Kopfhörer als Wanze: Malware kann Nutzer sogar ohne Mikrofon abhören

Rafael Thiel

Mit der Sicherheit ist es bekanntlich immer so eine Sache: Eine 100-prozentige Garantie gibt es nicht. Dennoch kann natürlich jeder Nutzer gewisse Vorkehrungen treffen, um sich zu schützen. Dazu zählt neuerdings auch, unbenutzte Kopfhörer und Lautsprecher abzustecken – denn offenbar lassen sich diese jederzeit in leistungsstarke Wanzen umwandeln.

Kopfhörer als Wanze: Malware kann Nutzer sogar ohne Mikrofon abhören
Bildquelle: Toshiyuki IMAI/Flickr.

Diese Erkenntnis teilten Sicherheitsforscher der israelischen Ben-Gurion-Universität des Negev auf dem Usenix Workshop on Offensive Technologies in Vancouver. Demnach können Hacker die Aufgabenverteilung der beiden Audiobuchsen, die ein Computer normalerweise besitzt, tauschen, sodass der Kopfhörerausgang temporär auch als Mikrofoneingang fungieren kann. Dieser Umtausch muss gemäß eines Berichts von Heise sogar zwingend möglich sein, um das Label „Intel HD Audio“ tragen zu dürfen.

Simple Implementation: Malware versteckt sich auch vor Nutzer

Das Team der Ben-Gurion-Universität zeigt in einem Video, dass die umgepolten Kopfhörer sogar noch aus neun Metern verständliche Sprache aufnehmen können. In dieser Beispielimplementation ist zudem ein Schutz gegenüber Entdeckung enthalten: Sobald der Nutzer die Kopfhörer nutzen möchte, wechselt die Malware sofort wieder auf die reguläre Buchsenverteilung.

Die einzige Voraussetzung ist, dass die angeschlossenen Kopfhörer oder Lautsprecher nicht verstärkt sind. Ein Verstärker funktioniert nämlich für gewöhnlich nur in eine Richtung. Dasselbe gilt für Bluetooth-Peripherie, dessen Audioprotokoll ebenfalls keinen Richtungswechsel zulässt. Im Falle regulärer Kopfhörer beispielsweise steht einer Abhöraktion jedoch nichts im Weg. Die Aufnahmequalität ist zwar nicht optimal, schließlich ist die Hardware auf Wiedergabe optimiert, dennoch lässt sich damit bereits ein brauchbares Signal generieren.

Quelle: Usinex/Ben-Gurion-Universität (Paper) via Heise

Zu den Kommentaren

Kommentare zu dieser News

* Werbung