Für knapp 22 Euro einen einzigen Film ausleihen, was stimmt nicht mit mir? Doch es gibt einen einfachen Grund für mein dekadentes Verhalten, eine Erklärung, warum ich bei Disney+ den fetten Betrag für den Marvel-Kracher Black Widow kürzlich hinblätterte. Aufklärung verspricht jetzt die aktuelle Ausgabe meiner Wochenendkolumne.

 

Disney+

Facts 

Wer die GIGA-Wochenendkolumne regelmäßig verfolgt, der hat von meiner Begeisterung für das Marvel Cinematic Universe vielleicht schon Kenntnis erlangt. 2020 war für Geeks wie unsereiner ein schweres Jahr, denn nicht nur weigerte sich Marvel-Mutter Disney, den schon fertigen Film „Black Widow“ wenigstens im Streamig zu zeigen, auch sonst gab es aufgrund von Corona keinerlei Nachschub.

Black Widow bei Disney+ für 22 Euro: Ich gönne mir den Spaß

Das aktuelle Jahr hingegen kommt einer Erlösung gleich: Erst am Mittwoch schloss mit Loki die bereits dritte TV-Serie des MCU erfolgreich bei Disney+ ab und letzte Woche startete endlich „Black Widow“ im Kino und auch bei Disney+. Wer schon jetzt daheim die letzten Abenteuer von Scarlett Johanssons Charakter sehen möchte, der muss allerdings tief ins Portemonnaie greifen – knapp 22 Euro für den sogenannten VIP-Zugang. Wer so viel zahlt, der muss nicht extra ins Kino und darf den Marvel-Film auf Disney+ dann 3 Monate eher sehen, bevor der Streifen ins normale Abo-Angebot gelangt.

22 Euro für einen einzigen Film! Wer ist denn so verrückt und zahlt so viel? Tja, Fans wie ich. Für Disney ein lukratives Geschäft, wie aktuelle Zahlen belegen. Bei Disney+ allein hat der Film in den ersten Tagen schon 60 Millionen US-Dollar eingespielt. Dazu kommen noch 80 Millionen US-Dollar durch Ticketverkäufe in den US-Kinos und 78 Millionen US-Dollar aus dem Ausland (Quelle: heise). Obwohl der Film teilweise von Kinobetreibern boykottiert wurde – dazu gleich mehr.

Der Trailer macht Lust auf mehr, Black Widow – ab sofort nicht nur im Kino, sondern auch bei Disney+:

Black Widow: Der finale Trailer

Der Rubel beziehungsweise besser gesagt der Dollar rollt. Die Strategie des zeitgleichen Starts in den Kinos und auf Disney+ zahlt sich aus für den Anbieter. Doch warum bin ich den nun bereit, diesen relativ hohen Betrag zu zahlen?

Meine Kalkulation und meine Erfahrung

Für mich gibt's eigentlich gleich mehrere Gründe. Nummer 1: Der Film interessiert mich brennend, den will ich nicht später sehen. Des Weiteren: Der Preis ist bei genauer Betrachtung gar nicht so teuer. Da, wo ich gerade wohne, gibt's nämlich kein Kino. Das nächstgelegene Filmtheater zeigt „Black Widow“ jedoch nicht, boykottiert den Streifen wohl wie einige andere Lichtspielhäuser auch. Die finden es gar nicht lustig, dass Disney den Streifen zeitgleich im Streaming anbietet.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die Kolumne möchte Denkanstöße liefern und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Eine kleine Auswahl der bisherigen Artikel der Kolumne:

Ich muss also nach Dresden. Ohne Auto muss mich die S-Bahn „chauffieren“. Kostet hin und zurück knapp 14 Euro, dazu kommen noch das Kinoticket und vielleicht noch eine Cola und Popcorn. Unterm Strich kostet mich der Ausflug in die Großstadt mehr als das VIP-Ticket bei Disney+, dazu noch Zeit und wenn ich Pech habe, bringe ich noch was in Virusform mit, trotzt Doppelimpfung. Die Entscheidung ist also klar.

Und, habe ich es bereut? Jein. Wie gerade beschrieben, spricht allein schon die wirtschaftliche Kalkulation für sich. Am Ende vermisse ich aber doch etwas die Zelebrierung des Kinogangs und die damit verbundene Wertschätzung. Daheim ist man letztlich zu sehr abgelenkt, echtes Kinogefühl will da nicht aufkommen – großer Bildschirm hin oder her. Anderseits kann ich mir Black Widow jetzt auch noch mal ungestört im Original ansehen, muss dafür nicht noch mal ins Kino. Letztlich bleibe ich zwiegespalten. Früher oder später wird's auch mich bestimmt wieder ins Kino ziehen. Festzustellen bleibt dabei: Die Bank, äh ... Disney, gewinnt letztlich aber immer.