DJ-Midi-Controller und Standalone-Controller sind erschwingliche Alternativen zum teuren „Club-Standard“. Wir stellen euch aktuelle Empfehlungen für Einsteiger vor, mit denen ihr innerhalb kurzer Zeit einen DJ-Mix erstellen könnt.

Ein vollständiges DJ-Setup auf Profi-Niveau ist teuer: Für zwei (oder mehr) Plattenspieler oder CDJ-Player und einen passenden Mixer werden locker über 5.000 Euro fällig. Ob das wirklich immer sein muss, darf durchaus diskutiert werden – denn deutlich günstigere (und kompaktere) DJ-Controller vereinen mehrere Funktionen in einem Gerät und haben aus technischer Sicht einiges zu bieten. Die grundlegende Aufgabe – das kreative Ineinandermischen von Songs – lässt sich auch mit den einfachsten Controller-Modellen bewerkstelligen.

Kostet so viel wie ein Gebrauchtwagen und ist nur schwer zu transportieren: Ein DJ-Setup, wie es in professioneller Umgebung zu finden ist (Bildquelle: Pioneer DJ)

DJ-Controller sind nicht nur für Hobby-DJs und Einsteiger interessant, sondern auch für berufliche Zwecke (Hochzeits-DJs, Set-Vorbereitung auf Reisen etc.) eine gute Wahl, etwa wenn Mobilität und geringer Platzbedarf entscheidend sind.

Pioneer DJ DDJ-400: Das Einsteigermodell vom Branchenführer

„Von den Basics zum Meister“ – mit diesem Slogan wurde der DDJ-400 von Pioneer DJ (bei Saturn ansehen) bei der Vorstellung beworben. Sein größter Vorteil: Er stammt aus dem selben Haus, wie die Profi-Geräte (CDJ-3000, DJM-900NXS2 etc.), die auf Festivals und Clubs weltweit als sogenannter „Club-Standard“ etabliert sind. Tatsächlich ist es also eine Überlegung wert, schon beim Einstieg auf Produkte von Pioneer DJ zu setzen, wenn die großen Bühnen das Ziel sind.

Die Bedienoberfläche des DJ DDJ-400 ist so gestaltet, dass ein späterer Wechsel auf die Profi-Linie leicht fallen soll: Die Anordnung der Buttons und wesentliche Abläufe sind sehr ähnlich – das erspart die Umgewöhnung.

Pioneer DDJ-400: Der kleine Bruder der Platzhirsche im Club soll den Einsteig in die Profiliga erleichtern (Bildquelle: Pioneer DJ)
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Die integrierte Soundkarte bietet eine gute Klangqualität, die Haptik der Jogwheels und Fader ist für die Preisklasse ordentlich. Als Software zur Musikverwaltung kommt Rekordbox Dj zum Einsatz. Sie ist kompatibel mit jeder Hardware von Pioneer DJ – auch das ein eventueller Vorteil bei der langfristigen Karriereplanung. Wenig überraschend ist, dass zum DDJ-400 viel Gutes und nur wenig Kritik zu finden ist: „Die abgespeckte Hardware ist mit ihren kleinen Pads und den spärlichen Loop- und Beat-FX-Sektionen ein wenig einschränkend“, merkt Markkus Rovito von DJTechtools an. Alles in allem eine exzellente Wahl für Einsteiger und alle, die mit einem überschaubaren Budget arbeiten müssen.

Vorteile:

  • Design und Workflow orientieren sich an Profi-Geräten
  • Gute Verarbeitung und Haptik
  • Kostenlose Lizenz für Rekordbox DJ im Lieferumfang

Nachteile:

  • Aufgrund des Formats etwas kleine Mixer- und Beat-FX-Sektion

Traktor Kontrol S3: Auflegen mit dem iPad

GIGA-Tipp Während die meisten DJ-Controller für die Verwendung in Kombination mit Laptops ausgelegt sind, kann und soll der Traktor Kontrol S3 von Native Instruments (bei Thomann ansehen) auch am Apple iPad angeschlossen werden. Das spart – in meinem Fall mit dem iPad mini 5 (bei Rebuy ansehen) – ein wenig Platz und bietet dank Touch-Bedienung einen stimmigen Workflow.

