Samsung: Jetzt vor Nokia größter Handyhersteller der Welt

Philipp Süßmann 11

Es ist das Ende einer Ära: 14 Jahre war Nokia der größte Hersteller von Mobiltelefonen weltweit. Doch der Siegeszug der Smartphones wurde den Finnen zum Verhängnis und zur Erfolgsgeschichte für Samsung. Nun erfolgt die offizielle Ablösung: Die Koreaner sind jetzt der größte Produzent von Handys weltweit.

Samsung: Jetzt vor Nokia größter Handyhersteller der Welt

Zerknirscht wird man heute in Espoo, Finnland diese Nachricht zu Kenntnis nehmen: Nach 14 Jahren an der Spitze muss Nokia dieses Jahr den Thron räumen, der Titel „größter Handyproduzent weltweit“ gehört nun offiziell dem koreanischen Elektrogiganten Samsung. Die Nachricht ist nur die letzte Konsequenz einer Entwicklung, welche schon länger abzusehen war.

Samsung ist in Europa, Amerika und Teilen von Asien bereits länger an der Spitze als größter Hersteller von Smartphones, in anderen Teilen von Asien, Südamerika und Afrika hatte Nokia dagegen lange Zeit noch große Absatzzahlen mit dem Verkauf günstiger Handys, vor allem Feature-Phones erzielt. Samsung hat in den letzten Jahren keine Kosten und Mühen gescheut hat, um im Bereich Smartphones qualitativ an die Spitze zu kommen und mit High-Class-Geräten wie den Samsung Galaxy S-Modellen, aber auch Experimenten wie der Note-Serie, den Markt aufgerollt. Gleichzeitig setzen die Koreaner auf ein breit gefächertes Portfolio, das auch etliche günstige Geräte beinhaltet.

Nokia hat hingegen bislang keine richtige Taktik im Zeitalter des Smartphone-Booms gefunden: Während die Konkurrenz von Samsung und HTC nach dem Meisterstück iPhone das enorme Potential des Smartphone-Konzepts erkannten und sich konsequent auf dieses Marktsegment konzentrierte, ruhte sich Nokia auf seinen Erfolgslorbeeren aus. Der Stern der Feature-Phones ist gesunken, auf dem Feld der Smartphones konnte Nokia nicht mit Pfunden wuchern: Die zu lange währende Konzentration auf das unflexible Symbian als Betriebssystem, die Absage an das viel versprechende Maemo/Meego-OS und die Allianz mit Intel waren Sargnägel für den ehemaligen Gummmistiefel-Hersteller. Schließlich klammerte man sich an Microsofts Windows Phone, das in Version 7 ebenfalls recht wenige Freunde fand. Kurzum: Der Fall Nokia ist ein Lehrstück darin, wie sich ein Weltkonzern durch falsche Businessstrategien selbst am Erfolg hindern kann. Das schlägt sich auch in den Zahlen knallhart nieder: Nokias Marktanteil ist seit 2008 um ein Drittel geschrumpft, 2011 schrieb der Konzern rote Zahlen in Höhe von 1,488 Mrd. Euro, bis 2013 will das Unternehmen bis zu 10.000 Stellen streichen - Erfolg sieht anders aus.

Zahlen des Marktforschungsinstituts IHS iSuppli belegen Samsungs Triumph:

Der Weltmarkt ist gesättigt, was die Verbreitung von nicht-smarten Mobiltelefonen angeht, 2012 wuchs er gerade noch um ein Prozent. Da sieht es bei den Smartphones ganz anders aus: Deren Markt wuchs in diesem Jahr noch einmal um satte 35 Prozent. Samsung könnte den Marktanteil innerhalb eines Jahres von 24 auf 29 Prozent ausbauen, Nokia verlor in diesem Zeitraum deutlich von 30 auf 24 Prozent, in puncto Smartphones erlebt Nokia im Vergleich zu 2011 einen regelrechten Absturz von 16 auf 5 Prozent. Auch wenn sich die Finnen mit dem, im Vergleich zu anderen Windows Phone-Modellen aus eigenem Haus, deutlich stärker nachgefragten Lumia 920 möglichwerweise etwas erholen können - der Weg zurück an die Spitze wird ihnen vermutlich nicht mehr gelingen. Zu groß ist die Dominanz der Android-Plattform, zu gravierend der Nachholbedarf der letzten Jahre, zu hart umkämpft die Branche, wo die Konkurrenz aus Asien immer weiter nach vorne drängt.

Wir sind gespannt, wie lange Samsung den Mobile-Thron innehaben wird und ob bis zum nächsten Machtwechsel wieder 14 Jahre vergehen.

Quelle: iSuppli [via All About Samsung]

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