Android-Smartphones ohne Google? Die EU spricht ein Machtwort

Johann Philipp 2

Die EU verhängt eine Rekordstrafe von 4,3 Milliarden Euro gegen Google. Die Begründung: illegale Praktiken mit dem Betriebssystem Android. Welche Folgen das Urteil hat und was der US-Konzern dazu sagt.

Android-Smartphones ohne Google? Die EU spricht ein Machtwort
Bildquelle: Flickr/Kham Tran (CC BY 2.0).

Android: EU verhängt Strafe wegen App-Zwang

Google nutze seine Marktmacht beim Android-Betriebsystem aus: Mit dieser Begründung verhängt die EU die Rekordstrafe von 4,3 Milliarden Euro. Das verkündete die EU-Kommissarin Margrethe Vestager auf einer Pressekonferenz. Es ist die höchste Geldbuße, die die Europäische Kommission bislang gegen einen Konzern verhängt hat. Was hat Google falsch gemacht?

„Google hat Android als Vehikel benutzt, um seine Dominanz als Suchmaschine zu zementieren“, sagte Vestager. Damit habe der Konzern seine Markmacht missbraucht. Besonders schwer wiegt allerdings ein weiteres Vorgehen: Google zwingt Smartphone-Hersteller dazu, eigene Apps wie den Chrome-Browser oder YouTube auf den Geräten vorzuinstallieren, wenn sie Android samt Play-Store-Zugang verwenden möchten. Dadurch sei Wettbewerbern die Möglichkeit genommen worden, innovativ und konkurrenzfähig zu sein.

Android ist ein offenes Betriebssystem, das von jedem Hersteller kostenlos verwendet werden kann. Wenn der Hersteller allerdings Google-Apps auf seinem Smartphone haben und Zugang zum Play Store möchte, muss er sich an Googles Regeln halten. Der Marktanteil von Android-Smartphones lag im vergangenen Jahr bei 85,9 Prozent. Konkurrent iOS kommt auf 14 Prozent. Neben dem Zwang, eigene Apps zu installieren, habe Google laut EU-Kommission andere Hersteller auch bezahlt, damit sie ausschließlich die Google-Suche installieren und nicht konkurrierende Anbieter auswählten.

Welche Android-Apps aktuell am beliebtesten sind, erfahrt ihr in unserer Bilderstrecke:

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Top 10: Die aktuell beliebtesten Android-Apps in Deutschland.

Google hat 90 Tage Zeit sein Verhalten zu ändern

Der Internetkonzern kündigte an, gegen die Entscheidung der Kommission Berufung einzulegen. Die EU stellt ein Ultimatum vom 90 Tagen, in denen Google sein Verhalten ändern müsse. Ansonsten drohen weitere Strafzahlungen. Lässt Google nicht bald mehr Konkurrenz auf Android-Geräten zu, werden die Kassen der EU klingeln. Dabei ist es nicht die erste Strafe der EU gegen Google: Bereits 2017 hatte die Kommission schon einmal eine Kartellstrafe von 2,42 Milliarden Euro erhoben.

Sollte Google mit der Berufung scheitern, wird das Geld im EU-Haushalt landen. Für alle Android-Nutzer hat das Urteil vorerst keine Auswirkungen. In Zukunft könnten allerdings deutlich weniger Google-Apps auf dem Smartphone vorinstalliert sein, im Extremfall könnte sogar der Wegfall des Google Play Store drohen.

Quelle: Spiegel Online
Bildquelle: Kham Tran, CC BY 2.0

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