Traktor Kontrol S3: Bietet vier Kanäle und lässt sich mit einem iPad verbinden (Bildquelle: Native Instruments)
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Anders als so mancher Konkurrent aus der Preisklasse ist der Kontrol S3 als Vierkanal-Gerät auch für ambitionierte Sets geeignet – gerade im Bereich elektronischer Musik lassen sich mit den zwei zusätzlichen Softwaredecks einige kreative Ideen umsetzen. Schade, dass hierfür ein Laptop mit Traktor Pro 3 erforderlich ist, denn die iPad-App ist auf zwei Kanäle beschränkt. Besonders schätze ich das aufgeräumte und zurückhaltende Design und die gute Verarbeitungsqualität. Auch wenn Buttons, Knobs und Fader der Preisklasse entsprechend aus Plastik und einfach gehalten sind: Die Bedienung ist präzise, insbesondere die beleuchteten Jogwheels können überzeugen.

Mein iPad mini verbinde ich per USB-auf-Lightning-Kabel mit dem Traktor Kontrol S3 (Bildquelle: GIGA)

Als Annäherung ans Profisegment sind auf der Rückseite XLR-Ausgänge und Booth-Out zu finden. Vorne stehen zwei Klinkenbuchsen (3,5 und 6,3 mm) zur Auswahl. Sowohl die Software Traktor DJ 2 (kostenlos) als auch Traktor Pro 3 (99 Euro) sind im Lieferumfang enthalten.

Vorteile:

  • 4 Kanäle
  • Gute Anschlussmöglichkeiten
  • Kann mit iPad genutzt werden (iOS-App: Traktor DJ 2)

Nachteile:

  • Voller Funktionsumfang nur unter Traktor Pro 3 (Windows und MacOS)
  • Effektkontrolle vergleichsweise eingeschränkt
Der kleine Bruder des Traktor Kontrol S3 nennt sich Traktor Kontrol S2 MK3 (bei Amazon ansehen) – er kostet deutlich weniger, bietet nur 2 Kanäle, ist aber vom Layout und der Qualität her vergleichbar.

Denon DJ Prime GO: Kleiner Standalone-Controller für hohe Ansprüche

Der wahrscheinlich härteste Konkurrent für Pioneer ist im Profisegment das ebenfalls aus Japan stammende Unternehmen Denon. Mit funktionsstarken Mediaplayern wie dem SC6000 Prime und der hauseigenen Software Engine DJ OS konnte bereits die eine oder andere Mainstage erobert werden. Der Denon DJ Prime GO (bei Thomann ansehen) soll das gesammelte Know-how und die hohen Ansprüche in einem geradezu winzigen Format vereinen: Mit nur 41,1 × 27,4 × 5,3 Zentimetern passt der Controller in jeden Rucksack.

Denon DJ Prime GO: Der Controller kommt ohne Laptop aus und bietet für seine kompakte Bauweise eine erstaunliche Funktionsvielfalt (Bildquelle: Denon DJ)

Beim DJ Prime GO handelt es sich um einen Standalone-Controller: Er kann eigenständig Musik speichern (SD-Karten-Slot), verwalten und abspielen – ein Laptop oder Tablet wird nicht benötigt. Sogar ein Akku ist integriert, sodass man bis zu 4 Stunden ohne externe Stromversorgung arbeiten kann, etwa wenn man gerade unterwegs ist und einen Mix vorbereitet. Auch interessant ist die sicherlich die Kombination mit einer akkubetriebenen Partybox (siehe Bluetooth-Lautsprecher-Kaufberatung). Mittig befindet sich ein Touch-Display (7 Zoll), das für die Navigation und die Wellenformdarstellung der Tracks zuständig ist. „DJs verwenden den Denon DJ Prime GO als Backup-System für größere Engine-Prime-betriebene Geräte. Event-DJs verwenden ihn, wenn sie gebeten werden, in einem kleinen Raum wie einer Bar aufzulegen“, fasst Phil Morse von Digital DJ Tips zusammen.

