Kabel statt DSL: So will Unitymedia gegen die Telekom punkten

Janne Hoffmann

Erst Bochum jetzt Frankfurt: Der Kabelnetzbetreiber Unitymedia macht ab Oktober dieses Jahres die Mainmetropole Frankfurt zur zweiten Gigabit-City Deutschlands. Was steckt hinter dem Versprechen und was machen Telekom und Vodafone?

Kabel statt DSL: So will Unitymedia gegen die Telekom punkten
Bildquelle: Unitymedia.

Ab Oktober erhalten 92 Prozent der Haushalte und Unternehmen Frankfurts Zugang zu Gigabit-Datenraten über das Kabelnetz von Unitymedia. Dies teilte der Provider am vergangenen Mittwoch auf dem Hessischen Breitbandgipfel mit.

Realisiert wird das Ganze durch den neuen Übertragungsstandard DOCSIS 3.1, welcher dafür im Kabelnetz eingeführt wird. Überall dort, wo Kunden auf einen Kabelanschluss von Unitymedia zugreifen können, wird ab Oktober die hohe Gigabit-Datenrate von bis zu 1000 Mbit/s möglich sein.

Die Nachteile von Kabel Internet bleiben erhalten

Im Detail wird mit dem neuen Anschluss eine Download-Geschwindigkeit von einem Gigabit pro Sekunde möglich sein. Was zu beachten ist: Die Geschwindigkeit im Upload ist auf lediglich 50 Mbit/s begrenzt. Dies ist im Gegensatz zu der hohen Download-Geschwindigkeit ein recht schwacher Wert.

Dies liegt daran, dass bei der Entwicklung des neuen Übertragungsstandards DOCSIS 3.1 der Schwerpunkt auf dem Download lag und der Upload als weniger wichtig betrachtet wurde. Allerdings laden immer mehr Nutzer immer mehr Daten auch ins Internet hoch, wodurch diese auch höhere Upload-Geschwindigkeiten benötigen. Aus diesem Grund könnte bei einigen Nutzern das Gefühl eines vollwertigen Gigabit-Anschlusses ausbleiben, der eine hohe Geschwindigkeit in beide Richtungen bietet.

Außerdem sollte man bei Kabelanschlüssen nicht vergessen, dass es sich dabei – ähnlich wie im Mobilfunk – um ein „Shared Medium“ handelt. Man muss sich also die zur Verfügung stehende Bandbreite mit anderen Nutzern teilen. Wie stark dieser Effekt auftritt, kommt auf den Aufbau des Kabelnetzes vor Ort an und kann stark variieren.

Die Kosten für den neuen Anschluss liegen für Neukunden in den ersten 24 Monaten bei rund 50 Euro und ab dem 25. Monat bei satten 110 Euro monatlich. Ob tatsächlich viele Kunden bereit sind, einen solch hohen Preis für den Anschluss zu bezahlen, darf bezweifelt werden: Wie erst kürzlich aus einer Umfrage des Bitkoms hervorging, ist der durchschnittliche Kunde lediglich bereit, einen Aufpreis von 14 Euro pro Monat zu zahlen, um einen Gigabit-Anschluss zu erhalten.

Gigabit-Internet: Was macht Vodafone?

Der größte deutsche Kabelnetzbetreiber Vodafone ist in Sachen Gigabit-Internet ebenfalls mit ambitionierten Zielen präsent. Der Konzern teilte auf der CEBIT in Hannover mit, dass man bis März 2019 ganze 70 Städte mit Gigabit-Datenraten über sein Kabelnetz versorgen wolle.

Falls die geplante Übernahme von Unitymedia durch Vodafone gelingen würde, sei das Ziel bis 2022 im dann gemeinsamen Netz insgesamt 50 Millionen Menschen an das Gigabit-Netz anzuschließen.

High-Speed-Internet: Die Telekom hinkt hinterher

Auf Seiten der DSL Anbieter sind Geschwindigkeiten im Gigabit-Bereich aktuell noch weit entfernt. Anfang dieses Monats teilte die Telekom mit, dass ab August mittels Super Vectoring Geschwindigkeiten von 250 Mbit/s beim Herunterladen und 40 Mbit/s beim Hochladen von Daten in Teilen ihres DSL-Netzes möglich sein werden. Preislich liegt der neue Anschluss bei rund 55 Euro monatlich.

Damit wirkt die Telekom erstmal gegenüber den hohen Datenraten der Kabelnetzbetreiber chancenlos. Allerdings sind DSL Anschlüsse kein „Shared Medium“ und somit sollte immer die volle Geschwindigkeit zur Verfügung stehen – also egal zu welcher Tageszeit, wohingegen die Geschwindigkeit im Kabelnetz je nach aktueller Auslastung stark schwanken kann.

Am Ende kann man festhalten, dass Unitymedia zwar tatsächlich im Download Gigabit-Datenraten bieten kann, der Upstream allerdings weit zurückbleibt. Außerdem bleiben die technischen Nachteile von Kabel Internet erhalten. Man wird wohl erst in der Praxis sehen, wie viel tatsächlich vom „Gigabit-Zeitalter“ beim Kunden ankommt.

Quellen: Unitymedia, Bitkom, Caschy’s Blog
Anmerkung: Das Titelbild dieses Artikels zeigt (v.l.): Peter Feldmann, Oberbürgermeister Frankfurt; Lutz Schüler, CEO Unitymedia; Tarek Al-Wazir, Wirtschaftsminister Hessen.

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