Das „Call of Duty“-Franchise ist erfolgreicher denn je. Die Verkaufszahlen von Modern Warfare und Black Ops Cold War sind fantastisch, die Spielerzahlen von Warzone sind ein Traum und die Kasse klingelt sowieso.

 

Call of Duty: Warzone

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Call of Duty: Warzone

König Call of Duty – so habe ich vor etwas mehr als einem Jahr das vergangene Gaming-Jahrzehnt zusammengefasst. In den USA waren sieben der zehn am meisten verkauften Spiele ein CoD-Game, und der Trend setzt sich fort. Call of Duty: Modern Warfare, Call of Duty: Warzone und Call of Duty: Black Ops Cold War sind zweifelsohne sehr erfolgreich und das, obwohl so viel falsch läuft.

Es ist wie mit diesem einen überlaufenen Urlaubsort, wo der Cappuccino 18 Euro kostet, alle über den Dreck und kaputte Klimaanlagen meckern und trotzdem jedes Jahr hinfahren.

Call of Duty®: Black Ops Cold War & Warzone™ Reloaded Trailer

„99 little bugs in the code ...“

Es wäre nun ein leichtes gegen Call of Duty zu wettern und all die Dinge aufzuzählen, die das Spiel versauen, die Bugs, die Glitches, die Cheater und alles andere. Mach ich auch, aber nicht ohne ein wenig Kontext. Call of Duty hat extrem viele Spieler und damit auch extrem viele Augen, die Fehler sehen können. Stand Dezember 2020 hatte das Franchise 200 Millionen Spieler (inklusive Mobile), davon entfallen allerdings schon 85 Millionen auf Warzone.

Plattformen wie Twitter und Reddit sind voll von Beschwerden über das Spiel, doch sind die, die am lautesten Schreien, nicht immer die Mehrheit. Upvotes von irgendwelchen Reddit-Rants können in die Zehntausende gehen und noch immer kein verlässliches Bild des Problems zeigen. Auf der anderen Seite spricht die Häufigkeit der „Spieler sind sauer“-Neuigkeiten, aber eine ganz andere Sprache.

Auch die Content Creator leisten ihren Beitrag – im Positiven wie im Negativen. Natürlich gibt es YouTuber, die es sich einfach machen und einfach nur auf die Spiele schimpfen. Doch es gibt auch die, die sich aktiv mit den Problemen auseinandersetzen und diese untersuchen. Wenn ich mich also durch all die Videos, Tweets und Reddit-Threads grabe, komme ich trotz Berücksichtigung des Kontexts zu dem Ergebnis: Call of Duty hat ein großes Problem mit Bugs, Glitches, Cheatern und noch anderen Dingen.

Hier mal ein paar Highlights der letzten Monate:

Hier fallen zwei Dinge auf: Zum einen sind das nur Meldungen aus den letzten drei Monaten und auch nur ein Anteil der Probleme in Call of Duty. Zum anderen ist Modern Warfare hier gar nicht mehr dabei. MW ist im „Circle of Life“ von Activision nämlich schon am Ende angekommen, leider singt dabei niemand so schön wie in König der Löwen. „Call of Duty“-Spiele sind nach einem Jahr durch und es ist auch nicht anders geplant.

Call of Duty – ein Wegwerfprodukt?

Wer die Reihe schon länger verfolgt, hat bei Meldungen wie „Activision plant neues Call of Duty für dieses Jahr“ nur einen Gedanken: „Was ihr nicht sagt! Seit 2005 gibt es jedes Jahr ein neues Call of Duty. Ja, ich weiß, das Erste erschien 2003, im Jahr 2004 erschient aber nur die „CoD 1“-Erweiterung United Offensive – das zählt nicht. Jedes Jahr wird das alte Call of Duty vom nächsten abgelöst. Sobald das Neue erscheint, wird sich um das alte CoD nicht mehr so richtig gekümmert, das Team muss sich ja auch an die Arbeit für ein zukünftiges CoD machen.

Call of Duty schafft sich also jedes Jahr selbst ab, da sich das aber rechnet, macht das zumindest Publisher Activision nichts. Bei den Entwicklern kann ich nur mutmaßen, ich stell es mir aber nicht so einfach vor. Sie stecken Jahre der Arbeit und im Idealfall auch Leidenschaft in ein Spiel, und nach spätestens einem Jahr wandern die Spieler weiter. Ich persönlich stelle mir das eher unbefriedigend vor.

