Google Pixel 4 XL im Test: Das iPhone unter den Android-Handys

Peter Hryciuk 4

Google schickt das Pixel 4 XL ins Rennen, um gegen das iPhone 11 Pro und Samsung Galaxy S10 zu bestehen. Das perfekt auf Android 10 angepasste Smartphone versprüht dabei mehr den Vibe eines „iPhones mit Android“ als von einem richtig guten Android-Smartphone. Wieso das so ist, erfahrt ihr im Test von GIGA.

Google Pixel 4 XL im Test: Inhaltsverzeichnis

Google Pixel 4 XL im Test: Erster Eindruck

Google Pixel 4 im Hands-On: Alles, was du wissen musst!

Der erste Eindruck vom Google Pixel 4 und Pixel 4 XL war zwiegespalten. Einerseits wussten wir im Grunde genau, was uns erwartet, andererseits haben wir uns Hoffnungen gemacht, dass Google noch eine Überraschung in petto hat. Im obigen Video erfahrt ihr im Detail, was das Handy mit Android 10 so kann. Im nachfolgenden Test, wie es sich damit in der Realität verhält.

Google Pixel 4 XL bei MediaMarkt kaufen*

Google Pixel 4 XL im Test: Ein iPhone mit Android?

Google orientiert sich beim Pixel 4 XL vom Konzept her mehr an Apple, als an der eigentlich viel wichtigeren Konkurrenz in Form von Samsung und Huawei. Das Pixel 4 ist beispielsweise nicht mit der bestmöglichen technischen Ausstattung erhältlich. Der Prozessor ist schon mehrere Monate alt, mittlerweile gibt es eine schnellere Plus-Version des Snapdragon 855. Es wird nur so viel Arbeitsspeicher und interner Speicher verbaut, wie Google es für richtig hält – das dürfte manchen Nutzer zu wenig sein. Kein großer Hersteller, außer Apple, verbaut in der Königsklasse noch 64 GB internen Speicher. Beim Pixel 4 lässt sich dieser zudem nicht erweitern. Maximal sind sogar nur 128 GB erhältlich. Es handelt sich außerdem nicht um den schnellsten UFS-3.0-Speicher, sondern um eine ältere und langsamere Ausführung. Google hat aus den Fehlern der Vergangenheit einfach nicht gelernt.

Wenn wir das Pixel 4 XL also als „iPhone mit Android“ bezeichnen, dann ist das nicht wirklich positiv gemeint. Google nimmt sich mit Apple einfach ein schlechtes Vorbild. Würden sich die Pixel-Smartphones wie geschnitten Brot verkaufen, würden wir diese Einstellung verstehen. Tatsächlich ist genau das Gegenteil der Fall. Google müsste sich also um jeden Käufer bemühen, die bestmögliche Ausstattung bieten und Funktionen integrieren, die jeder benötigt. Wer sich trotzdem auf ein Pixel 4 XL einlässt und die technischen Eigenschaften ignoriert, könnte positiv überrascht werden – wie ich auch.

Wie gut ist das 90-Hertz-Display des Google Pixel 4 XL?

Google verbaut im Pixel 4 XL ein OLED-Panel von Samsung. Entsprechend gut die Darstellung. Die größte Besonderheit ist die Bildwiederholfrequenz. Diese liegt bei maximal 90 Hertz. Ein Galaxy S10 von Samsung oder iPhone 11 Pro von Apple arbeiten mit 60 Hertz. Der Vorteil ist direkt ersichtlich. Alles wirkt viel flüssiger – wenn die 90 Hertz denn wirklich aktiv sind. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass Google nicht anhand des Inhalts entscheidet, wann das Display mit 60 oder 90 Hertz arbeitet, sondern der Helligkeit. Ist das Display dunkler als 75 Prozent eingestellt, arbeitet der OLED-Bildschirm mit 60 Hertz, darüber mit 90 Hertz. So will Google mögliches Flackern vermeiden.

Wer möchte, kann in den Entwickleroptionen einstellen, dass das OLED-Panel immer mit 90 Hertz arbeitet. Das hat aber nicht nur Vor- sondern auch Nachteile. Einerseits wirkt das Smartphone dadurch in so gut wie jeder Situation absolut flüssig. Anderseits ist der Akku schneller leer. Mit dauerhaft aktiviertem 90-Hertz-Modus komme ich nicht ganz über den Tag.

Auch wenn ich Nachteile bei der Akkulaufzeit wahrnehme, bleibe ich beim dauerhaft aktivierten 90-Hertz-Display des Google Pixel 4 XL. Beim Pixel 4 mit viel zu kleinem Akku würde ich das vermutlich anders sehen.

