Ex-Apple-GPU-Zulieferer Imagination steht jetzt komplett zum Verkauf

Florian Matthey 2

Imagination Technologies sucht nach dem Bruch mit Apple nach einer Perspektive: Der bisherige Zulieferer für GPU-Designs der Apple-ARM-Chips steht jetzt komplett zum Verkauf. Der Fall zeigt, wie abhängig kleinere Unternehmen von Apple sind.

Ex-Apple-GPU-Zulieferer Imagination steht jetzt komplett zum Verkauf

Apple will eigene Chips entwickeln – ohne Imagination

Anfang April verkündete Imagination Technologies, dass der bisherige Kunde Apple sich entschieden habe, in Zukunft eigene Grafikchips entwickeln zu wollen, die Designs von Imagination also nicht mehr benötige. Kurz darauf begann Apple damit, GPU-Designer für einen Standort in Großbritannien zu suchen – wobei es Apple sicherlich auch auf Imagination-Mitarbeiter abgesehen hat, da das Unternehmen in Großbritannien seinen Sitz hat.

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Imagination strebt kompletten Verkauf an

Der Aktienkurs von Imagination stürzte als Reaktion auf die Meldung ab – immerhin war Apple Imaginations wichtigster Kunde. Seit Jahren kommen Imagination-Designs in den Apple-AX-Chips auf ARM-Basis zum Einsatz. Es war klar, dass Imagination mit einer Umstrukturierung würde reagieren müssen. Dementsprechend entschied sich das Unternehmen, sich nur noch auf GPUs zu konzentrieren; die anderen Geschäftsbereiche für Ensigma-Drahtlos-Chips und MIPS-CPUs stehen seit einigen Wochen zum Verkauf.

Jetzt geht das Unternehmen einen Schritt weiter: In einer Pressemitteilung verkündet Imagination, dass der Verwaltungsrat entschieden habe, dass das gesamte Unternehmen von nun an zum Verkauf steht. Es gebe schon Interessenten, wobei sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen lasse, ob und wann es wirklich zum Verkauf kommen werde.

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Ein „Schnäppchen“ für große Chip-Hersteller

AnandTech verweist darauf, dass der Aktienkurs von Imagination nach der Ankündigung wieder gestiegen ist, so dass die Marktkapitalisierung aktuell bei rund 400 Millionen Pfund, also rund 450 Millionen Euro liegt – was allerdings immer noch nur die Hälfte des im März 2017 erreichten Wertes ist. Für potentielle Käufer wäre das Unternehmen also ein Schnäppchen. Das geistige Eigentum und die Expertise von Imagination wären für jeden ARM-Chip-Hersteller interessant; also beispielsweise Qualcomm, Intel, Samsung oder Apple selbst.

Gleichzeitig prüft Imagination immer noch die rechtlichen Konsequenzen der Entscheidung Apples, in Zukunft ohne Imagination Grafikchips entwickeln zu können. Bereits im April hatte sich das Unternehmen skeptisch gezeigt, ob eine Entwicklung von GPUs für ARM-Chips überhaupt möglich sei, ohne geistiges Eigentum von Imagination zu verwenden.

Der Fall demonstriert wieder einmal, über wie viel Marktmacht Apple mittlerweile verfügt – und wie groß die dadurch entstehenden Abhängigkeiten kleinerer Unternehmen sind. Immer wieder ist zu hören, dass Apples Ansprüche dafür sorgen, dass sich Zulieferer auf den einen Kunden konzentrieren müssen. Wenn dieser dann weg bricht, ist es für diese Unternehmen fatal – wobei Imagination offenbar immer noch „Überlebenschancen“ hat.

Quelle: Imagination via AnandTech

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