Ein Shitstorm ist für viele Firmen das Schreckgespenst des Internets. Der Schaden durch einen Shitstorm kann immens sein und oft hätte er vermieden werden können. GIGA erklärt euch, was ein Shitstorm ist, wie er entsteht und nennt euch ein paar Beispiele.

 

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Wer die englische Sprache grundlegend beherrscht, kann sich die Bedeutung von „Shitstorm“ einigermaßen herleiten. Aber „Scheißesturm“ oder „Sturm aus Scheiße“ beschreibt nicht richtig, um was es geht.

Was bedeutet Shitstorm – früher und heute?

Der Begriff „Shit Storm“ beziehungsweise „Shitstorm“ stammt aus der englischen Sprache und taucht dort das erste mal gegen 1940 in einem Kriegsroman auf. In den nächsten 20 Jahren ist er hauptsächlich in militärischen Erzählungen zu finden und beschreibt Situationen, die unübersichtlich und außer Kontrolle geraten sind. In der deutschen Sprache gibt es dafür das Bild „Die Scheiße hagelt von allen Seiten auf uns ein!“.

Mittlerweile – spätestens seit der Entstehung des Internets – wird damit allerdings eine andere Situation beschrieben. Obwohl diese für die Opfer eines Shitstorms durchaus vergleichbar ist, denn meist ist sie nicht mehr unter Kontrolle zu kriegen und kommt von unendlich vielen Seiten.

Die Shitstorm-Definition der Wikipedia ist da relativ trocken: „Shitstorm bezeichnet im Deutschen das lawinenartige Auftreten negativer Kritik bis hin zur Schmähkritik im Rahmen von sozialen Netzwerken, Blogs oder Kommentarfunktionen von Internetseiten.

Im Grunde ist damit folgendes gemeint:

  • Ein Unternehmen, eine Marke oder eine (meist bekannte) Person äußert sich öffentlich oder tut etwas, das einer großen Menge von Menschen nicht gefällt.
  • Daraufhin suchen sich diese Menschen entweder eine Möglichkeit, diese Person oder Firma öffentlich zu kritisieren oder sogar anzugreifen. In anderen Fällen wollen sie ihr sogar schaden, indem sie etwa ihre Produkte boykottieren.
  • Als Ergebnis tauchen auf einmal sehr viele öffentliche Kritiken und Beschwerden auf, etwa als Kommentare bei Facebook, Twitter, Instagram und Co oder in Foren.
  • Gleichzeitig kann beispielsweise der Absatz bestimmter Produkte oder Marken stark zurückgehen, weil sich Kunden aufgrund der öffentlichen Kritik einem Boykottaufruf anschließen.

Man sollte sich aber auch vor Augen führen, dass viele Shitstorms zwar hohe Wellen schlagen, aber nicht unbedingt berechtigt sind. Es geht bei einem Shitstorm darum, dass sich viele Menschen über etwas aufregen, was ihnen persönlich nicht passt. Das kann durchaus auch eine politische Meinung sein oder – heutzutage – eine wissenschaftliche Aussage.

Wenn etwa der Politiker und Mediziner Karl Lauterbach auf Twitter eine wissenschaftlich fundierte Aussage zur Corona-impfung oder zu Masken macht, kann man sich darauf verlassen, dass das die Horden seiner Gegner auf Twitter und Telegram zum Rotieren bringt. Von Beleidigungen, über Morddrohungen bis hin zu gefälschten Gegenbeweisen sind alle Facetten eines Shitstorms dabei.

Beispiele für Shitstorms

Shitstorms gab es bereits lange vor dem Internet und sie bewirkten oft auch eine Änderung der kritisierten Situationen.

Ein Beispiel: Anfang der 90-er wurde in den USA bekannt, dass der Autohersteller General Motors lebende Schweine in Crashtests einsetzte. Ein Sturm der Entrüstung, ein Shitstorm, war die Folge dieser Bekanntmachung. Doch die weitere Folge war, dass von dem Tag an keiner mehr Autos der Firma kaufte. General Motors beeilte sich, diese Praxis einzustellen und das landesweit zu verkünden.

Das Internet hat die Größe und vor allem Geschwindigkeit der Shitstorms stark erhöht. Da große Unternehmen heutzutage in der Regel auch Social-Media-Auftritte haben oder Support-Foren betreiben, müssen die Teilnehmer eines Shitstorms keinen großen Aufwand betreiben, um ihre Entrüstung öffentlich zu machen. Oft wird das dann in den Medien aufgegriffen, was die Empörungswelle meist beschleunigt.

Einen der größten Shitstorms der letzten Jahre musste der Schlagersänger Michael Wendler erleben: Im Oktober 2012 berichtete RTL über seine rechtliche Auseinandersetzung mit zwei Betreiberinnen eines Wendler-Fan-Cafés auf Mallorca. Noch während die Sendung lief, legte jemand bei Facebook die Seite „100.000 Menschen die Michael Wendler scheiße finden“ an. Zwei Tage später hatte die Seite bereits über 200.000 Fans. Die Medien überschütteten Wendler zusätzlich mit negativer Presse und am Ende gab er den beiden Damen ihr Geld zurück – wozu ihn ein Gericht ohnehin verpflichtet hatte.

Im Jahr 2009 warb Sascha Lobo (jaaa, der mit dem roten Irokesen) für Vodafone. Gleichzeitig setzte er sich für eine Kampagne gegen Netzsperren ein. Das Problem: Vodafone war Unterstützer dieser Netzsperren-Gesetzgebung! Das machte Lobo natürlich unglaubwürdig. Bei Facebook, auf Twitter und auf seinem eigenen Blog hagelten die wütenden und beleidigenden Kommentare auf ihn ein.

2010 fasste er seine Erfahrungen und Erkenntnisse in einem Vortrag auf der res:publica zusammen:

Dort beschreibt er auch, dass gerade der Irrglaube der Anonymität im Internet die Leute dazu bringt, dermaßen auszurasten. Dabei ist es relativ einfach, die Verursacher solcher Beleidigungen ausfindig zu machen. Man kann zwar anonym E-Mails versenden oder anonym bei Google suchen, aber um wirklich anonym an einem Shitstorm teilzunehmen, muss man schon einen ziemlichen Aufwand mit konsequent genutzten VPN-Verbindungen und anonymen E-Mail-Konten betreiben.

Online-Sicherheit und Privatsphäre: Wichtig oder nicht? (Umfrage)

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