Einen Nachteil hat das OLED-Display des Google Pixel 4 XL aber. In einigen Lichtsituationen wirkt der Bildschirm mit maximal eingestellter Helligkeit etwas zu dunkel. Die Konkurrenz von Samsung und Huawei macht das besser.

Zweischneidiges Schwert: Die Akkulaufzeit des Google Pixel 4 XL

Das Google Pixel 4 XL ist mit einem 3.700-mAh-Akku ausgestattet. Im Vergleich zur Konkurrenz ist das okay, aber nicht wirklich weltbewegend. Samsung und Huawei verbauen in ihren Plus- und Pro-Ausführungen größere Akkus. Wenn man das Google Pixel 4 XL normal verwendet, kommt man gut über den Tag und hat am Abend noch eine minimale Reserve. Meine Nutzung beinhaltet das Surfen im Netz, Telefonieren, einige Bilder schießen, viel WhatsApp, etwas Slack und ein Spielchen. Ich bin auf eine Display-On-Zeit von etwa 5,5 bis 6 Stunden gekommen. Mit aktiviertem 90-Hertz-Display ist es eine Stunde weniger, was dann kritisch wird. Ich muss das Smartphone also am Abend sicherheitshalber noch einmal aufladen, wenn ich unterwegs bin.

Aufgeladen werden kann das Google Pixel 4 XL im Übrigen ziemlich schnell. In etwa einer Stunde ist es per Kabel wieder voll. Kabellos dauert es etwas länger. Andere Geräte kabellos aufladen, wie es Samsung und Huawei beherrschen, ist hier nicht möglich.

Google Pixel 4 XL ohne Fingerabdrucksensor – wie lebt es sich damit?

Google verbaut im Pixel 4 XL nur „Motion Sense“ und keinen Fingerabdrucksensor mehr. Die Anmeldung am Smartphone und Identifizierung in einigen Apps erfolgt per Gesichtsscan. Das funktioniert wie beim Face ID von Apple – nur etwas intuitiver. Das Pixel 4 fängt nämlich bereits mit der Suche nach dem Gesicht an, wenn man mit der Hand in die Nähe des Smartphones kommt. Schon bevor man das Handy berührt, wird der Entsperrmechanismus gestartet. Erkennt das Smartphone den Benutzer, ist das Handy sofort freigeschaltet. Kein Lockscreen, kein Wischen – man kann sofort loslegen.

Wem das alles zu schnell geht, der kann aktivieren, dass man das Handy nicht sofort entsperrt, sondern den Lockscreen wegwischen muss – wie bei Face ID von Apple. Es gibt zwar hier und da ungewollte Aktivierungen des Pixel 4, insgesamt empfinde ich diese Funktion aber als genial.

Google Pixel 4 XL bei MediaMarkt kaufen*

Ich finde es trotzdem schade, dass nicht doch irgendwo ein Fingerabdrucksensor verbaut ist. Die meisten Apps unterstützen die Identifizierung per „Motion Sense“ nämlich noch nicht. So muss ich mich bei o2 oder der Sparkassen-App wieder mit meinem Passwort, statt per Fingerabdruck anmelden. Das ist ein echter Nachteil. Werden bald alle Apps „Motion Sense“ unterstützen? Vermutlich nicht. Die Technologie kommt bisher nur im Pixel 4 zum Einsatz und das Handy wird sicher kein Bestseller.

Google Pixel 4 XL: Wie schneidet die Dual-Kamera ab?

Das Google Pixel 4 XL ist auf der Rückseite mit zwei Kameras ausgestattet. Es bleibt bei der Hauptkamera mit Weitwinkel, neu hinzugekommen ist das Teleobjektiv. Letzteres unterstützt einen verlustfreien Zweifach-Zoom und kann maximal achtfach digital vergrößern. Dann leidet aber auch die Bildqualität, wie wir im Kamera-Test festgestellt haben:

Bilderstrecke starten(19 Bilder)
Pixel 4 XL im Kamera-Test: Das Google-Handy muss sich beweisen

Google verzichtet im Vergleich zum Pixel 3 beim Pixel 4 an der Front auf eine Dual-Kamera und verbaut auch keinen Superweitwinkel, wie man ihn von Samsung, Huawei und Apple kennt. Laut Google ist ein Teleobjektiv wichtiger. Beides wollte man wohl nicht verbauen. Es würde uns nicht wundern, wenn das beim Pixel 5 folgt. Ein Superweitwinkel hat sich in früheren Smartphone-Tests als sehr praktisch erwiesen.

