Tätigkeit ein wenig mehr Energie gibt und sie nach vorne rücken lässt. Auch wenn Klang immer subjektiv ist – in Anbetracht des Detailreichtums und der Spielfreude gebe ich den Sony WF-1000XM4 die Höchstnote: 10 Punkte für die Klangqualität.

Tragekomfort und Halt

Die Ohrpassstücke der Sony WF-1000XM4 sind nicht die üblichen Silikon-Aufsätze, sondern aus einem viskoelastischen Material (Memory-Schaum). Vor dem Einsetzen lassen sie sich leicht zusammendrücken, so dass sie sich in den Ohrkanälen langsam wieder ausdehnen. Der Effekt nach wenigen Sekunden: Die Ohren werden perfekt versiegelt – was wiederum für sicheren Sitz, satten Klang und eine hohe passive Dämmung (hohe Töne, Stimmen, Vogelgezwitscher) gegen Umgebungsgeräusche sorgt. Das ausfüllende Tragegefühl erinnert an „Ohropax Soft Ohrstöpsel“ – und ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig.

Sony WF-1000XM4: Der Halt ist sehr gut, die Versiegelung (Geräuschdämmung) ist top, aber das Ohr fühlt sich etwas vollgestopft an (Bild: GIGA)

Die Gehäuse der Sony WF-1000XM4 sind eigentlich gar nicht so klobig, stehen beim Tragen aber trotzdem deutlich seitlich ab. Mir persönlich gefällt der schlanke „AirPods-Look“ besser, auch die flachen Samsung Galaxy Buds Live sind vom Design her eleganter. Insgesamt sind die Sonys aber tragbar, zumindest für 1-2 Stunden am Stück.

 

Funktionen

Quick Charging (Schnelles Aufladen), Google Fast Pair (für Android), Speak-to-Chat (Musik pausiert beim Sprechen), 360 Reality Audio (z. B. mit Tidal), Spritzwasserschutz (IPX4) – die Liste der Features der Sony WF-1000XM4 kann sich durchaus sehen lassen. Das Herstellervideo zeigt die wichtigsten Funktionen:

Sony WF-1000XM4: Alle neuen Features

Unterstützt werden die Codecs SBC, AAC und LDAC – aber nicht Qualcomms aptX (HD). Die Bedienung erfolgt per Touch – und das hat wie immer (bei Kopfhörern) seine Tücken. Manchmal reagieren die Oberflächen (bedienbar sind beide Seiten) zu empfindlich, vereinzelt aber auch erst beim zweiten Tippen. Ich hätte eine drucksensitive Steuerung oder Hardware-Buttons bevorzugt.

Die App (Sony Headphones Connect für Android und iOS) ist etwas träge, aber nützlich und vielseitig. Insbesondere der Equalizer zeigt eindrucksvoll, dass sich die Sony WF-1000XM4 klanglich an fast jeden Geschmack anpassen lassen – für mich ein Zeichen der hervorragenden „Ausgangsklangqualität“ in der Werkseinstellung.

Geladen wird das Case per USB-C oder Wireless, ein Netzteil ist nicht im Lieferumfang enthalten ( – ich habe ein Anker PowerPort III USB-C Ladegerät benutzt). Die vorblidliche Akkulaufzeit von bis zu 8 Stunden pro Ladung (ANC aktiviert) kann ich bestätigen. Zusammen mit dem Akku im Case kommt man auf mehrere Tage bei normaler Nutzung.

JBL Live Pro+ TWS, Sony WF-1000XM4 und Apple AirPods Pro (v.o.n.u., Bild: GIGA)

Wer aber mehrere Geräte abwechselnd nutzt (Handy, Tablet, PC etc.) wird Multipoint Bluetooth vermissen. Immerhin unterstützen die Sony WF-1000XM4 das blitzschnelle Verbinden per Google Fast Pair (Einfach das Case in der Nähe des Android-Handys öffnen), zudem lässt sich der Bluetooth-Pairing-Mode leicht auslösen, indem man beide Touch-Oberflächen für einige Sekunden gleichzeitig berührt.

Lieferumfang der Sony WF-1000XM4: Die neue Verpackung ist umweltfreundlich und kompakt (Bild: GIGA)

Das absolute Highlight ist das Active Noise Cancelling (ANC), das sich souverän an die Spitze der mir aktuell bekannten True-Wireless-Modelle setzt. Schon die passive Abschirmung ist ob der gut abdichtenden Ohrstücke recht hoch. Die elektronische Geräuschdämmung blockt dann noch monotones Brummen (z. B. Verkehrslärm) wirkungsvoll ab. Mit der hier gebotenen Leistung können weder die JBL Live Pro+ TWS (siehe Test auf GIGA), noch die Apple AirPods Pro (siehe Test auf GIGA) mithalten. Erfreulich ist auch, dass Sony das Problem mit Windgeräuschen in den Griff bekommen hat: Die „Vorgänger“ Sony WF-1000XM3 sind mir hierbei noch negativ in Erinnerung geblieben – bei den Sony WF-1000XM4 wird der Wind im Freien nur noch minimal weitergegeben und stört den Musikgenuss nicht.

Bei der starken ANC-Performance, die ja maßgeblich von der Elektronik (Mikrofone) und der Software abhängt, ist es bedauerlich, dass Telefongespräche oder Slack-Calls mit den Sony WF-1000XM4 gerade mal befriedigend sind: Etwas blechern im Klang und dazu recht starke Hintergrundgeräusche. Hier könnte ein zukünftiges Software-Update vielleicht die Leistung noch verbessern.

Wertungen und Technische Daten

GIGA-Testwertung im Detail: Sony WF-1000XM4

Kategorie Wertung (max. 10)
Klang 10
Tragekomfort 7
Hardware, Design & Funktionen 8
Akku 8
Gesamt 8.3

Spezifikationen: Sony WF-1000XM4

Typ In-Ear-Kopfhörer mit ANC
Gewicht 10 g
Akkulaufzeit bis zu 8 Stunden (pro Ladung, mit ANC)
Besonderheiten Wireless Charging (Case); Fast Charging (5 Minuten Laden für 1 Stunde Wiedergabezeit), Google Fastpair für Android; Unterstützung von Alexa und Google Assistant; Speak-to-Chat; Wassergeschützt (IPX4)
Testumgebung Dieser Kopfhörer wurde uns getestet unter iOS 14.6, zusammen mit der Sony Headphones Connect App (Version 8.0.1)