China-Handys waren und sind irgendwie noch immer das große Ding. Längst haben Xiaomi, Oppo und Co. zu den einstigen Branchen-Riesen Apple und Samsung aufgeschlossen und lassen sie teils sogar zurück. Dennoch beginnt wohl bald das „große Sterben“, denn allein billige Preise reichen nicht mehr. Eine schmerzhafte Lernerfahrung und für mich das aktuelle Thema der Wochenendkolumne.

 

OnePlus: Das Unternehmen hinter den „Flaggschiff-Killern“

Facts 

Ich gebe es gerne offenherzig zu, eigentlich bin ich Apple-Nutzer und bekomme die Neuheiten in der Android-Welt meist nur am Rande mit. Bin aber dennoch aufgeschlossen und verwende sogar eines der besagten China-Handys als Zweitgerät. Dennoch ist die Zeit reif für einen Kommentar von der „Seitenlinie“, denn bei der nun folgenden Betrachtung spielt Apples iPhone letztlich auch noch eine Rolle.

Wie kam es zu den ersten Erfolgen der China-Handys?

Wie nur konnten die China-Handys in verhältnismäßig kurzer Zeit so an Einfluss und Marktmacht gewinnen? Anfänglich gab es nur billige iPhone-Kopien, doch mit der Zeit wurde vor allem die Hardware besser. Verbaut wurden eben nicht nur Teile von der Resterampe, sondern durchaus moderne Prozessoren von Qualcomm und anständige Displays, die sonst eher in Samsung- oder Apple-Handys landen würden. Und wie bekommt man die Leute dazu, derartige „Kraftpakete“ von Herstellern zu kaufen, deren Namen man weder vorher gehört, noch bis heute anständig aussprechen kann?

Nichts einfacher als das, kaufen wir uns doch den Markt indem wird die Dinger zum Selbstkostenpreis abgeben und somit als unschlagbare Preis-Leistungs-Sieger dastehen – dachte man sich. Mit einem derartigen „Geschäftskonzept“ konnten beispielsweise Firmen wie OnePlus schnell an Fahrt gewinnen und galten gleich mal als sogenannte „Flaggschiff-Killer“. Doch was ist davon geblieben?

Im Video – für OnePlus gehts allmählich in die Mittelklasse und damit laut Meinung nicht weniger Beobachter wohl auch in die Mittelmäßigkeit: 

OnePlus Nord CE 5G: Mittelklasse-Handy vorgestellt

Mit jeder Generation wurde der Preisvorteil geringer, die Smartphones aber mehr und mehr austauschbarer. Jetzt gehen OnePlus und Oppo sogar zusammen, sollen aber dennoch irgendwie „unabhängig“ bleiben. Wer es glaubt, fragt man mich, konsolidiert hier Konzernmutter BBK Electronics kurzerhand beide Marken. Auf lange Sicht wird es nämlich wenig Sinn ergeben, beide noch aufrechtzuerhalten. Schon jetzt schaut doch kein Mensch mehr durch, alles derselbe Sch**ß.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die Kolumne möchte Denkanstöße liefern und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Eine kleine Auswahl der bisherigen Artikel der Kolumne:

Billige Preise allein reichen nicht

Es zeigt sich: Billige Preise sind alles andere als nachhaltige Geschäftskonzepte, sie allein garantieren kein Überleben im Haifischbecken der Smartphones. Derartige China-Handys beziehungsweise solche austauschbare Marken sind tatsächlich dem Ende geweiht, es bedarf halt etwas mehr als nur den Rotstift zu zücken.

Huawei beispielsweise war auf einem guten Weg und hatte den Absprung schon geschafft. Einst bekannt für billige Plastikbomber, konnte man sich vor wenigen Jahren an die Spitze kämpfen. Schaffen konnte man diesen Imagegewinn unter anderem mit den besten Smartphone-Kameras, selbst ein iPhone sah da schon mal mächtig alt aus. Raus aus der Billigecke, rein ins Premiumsegment. Hätten die USA unter Trump nicht interveniert, wer weiß, wo Huawei heute schon stehen würde.

Smartphone-Marken aus China ... manche kennt man, manche nicht:

Was ich sagen möchte: Nachhaltiges Markenwachstum erreicht man nicht durch billige Preise, sondern nur durch Alleinstellungsmerkmale. Was uns dann wieder zurück zu Apple bringt. Schon die ersten Anbieter von China-Handys mussten erst schmerzlich lernen, nur wer die Optik des iPhones kopiert, hat noch lange nicht dessen „Seele“ verstanden. Das Betriebssystem (iOS), verbunden mit der Verflechtung der restlichen Apple-Produkte machen das Premium-Handy aus, ein nicht oder nur schwerlich reproduzierbarer Marktvorteil. Preise senken kann doch jeder Depp, etwas wirklich Einzigartiges schaffen dagegen nur wenige Wettbewerber.

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