Wie hoch ist die Performance des Google Pixel 4 XL?

Google hat das Pixel 4 XL für Android 10 entwickelt und perfekt darauf abgestimmt. Demnach darf man davon ausgehen, dass das Smartphone flüssig läuft. In Kombination mit dem 90-Hertz-Display ist das auch oft der Fall – aber nicht immer. Ab und zu kommt es nämlich vor, dass das Smartphone anfängt zu stottern. Oft in der Kamera, ab und zu in der Galerie oder wenn man die Kamera-Funktion in WhatsApp startet. Das hätte ich tatsächlich nicht erwartet. Ich kann nur hoffen, dass das nicht mit der Zeit schlimmer wird und Google vielleicht ein Performance-Update veröffentlicht. Ansonsten arbeitet das Smartphone wirklich sauber und flüssig. Es gehört zu den besten Android-Handys, die ich bisher verwendet habe.

Mir gefällt Android 10 sehr. Viele Funktionen, die ich von Samsung- oder Huawei-Smartphone kannte, sind nun auch beim Pixel vorhanden. In erster Linie natürlich der Dark Mode, den ich bei allen Smartphones immer direkt einschalte. Google hat mittlerweile auch alle wichtigen Apps mit einem Nachtmodus ausgestattet, sodass sich dieser automatisch aktiviert, wenn man den Dark Mode des Betriebssystems verwendet. Das ist wirklich praktisch.

Trotzdem hätte ich mir bei einem Handy, das immerhin 899 Euro kostet, schon gewünscht, dass ich den Snapdragon 855 Plus und nicht den älteren 855 bekomme. Gleiches gilt für den schnelleren UFS-3.0-Speicher und vor allem mehr internen Speicher. 64 GB sind einfach zu wenig. Und selbst 128 GB für 999 Euro sind nicht genug. Apple kann sich so etwas erlauben, Google aber nicht. Ungegrenzten kostenlosen Speicher für Fotos gibt es beim Pixel 4 im Übrigen nicht mehr. Wer seine Bilder in Originalqualität online sichern will, muss dafür auf sein -Google-Drive-Volumen zurückgreifen.

Was kann das Google Pixel 4 XL sonst noch?

  • Google Assistant: Das Pixel 4 ist mit dem neuen Google Assistant ausgestattet, der wie beim Pixel 3 auch über den druckempfindlichen Rahmen gestartet werden kann. In Deutschland ist die intelligentere Version aber leider noch nicht aktiv. Wir müssen uns noch etwas gedulden, bis wir das volle Potenzial ausgeschöpft können.
  • Gestensteuerung: Das Pixel 4 kann durch die Motion-Sense-Sensoren auch ohne Berührung mit Gesten gesteuert werden. Habe ich mehrere Tage ausprobiert, wo ich den Wecker über eine Geste ausschalten wollte. Hat nicht geklappt. Auch das Wechseln eines Tracks in verschiedenen Musik-Apps über eine Geste finde ich nicht intuitiv. Zumal die Gesten selten wirklich korrekt erkannt werden. Eine App, in der man üben könnte richtig zu wischen, fände ich praktisch. Die gibt es aber nicht.
  • Update-Garantie: Für drei Jahre garantiert Google Updates für Android. Da es mit Android 10 ausgeliefert wurde, werden die Käufer vermutlich bis Android 13 versorgt.
  • Stereo-Lautsprecher: Im Pixel 4 sind die Stereo-Lautsprecher zwar nicht mehr an der Front des Smartphones verbaut, sie liefern aber trotzdem einen hervorragenden Klang.
  • Verarbeitungsqualität: Das Pixel 4 ist sicher nicht das schönste Smartphone auf dem Markt, es fühlt sich aber unglaublich gut an. Unser Testgerät ist das schwarze Modell mit glänzender Rückseite. In meinen Augen die langweiligste Version. Trotzdem fühlt sich auch dieses Modell mit dem matten Rahmen aus Metall einfach toll an. Wenn ich die Wahl hätte, würde zur weißen Version greifen.

Google Pixel 4 XL bei MediaMarkt kaufen*

Was fehlt dem Google Pixel 4 XL?

