Grau, rund, Stromkabel dran: Das ist Google Wifi.
Grau, rund, Stromkabel dran: Das ist Google Wifi.

Laut Google soll eine einzelne Google-Wifi-Box im Optimalfall bereits 130 m² abdecken - drei Geräte auf 100 m² sind dann auch schon fast „Overkill“, erfüllen ihren Zweck aber dennoch gut. Die Verbindungsqualität ist besser als mit der Fritzbox. Wesentlich besser. Ich bekomme nun in wirklich jedem Winkel meiner verwinkelten Wohnung die volle Geschwindigkeit meiner DSL-Leitung ab, Verbindungsabbrüche gibt es keine mehr, auch meine drei Amazon Echos reagieren etwas schneller auf Sprachkommandos. Das ist nett, faszinierend ist aber das, was außerhalb der Wohnung möglich ist. So habe ich jetzt im Treppenhaus und im Innenhof guten WLAN-Empfang und selbst zum Spielplatz-Streifen in der Mitte der Straße vor dem Haus reicht das Signal der Google-Wifis. Ja, das ist schon ein Gewinn an Lebensqualität.

Überraschend auch was passierte, als ich meinen Gaming-PC, der sonst per Kabel direkt am Router hängt, testhalber mit einer der Google-Wifi-Boxen verkabelte, mir also im Prinzip eine Wifi-Bridge baute: Der durchschnittliche Ping auf google.com sank von 23 auf 26 ms. Das ist praktisch nichts – selbst Online-Gaming ist so theoretisch problemlos möglich (auch wenn ich meine PUBG-Partien grundsätzlich verkabelt austragen möchte). Ja, beide Boxen standen nur etwa 5 Meter voneinander entfernt und hatten Sichtkontakt, trotzdem ist das ein beeindruckendes Ergebnis. Mit einer Speedtest-App erreichte ich sogar Pings von 15 ms und weniger – hier steht der Server allerdings auch in der Nähe. Selbst dort, wo ich nicht mehr mit dem zentralen Zugangspunkt verbunden war, erreichte ich eine Geschwindigkeit von knapp 30 MBit/s und vor allem eine stabile Verbindung.

Google Wifi – die Rückseite: Hinten befindet sich ein Reset-Button.
Google Wifi – die Rückseite: Hinten befindet sich ein Reset-Button.

Beim Überprüfen der Ergebnisse im Detail fiel mir auf, dass die Geräte nicht immer mit dem vermeintlich nächsten Google Wifi verbunden waren. Mein Smartphone war in diesem Moment intelligent genug, sich mit einem Google Wifi zu verbinden, das zwar weiter entfernt stand, aber offenbar eine bessere Verbindung garantiert.

Und noch eine interessante Beobachtung: Weil ich mehrere Smartphones und Rechner über die App Resilio Sync lokal synchronisiere, machen sich Vermaschung und das 5-GHz-Netz auch hier höchst positiv bemerkbar – die Synchronisierungsgeschwindigkeit lag meist deutlich über 10 MB pro Sekunde – gegenüber normalerweise 5-6 MB mit meiner alten Fritzbox. Google Wifi ist also auch eine gute Option für Nutzer mit viel LAN-Traffic, etwa wenn man ein NAS zum Transfer von Daten im Heimnetz und Medienstreaming verwendet. Natürlich ist es im Zweifel immer noch die bessere Option, Endgeräte zu verkabeln, bei Laptops, Smartphones und Tablets macht man das naturgemäß aber selten.

Leichtes Administrieren mit der Google-Wifi-App

Die App von Google Wifi kann man nur als gelungen bezeichnen. Sie nimmt nicht nur den Nutzer bei der Einrichtung seines WLANs an die Hand, sondern bietet auch eine Reihe praktischer Diagnose-, Administrations-Funktionen und Zusatzfeatures. Hier nur einige davon:

  • Geräte: Anzeige aller verbundenen Geräte, inklusive eines (änderbaren) Namens und der aktuellen Down- bzw. Uploadgeschwindigkeit sowie alle Zugangspunkte und deren Signalqualität.
    Familien-WLAN: Einzelne Geräte, etwa die Smartphones der Kinder, können zu fest definierten Zeitpunkten vom WLAN abgeschnitten werden. Damit der Nachwuchs nicht bis in die Puppen Clash of Clans daddelt.
  • Gast-WLAN: Schnell ein WLAN für den Besuch einrichten, der aber keinen Zugriff aufs Heimnetzwerk hat.
  • Priorisierung: Wenn ein Gerät viel Bandbreite und niedrige Latenzen braucht – etwa fürs Gaming oder Streaming in hohen Auflösungen – kann man dieses Gerät für eine vorher definierte begrenzte Zeit priorisieren.
  • IPv6-Support aktivieren: funktioniert nicht bei jedem ISP, deswegen standardmäßig aus
  • Alternativer DNS-Server: Standardmäßig wird Googles DNS-Server verwendet, man kann aber auch den des Internetanbieters oder auch einen eigenen festlegen – zum Beispiel ein lokales Pi-Hole.
  • Port-Weiterleitungen, UPnP und statische lokale IP-Adressen: All das Einstellungsgeraffel, das man von anderen WLAN-Geräten auch kennt.
  • Tests der Netzwerkverbindung und des Internets: Diese werden sowohl auf Wunsch des Nutzers durchgeführt als auch regelmäßig im Hintergrund – auf diese Weise erhält man auch einen Einblick, ob der Internet-Anbieter seine Vertragspflichten bezüglich der Geschwindigkeit erfüllt.

Test-Fazit zu Google Wifi

Im RL sollte man Google Wifis nicht so nah nebeneinander stellen – das bringt nämlich nichts.
Im RL sollte man Google Wifis nicht so nah nebeneinander stellen – das bringt nämlich nichts.

Google Wifi ist ein durchdachtes Produkt, das – für WLAN-Router eher ein ungewöhnliches Prädikat – Spaß macht und das ich in meinem Haushalt nicht mehr missen möchte. Zwar stört die fehlende Wandhalterung und das relativ große Gehäuse – das fällt aber nicht zu stark ins Gewicht. Sinnvoll wäre, wenn Google zumindest noch eine Möglichkeit nachrüstet, das Netz lokal per Browser-Interface zu administrieren und mehrere Wifis per Kabel an das LAN anzuschließen und so als „echte“ Access Points zu nutzen.

Braucht nun jeder Google Wifi? Nein. Mit rund 250 Euro für ein Paket mit zwei Geräten ist Google Wifi nicht gerade billig.

Google Wifi ist WLAN-Hardware, die Spaß macht – aber noch zu teuer ist

Ob Netgear Orbi, Eero oder diverse am Markt befindliche oder in Kürze startende Systeme, es gibt zahlreiche Konkurrenten – und hoffentlich bald auch purzelnde Preise, denn zum jetzigen Zeitpunkt ist Google Wifi noch zu teuer. Außerdem sollte man vor dem Kauf die eigenen Ansprüche ans heimische WLAN überprüfen. Je nach Wohnsituation kann man einen ähnlichen Effekt auch mit einem klassischen Range Extender oder Repeater für einen Bruchteil des Geldes bekommen – oft reicht es sogar, sich ein neues WLAN-Modem anzuschaffen, dessen Positionierung oder die Antennenausrichtung zu optimieren. Aber: Wer eine große, verwinkelte Wohnung oder ein mehrstöckiges Eigenheim hat, wer möchte, dass die WLAN-Hardware stylisch aussieht und einfach zu verwalten ist, wer sein WLAN mit mehreren Personen und vielen Geräten teilt, der sollte sich Google Wifi definitiv anschauen.

Google Wifi: Die Wertung

  • Verbindung (40 %): 4/5
    Hohe Reichweite, Stabilität und Geschwindigkeit, aber kein AP-Modus
  • Optik und Design (30 %): 4/5
    Stylisch, aber groß und ohne Wandaufhängung
  • Administration, Bedienbarkeit (20 %): 4/5
    Auto-Updates, Funktionsreiche und übersichtliche App, aber keine Konfiguration per Browser
  • Zusatzfunktionen (10 %): 5/5
    Familienmodus, Remote-Administration, Netztests – alles da und regelmäßige Neuerungen per Update

GESAMT: 82 %

google-wifi-test-giga-wertungs-badge

Umfrage zur Apple Watch: Wird die Smartwatch überzeugen?

Du willst keine News rund um Technik, Games und Popkultur mehr verpassen? Keine aktuellen Tests und Guides? Dann folge uns auf Facebook oder Twitter.