Die Akzeptanz der Corona-Warn-App ist nicht hoch genug und außerdem fehlen ihr Funktionen. Nachdem die Regierung fast 70 Millionen Euro dafür ausgegeben hat, kommt plötzlich die Luca-App daher – beworben von Smudo („Fantastische Vier“). Was kann sie besser und wie funktioniert sie? GIGA klärt auf.

 

Luca-App

Facts 

Man geht davon aus, dass die Corona-Warn-App nur von rund 16 Millionen Bürgern wirklich genutzt wird. Selbst wenn man alle Kinder und sehr alte Menschen abzieht, nutzen sie also maximal die Hälfte aller Personen, denen man täglich begegnet. Das reicht nicht aus, um einen wirksamen Schutz oder eine sinnvolle Nachverfolgung zu gewährleisten. Davon abgesehen sind alle Daten anonym und niemand weiß, wen es erwischt hat. Das soll durch die Luca-App anders werden, die in kurzer Zeit auf Platz 1 im App Store stieg. Hier setzt man auf eine zentrale Sammlung echter Personendaten sowie auf aktives Mitmachen.

So funktioniert die Luca-App

Im Gegensatz zur Corona-Warn-App setzt die Luca-App nicht auf einen Datenaustausch via Bluetooth, sondern auf aktive „Check ins“: Wer die App nutzt, muss entweder den QR-Code eines Orts (Gastronomie, Geschäfte) oder die QR-Codes der anwesenden Freunde bei jedem Kontakt einscannen beziehungsweise seinen Code zum Scannen vorzeigen.

Außerdem werden nicht irgendwelche anonymen Ziffern gespeichert, sondern echte Personendaten. Diese werden dann verschlüsselt auf einem zentralen Server gespeichert und nur Gesundheitsämter haben darauf Zugriff.

Wie das funktioniert, wird im Video zur App gezeigt:

https://www.youtube.com/watch?v=iFhyaZjNNL0

Sobald es jemand erwischt hat, kann das Gesundheitsamt – und sonst niemand - seine Begegnungs-Historie einsehen und hat dann auch Zugriff auf die Personendaten aller Menschen, mit denen man Kontakt hatte. Und auch das nur auf freiwilliger Basis, wenn man dem Amt einen TAN-Code gibt.

Im Einzelnen funktioniert die Luca-App folgendermaßen:

  • Bei der Einrichtung der App gebt ihr eure Personendaten ein und werdet durch eine SMS verifiziert.
  • Wenn ihr einen Ort besucht, könnt ihr entweder an der Tür einen ortsspezifischen Code einscannen oder ihr zeigt dem Betreiber euren Code vor und er scannt ihn mit seinem Handy ein. Das kann das Ausfüllen von Kontaktdatenlisten überflüssig machen.
  • Trefft ihr euch mit Freunden oder teilt die Räume mit Arbeitskollegen, könnt ihr entweder den Code jedes Einzelnen einscannen beziehungsweise ihm euren Code zeigen, oder ihr startet in der App ein „Privates Treffen“. Dadurch wird ein Gemeinschaftscode erzeugt, der einfach von jedem Teilnehmer eingescannt wird.
  • Sollte innerhalb der Inkubationszeit von 14 Tagen bei euch oder einer Person aus einer Begegnung eine Infektion nachgewiesen werden, dann kann diese Person ihre Begegnungen dieser Zeit dem Gesundheitsamt freigeben.
  • Das Gesundheitsamt kann dann alle Kontakte über die App benachrichtigen und nötigenfalls bei diesen Personen ebenfalls um eine Freigabe der Kontaktdaten bitten.

Hier bekommt ihr die Luca-App für euer Smartphone:

luca

luca

Entwickler: culture4life GmbH
luca app

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Entwickler: culture4life GmbH

Startschwierigkeiten und Probleme im Konzept

Der Rollout einer App sorgt immer für Probleme. Entweder funktioniert sie nicht auf jedem Gerät oder Server sind überlastet. Auch Programmierfehler der App zeigen sich erst, wenn eine große Personenzahl sie nutzt. Das ist leider bei der Luca-App nicht anders.

Dabei sind zwei Probleme mit Sicherheit am größten:

  1. Bislang sind nur sehr wenige Gesundheitsämter überhaupt an das System angeschlossen. Allerdings bestehen bereits Kontakte zu vielen weiteren Ämtern.
  2. Die App setzt auf eigenverantwortliches Handeln und dass es damit nicht besonders weit her ist, zeigen ja die immer wiederkehrenden Infektionswellen. Außerdem wird sich – selbst bei gutem Willen – irgendwann eine Nachlässigkeit bei den „Check ins“ einstellen, die dann die App überflüssig macht.

Davon abgesehen ist die App nicht gerade intuitiv verständlich. Was ist der Unterschied, wenn ich in meiner Kneipe einen Code an der Tür einscanne, oder der Wirt scannt meinen Code? Wie soll der Wirt überhaupt an seinen Code kommen? In der App lässt er sich nicht exportieren.

Und die Gesetzesvorschriften über das Führen von Papierlisten mit den Kontaktdaten der Gäste werden durch das Einführen einer privatwirtschaftlichen App ja auch nicht aufgehoben. Also selbst wenn ein Wirt modern und clever genug ist, den Code an seine Tür zu hängen, muss er danach immer noch Listen auslegen – auch deswegen, weil nicht jeder die App nutzt.

Doch generell verfolgt die App einen guten Ansatz, der hoffentlich von einem größeren Teil der Bevölkerung angenommen wird.

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