Ring-Trick am Auto: Achtung Entführer! Stimmt das?

Selim Baykara

Wer einen Ring an der Windschutzscheibe seines Autos vorfindet, sollte aufpassen, da er im Visier von Menschenhändler ist. Schaut man sich das unerwünschte „Geschenk“ an, schlagen die Kriminellen zu, um einen zu überwältigen und anschließend zu entführen. Diese Geschichte wird derzeit auf Facebook und anderen sozialen Medien geteilt und sorgt für Verunsicherung. Was steckt dahinter und muss man sich jetzt wirklich Sorgen machen? Wir klären auf.

Video: Hoaxes auf Facebook

Hoaxes auf Facebook.

In den sozialen Medien tauchen von Zeit zu Zeit Geschichten auf, die sich rasend schnell verbreiten und bei vielen Nutzern für Verunsicherung sorgen. Ein besonders beliebtes Thema sind Todesmeldungen von bekannten Persönlichkeiten wie Michael Schumacher, daneben gibt es aber auch viele Gerüchte und Halbwahrheiten, die scheinbar „aus dem Leben gegriffen“ sind und den Leser vor einer bestimmten Sache warnen wollen. Dazu zählt auch die Meldung, die seit Kurzem die Runde macht: Demnach haben Menschenhändler einen neuen bes0nders perfiden Trick entdeckt um ihre Opfer zu entführen.

Die Mutter der Amerikanerin Savannah Ngyuen sollte angeblich mit einem solchen Ring am Auto entführt werden – die Geschichte sorgte Mitte 2016 auf Facebook für einen großen Wirbel.

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Ring an der Windschutzscheibe am Auto: Neuer Trick von Menschenhändlern?

Die Schauermär, die derzeit auf Facebook verbreitet wird, lautet folgendermaßen: Angeblich werden derzeit in Plastikfolie befindliche Geschenkringe, wie man sie teilweise von Juwelieren kennt unter die Windschutzscheiben von Autos geklemmt. Die unwissenden Opfer dieser Masche wolle natürlich wissen, was es damit auf sich hat und schauen nach – genau in diesem Moment schlagen Kriminelle zu, um das Opfer zu überwältigen und zu entführen. Dabei handelt es sich angeblich um professionelle Menschenhändler.

Klemmen Kriminelle wirklich einen Ring unter die Windschutzscheibe?

Eigentlich stammen die Gerüchte über diesen angeblich „neuen Trick“ von Menschenhändlern aus den USA, inzwischen wird aber auch zunehmend in Deutschland darüber berichtet – meistens in einem atemlosen Tonfall, der suggeriert, dass auch DU das nächste Opfer sein könntest, wenn du nicht sehr gut aufpasst.

Diese Panikmache ist unbegründet – in den USA äußerten sich schon verschiedene Polizeibehörden zu dem Fall, z.B. auch das Grand Chute Police Department in Wisconsin. Dabei bezogen sich die Behörden auf den Fall der Facebook-Nutzerin Savannah Nguyen. Diese hatte im Juli 2016 einen Beitrag veröffentlicht, in dem sie beschrieb, wie ihre Mutter fast mit Hilfe eines solchen Ring-Köders entführt worden sei. Die Behörden gaben damals zu Protokoll, dass man den Fall ernst nehme – letztlich konnte aber keine Verbindung zwischen dem Ring und irgendwelchen Menschenhändlerns hergestellt werden. Auch die Aufklärungsseite Snopes berichtete darüber und kam zum dem Schluss, dass die Warnungen auf Facebook und Co. keine wirkliche Grundlage hätten.

Ring-Trick am Auto nur ein Fake?

Ob die ganze Geschichte mit dem Ring am Auto nur ein Hoax ist, kann man derzeit nicht mit 100%iger Wahrscheinlichkeit sagen. Den Angaben der (amerikanischen) Polizeibehörden zufolge ist die Gruselmär aber sehr unwahrscheinlich, da Entführer in der Regel völlig anders vorgehen und zunächst versuchen eine Beziehung zum Opfer aufzubauen. Daneben gibt es weitere Ungereimtheiten:

  • Die Kriminellen betreiben einen unverhältnismäßig hohen Aufwand – für eine Entführung könnten sie auch einfach das Opfer auf dem Weg zum Auto (z.B. durch die Tiefgarage) schnappen und überwältigen.
  • Außerdem können sie nicht sicher sein, wann der Betreffende zurückkehrt und ob er/sie eventuell begleitet wird.
  • Nicht zuletzt besteht das Risiko, dass die Kriminellen den Ring verlieren (der ja auch etwas gekostet hat).

Auch wenn man es nicht zweifelsfrei beweisen kann: Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich hier um einen Hoax, also eine erfundene Geschichte, die gezielt verbreitet wird um Panikmache zu betreiben und Likes und Shares auf Facebook abzugreifen. Solche Geschichten tauchen immer wieder auf, z.B., auch in Zusammenhang mit der angeblichen Betäubungsdroge Burundanga – in 9 von 10 Fällen stellt sich das Ganze letztlich aber als Fake heraus.

Facebook Thumbs Down Banner

Fakes und Hoaxes auf Facebook und Co.

Falls ihr Meldungen wie die Story mit dem „Ring am Auto“ auf Facebook und Co. seht, solltet ihr immer skeptisch sein, da hier extrem oft Unwahrheiten und Übertreibungen verbreitet werden. Prüft bei jeder Nachricht:

  • Wer ist die Quelle der Meldung?
  • Ist diese Quelle seriös und vertrauenswürdig?
  • Berichten auch etablierte Medien (Zeit Online, Spiegel Online etc.), Tageszeitungen und die Fernsehnachrichten über den Vorfall?

Stellt euch zudem selbst die Frage, ob die Nachricht überhaupt Sinn macht: Viele Geschichten auf Facebook wirken zunächst nicht völlig abwegig, sind letzlich aber Blödsinn, wenn man länger darüber nachdenkt. Warum sollten Kriminelle etwa einen Riesenaufwand betreiben und einen Ring unter die Windschutzscheibe klemmen, wenn sie das Opfer auch einfach so zusammenschlagen und entführen können? Wenn eine Nachricht ausschließlich in den sozialen Medien verbreitet wird, könnt ihr zudem mit fast an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es sich dabei um einen Fake handelt.

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