Handy-Selfies: Google-Forscher beseitigen größten Nachteil

Stefan Bubeck

Riesige Nase und ein Eierkopf: Nicht nur Instagram-Nutzer regen sich über die Verzerrungen auf, die durch die Weitwinkellinsen von Smartphone-Frontkameras verursacht werden. Google-Forscher haben nun einen Algorithmus entwickelt, der das Problem besser beseitigt, als jede andere bekannte Methode. GIGA zeigt euch die Beispielfotos – was haltet ihr davon?

Wer sich mit Fotografie ein wenig auskennt, weiß, dass die Weitwinkelinsen von Smartphones das Motiv stets verzerren. Aber noch immer scheint das nicht jedem Influencer Handy-Nutzer bekannt zu sein. Wenn man bei einem Personenfoto mit der Kamera sehr nah an einem Gesicht ist, dann wirkt beispielsweise die Nase größer. Manche Menschen verunsichert das so sehr, dass sie sogar den Gang zum Schönheitschirurgen antreten, wie das US-Magazin Vox berichtete. Weitere Foto-Probleme sind verzogene Köpfe (am Bildrand) oder schiefe Häuser, die aussehen wie aus Pudding (auch am Bildrand).

Algorithmus: Verzerrungsfreie Weitwinkelportraits auf Handy-Fotos

Eine Gruppe von Forschern bei Google und dem MIT unter der Leitung von YiChang Shih hat sich damit befasst und präsentiert eine überzeugende und vor allem vollautomatische Lösung. In einem wissenschaftliches Papier namens „Distortion-Free Wide-Angle Portraits on Camera Phones“ (PDF) beschreiben sie einen Algorithmus, der die Weitwinkelverzerrungen auf wundersame Weise beseitigt. Die Besonderheit ist, dass im Vergleich zu bereits bekannten Entzerrungsmethoden keine weiteren Artefakte bei der Korrektur entstehen. Gut zu sehen ist das an einem Vergleichsfoto mit der „Samsung Galaxy Face Shape Correction“, die sich etwa auf einem Galaxy S9+ ausführen lässt, dabei aber die Fenster im Hintergrund verbiegt. Der Algorithmus der Forscher lässt sowohl die Gesichter als auch den Hintergrund natürlich wirken:

Das Forscher-Team veröffentlichte zahlreiche weitere Beispielfotos mit Sichtfeldern (FOV) von 70 bis 120 Grad (Link zur Galerie) und ein anschauliches Video auf YouTube. In ihrem Forschungspapier kommen sie aber auch auf einen kleinen Nachteil zu sprechen: Die Methode funktioniert nur, wenn die Kamera des Handys die Gesichterkennung aktiviert hat und alle Gesichter richtig erkennt – ansonsten kann es doch zu Verzerrungen kommen.

Das perfekte Selfie: Bald auf einem Google-Pixel-Smartphone?

Als nächstes möchten sich die Forscher einer vergleichbaren Verzerrungskorrektur bei Weitwinkel-Videos zuwenden. Eine spannende Fragen lassen sie jedoch offen: Wann können wir dieses tolle Software-Feature nutzen?

Nun, da es sich um Google-Wissenschaftler handelt, würde nichts gegen eine baldige Umsetzung der Technologie auf einem Pixel-Handy sprechen. Derzeit verblüfft das Pixel 3a für 399 Euro die Smartphone-Welt mit der besten Kamera der Mittelklasse – vielleicht stattet Google dann ja bereits das Pixel 4(a) mit der überlegenen Weitwinkel-Korrektur aus? Das würde auch die schwer beschäftigten Schönheitschirurgen etwas entlasten.

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