Natürlich müssen ob des kleinen Formats gewisse Abstriche in bei der Bedienung gemacht werden. Wenn aber wenig Platz und professionelle Anforderungen aufeinandertreffen, dann gibt es kaum ernstzunehmende Alternativen zum DJ Prime GO auf dem Markt.

Vorteile:

  • Sehr kompaktes Standalone-Gerät
  • Guter Touchscreen und integrierter Akku
  • Verarbeitung auf Profi-Niveau

Nachteile:

  • Bedienung aufgrund der kleinen Bauweise gewöhnungsbedürftig
  • Hoher Preis

 

Die besten DJ-Controller: So wurden die Empfehlungen ausgewählt

Alle hier besprochenen Controller habe ich selbst ausprobiert. Es werden Modelle vorgestellt, die besonderes Lob von Kunden und Fachpresse erhalten haben und sich für einen Kauf empfehlen. Verwendete Quellen: DJTechTools, DJTechZone, DigitalDJ Tips

Auflegen mit DJ-Controller: Antworten auf die wichtigsten Fragen

Die Ausstattung: Was braucht man zum Auflegen?

Zu einem DJ-Controller gehört ein damit per USB-Kabel verbundener Computer (häufig zu sehen ist das Apple Macbook Air, erhältlich z. B. bei MediaMarkt). Ausnahme sind sogenannte Standalone-Controller: Bei ihnen ist der Computer sozusagen bereits integriert. Die Musik für die Tanzfläche ertönt über angeschlossene Lautsprecher. Hier kommen PA-Systeme (z.B. Power Hifi von Teufel) oder (zumindest zuhause) Studiomonitore (z.B. Adam Audio T5V) zum Einsatz. Nicht zu vergessen sind passende Kabel (XLR oder Cinch). Fürs Vorhören des nächsten Tracks ist ein DJ-Kopfhörer erforderlich, ich persönlich empfehle hierfür den flexiblen und bewährten Sennheiser HD 25 (bei Amazon ansehen).

Woher bekomme ich Musik zum Auflegen?

Auch wenn die gute alte Schallplatte noch immer der Goldstandard in Clubs ist: Wir sind längst im Zeitalter des Digital-DJing angekommen. Jede aktuelle Software (+ Controller) unterstützt das Wave-Format (direkt von CDs) und das weit verbreitete MP3 (Achtung: verlustbehaftete Kompression!). Die gewünschten Songs können also im Apple iTunes Store oder bei Amazon erworben werden. Für bestimmte Musikrichtungen gibt es zudem spezialisierte Anbieter wie Beatport oder Bandcamp.

Was ist manuelles Beatmatching und muss man das können?

Eine Glaubensfrage, auf die es unterschiedliche Antworten gibt. Die Fähigkeit, einen fließenden Übergang zwischen zwei Tracks nur mit Gehör und Fingerfertigkeit zu gestalten, war früher unabdinglich. Als DJs noch ausschließlich mit Plattenspielern arbeiten mussten, war Beatmatching schlichtweg Grundvoraussetzung.

Sync-Button am Traktor Kontrol S3: Auf Knopfdruck das passende Tempo (Bildquelle: GIGA)

Bei heutiger Software und DJ-Controller ist der ganze Prozess nur ein einfacher Klick auf den „Sync“-Button, schon laufen beide Tracks absolut synchron und sind für den Übergang bereit – manuelles Beatmatching ist technisch gesehen kaum mehr erforderlich. Trotzdem gilt: Da Beatmatching schwer zu erlernen ist und viele Stunden Übung voraussetzt, ist es zumindest aus künstlerischer Sicht sinnvoll. Die konzentrierte Beschäftigung mit der Musik und ihrem Rhythmus sorgt für ein außerordentliches Verständnis – und das kann wahrlich nicht schaden.