  • microSD-Slot: Der interne Speicher von 64 oder 128 GB lässt sich beim Pixel 4 nicht erweitern.
  • Klinkenbuchse: Kopfhörer lassen sich nur per USB-C oder kabellos per Bluetooth mit dem Smartphone verbinden. Ein 3,5-mm-Adapter oder USB-C-Kopfhörer liegen nicht bei.
  • Benachrichtigungs-LED: Obwohl an der Oberseite eigentlich viel Platz wäre, fehlt eine LED für Benachrichtigungen. Beim Pixel 4 empfinde ich das aber gar nicht so als starken Nachteil. Das Always-On-Display arbeitet nämlich intelligent. Das Smartphone weiß, wenn man sich in der Nähe befindet, und zeigt das Always-On-Display nur dann an. Wenn man sich entfernt, geht das Display aus.
  • Dual-SIM-Slot: Ins Pixel 4 XL lässt sich nur eine Nano-SIM-Karte einlegen. Will man die Dual-SIM-Funktion nutzen, muss man einen Anbieter finden, der eSIM-Tarife anbietet. Dann kann man das Smartphone als Dual-SIM-Handy verwenden.

Google Pixel 4 XL im Test: Das Fazit

Auf das Google Pixel 4 XL muss man sich einlassen wollen. Es ist nichts für Umsteiger von Huawei- oder Samsung-Handys, die unendlich viele Funktionen bieten, in den schillerndsten Farben erstrahlen und technisch auf dem allerneuesten Stand sind. Wer sich für das Pixel 4 XL entscheidet, wählt die Bodenständigkeit. Das Design ist zurückhaltend und funktional. Die Kamera leistet in Alltagsszenarien hervorragende Arbeit, die Performance ist gut und das OLED-Display mit den 90 Hertz in vielen Situationen ein Augenschmaus. Die Gesichtserkennung arbeitet extrem schnell und hat mich nach wenigen Minuten überzeugt. Es ist einfach so angenehm, das Handy in die Hand zu nehmen, und es ist schon freigeschaltet.

Wer sich zu sehr auf die technischen Details des Google Pixel 4 XL fokussiert, kann nur enttäuscht werden. Älterer Prozessor, wenig und langsamer Speicher, unförmige Front und Funktionen, die man eigentlich nicht benötigt, aber bezahlen muss. Es wirkt fast schon wie ein unfertiger Prototyp, den Google heimlich auf die Straße gebracht hat. Und irgendwie mag ich genau das an diesem Handy. Es ist sicher nicht perfekt und etwas zu teuer – aber es hat mich trotzdem irgendwie in den Bann gezogen, sodass ich es weiter nutzen werde.

Google Pixel 4 XL bei MediaMarkt kaufen*

Google Pixel 4 XL: Bewertung

  • Verarbeitung, Haptik und Design: 4/5
  • Display: 4/5
  • Kameras: 5/5
  • Software: 4/5
  • Performance: 4/5
  • Telefonie und Audio: 4/5
  • Speicher: 3/5
  • Akku und Alltag: 4/5

Gesamt: 80 Prozent

Google Pixel 4 (XL): Technische Daten im Vergleich

Google Pixel 4 Google Pixel 4 XL
Display 5,7 Zoll OLED-Panel, FHD+ mit 90 Hertz und HDR-Zertifizierung 6,3 Zoll OLED-Panel, QHD+ mit 90 Hertz und HDR-Zertifizierung
Prozessor Snapdragon 855 + Titan-M-Sicherheitschip
Arbeitsspeicher 6 GB
Interner Speicher 64 GB oder 128 GB (nicht erweiterbar)
Hauptkamera
  • 12,2-MP-Weitwinkel mit f/1.7-Blende, OIS, EIS, Erfassungswinkel von 77 Grad
  • 16-MP-Teleobjektiv mit f/2.4-Blende, OIS, EIS, Erfassungswinkel 52 Grad, 2x-Zoom
Frontkamera & Sensoren
  • 8-MP-Hauptkamera mit f/2.0-Blende und Erfassungswinkel von 90 Grad
  • Nah-Infrarot-Kamera-Emitter
  • Nah-Infrarot-Kamera-Punktprojektor
  • 2 Nah-Infrarot-Kameras
Software Android 10 mit Pixel-Launcher (3 Jahre Updategarantie)
Akku 2.800 mAh 3.700 mAh
Konnektivität WLAN 2,4 GHz + 5,0 GHz 802.11 a/b/g/n/ac 2×2 MIMO, Bluetooth 5.0 + LE, NFC Google Cast, GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo, USB-Typ-C (USB 3.1), eSIM, LTE
Farben Just Black, Clearly White, Oh So Orange (Limitierte Edition mit 64 GB)  Just Black, Clearly White
Maße 147,1 x 68,8 x 8,2 mm  160,4 x 75,1 x 8,2 mm
Gewicht 162 Gramm 193 Gramm
Sonstiges Stereo-Lautsprecher, IP68, Wireless-Charging, Active Edge, Motion Sense

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

* Werbung