Die Sache mit dem Geld

Seit Modern Warfare (2019) setzt Activision auf Seasons mit einem Battle Pass. Für 10 Euro gibt es jede Menge Skins und anderen kosmetischen Schnickschnack und vor allem können CoD-Points erspielt werden. Es besteht die Möglichkeit, den Battle Pass durch Spielen zu refinanzieren - wer viel spielt, bekommt auch viel. Leider ist es damit nicht genug, die Operator-Packs enthalten auch ein paar Blaupausen und Skins und kosten dann noch mal bis zu 20 Euro. Wie das in Relation zu einem Battle Pass steht oder das drei bis vier dieser Packs so viel wert sein sollen wie ein ganzes Spiel, bleibt nach wie vor ein Rätsel.

In diesem ganzen kaufbaren Krams verstecken sich jedoch immer wieder Skins mit Fehlern, die einen enormen Vorteil im Spiel bieten. Diese treten sogar sehr häufig auf und geben dem Store einen faden Beigeschmack nach „Pay2Win“. Activision hat im Jahr 2020 übrigens 3 Milliarden Dollar mit Call of Duty gemacht.

Von Cheatern geplagt

Eines der absolut größten Ärgernisse in allen drei Spielen sind die Cheater und die Unfähigkeit der Lage Herr zu werden seitens der Entwickler. Dafür kann es zwei Gründe geben und beide sind ausgesprochen verwerflich: Sie können nicht oder sie wollen nicht. Erst vor gut einer Woche verkündete Activision, sie haben 60.000 Accounts gebannt, ein Tropfen auf dem heißen Stein angesichts der Millionen Spieler. Außerdem ist Warzone eine Free2Play-Spiel, es ist also nicht so schwer, einen neuen Account zu machen. Cheater versauen den Spielern den Spaß und selbst in Turnieren mit hohen Preisgeldern sind sie zu finden.

Zeit für Rebellion

Call of Duty, insbesondere Warzone, ist in einem katastrophalen Zustand. Die Spiele sind voll mit Bugs und Glitches, die von den Entwicklern nach Updates nicht weniger, sondern mehr werden. Wir müssen hier jedoch keinen König stürzen, es gilt nichts zu zerstören. Die Spiele sind nämlich eigentlich ziemlich gut. Die Tatsache, dass trotz der vielen Probleme so viele Menschen Call of Duty spielen, ist dafür ja schon ein Beweis.

Activisions Kommunikation zu all den Problemen ist mehr als mangelhaft, doch an dem Tag, an dem ein großer Publisher sich öffentlich hinstellt und glaubhaft sagt: „Sorry Leute, das haben wir echt verkackt“, friert vermutlich die Hölle zu. Trotzdem müssen wir als Spieler dran bleiben, wenn wir wollen, dass sich das Ganze in eine positive Richtung entwickelt. Es ist eine Schande, das Warzone, Cold War und MW von Dingen ruiniert werden, für die das Spiels als solches nichts kann. Wenn das Gameplay zum Kotzen wäre, könnten wir alle weiterziehen und was anderes spielen – ist es aber nicht.

Wir als Spieler dürfen nicht aufhören, auf Fehler und Probleme hinzuweisen, die Entwickler auf Twitter oder Reddit anzubrüllen, ist aber der falsche Weg. Das Konzept „Spieler entscheiden mit ihrer Brieftasche“ hat irgendwie selten zu was geführt. Allerdings ist die Nummer mit den Skins für 20 Euro noch nicht durch, das diskutieren wir aber an anderer Stelle.

Also wie wäre es, wenn wir nicht mehr so böse sind und die Entwickler dafür ihr Spiel auf die Kette kriegen? Die Spiele sind doch gut, warum macht ihr da nichts draus (außer Geld)? Wir sind nun mal langsam an einem Punkt angekommen, wo wir uns entscheiden müssen. Damit ist jeder von euch gemeint. Ziehen wir nun unsere Konsequenzen und treten Call of Duty in die Tonne (wie sie es jährlich vormachen), oder nehmen wir die Hand, vorausgesetzt Activision reicht sie uns?

Kann Activision also jetzt endlich mal durchwischen und die Klimaanlage reparieren? Dann können wir uns in Ruhe hinsetzen und über den Preis von koffeinhaltigen Heißgetränken sprechen und vor allem den Urlaub genießen.

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