Bei Apple wird die Ware knapp, zumindest kann man sich diesem Eindruck nicht gänzlich entziehen, wenn man in den letzten Wochen und Monaten die Lieferzeiten neuer Produkte bestaunt. Wurde der iPhone-Hersteller nur vom eigenen Erfolg überrascht oder fehlt der Mut ins Risiko zu gehen? Das Thema in der ersten Ausgabe der Wochenend-Kolumne des neuen Jahres.

 

Apple

Facts 

Apple und Lieferschwierigkeiten – ein Klassiker unter den „Lifestyle-Problemen“ der Kunden und mal mehr, mal weniger akut. Bei neuen iPhones gehören lange Wartezeiten in den Wochen nach dem Release ja schon zum „guten Ton“. Auch wenn immer wieder mal der lächerliche Vorwurf der „künstlichen Verknappung“ laut wird, stellt sich am Ende heraus, dass Apple doch wieder Verkaufsrekorde gebrochen und die Konkurrenz das Fürchten gelehrt hat.

Apple hat ein Lieferproblem: HomePod mini und Co. zu stark nachgefragt

Mittlerweile sind aber auch andere, gänzlich neuartige Produkte von der bekannten Knappheit betroffen. Aktuell zu nennen der HomePod mini und die neuen AirPods Max. Da musste und muss man teilweise mehrere Monate warten, bevor man beliefert wird. Derartige Wartezeiten kennt man, wenn überhaupt, nur aus der Automobilbranche und wenn Sony und Microsoft nach Jahren mal wieder neue Spielekonsolen vorstellen. Doch warum kommt es eigentlich zur Knappheit der Apple-Ware?

Die einfache aber unbefriedigende Antwort: Die Nachfrage der Kunden übersteigt das Lagerangebot seitens Apple – der Erfolg ist größer als gedacht. Daher müsste die korrekte Frage dann lauten: Warum hat Apple so wenig von den Geräten im eigenen Lager und warum wird nich genug produziert, damit der Nachschub wieder stimmt? Sicherlich, die bequeme Antwort lautet wie so oft in diesen Tagen: Corona! Und ja, tatsächlich, die Lage bezüglich der Lieferketten schaut im Angesicht der weltweiten Pandemie nicht sonderlich rosig aus. Dennoch ist mir dieser Erklärungsversuch am Ende zu kurz gedacht. Meiner Meinung nach finden wir in einer „Urangst“ Apples einen etwas komplexeren Erklärungsansatz.

Tja, der HomePod mini kostet weniger als ein Apple Pencil, wer konnte denn ahnen, dass der erfolgreich wird? Schauen wir uns das Video dazu mal an:

Apple erklärt den HomePod mini

Die „Urangst“ Apples: Ein volles Lager

Ältere Semester wie unsereins werden sich vielleicht noch erinnern: In den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts hatte Apple ein vollkommen gegensätzliches Problem. Die Lager waren proppenvoll, doch niemand kaufte Apples Rechner. Produziert wurde nicht gesteuert durch die eigentliche Kundennachfrage, sondern wie in der „guten“ alten Planwirtschaft streng nach Forecast und Business Plan. Es war unter anderem diese Unternehmenskultur, die Apple beinahe in den Bankrott trieb. Als Steve Jobs zu Apple zurückkam, war es dann auch diese Lagerproblematik in Verbindung mit einer unsinnigen Produktmatrix, die es galt zu beseitigen. Und es gelang ihm, fortan wurde die sogenannte Lagerreichweite so kurz wie möglich gehalten, CTO (Configure to Order) wurde ein wichtiger Bestandteil im Produktions- und Planungsprozess. Ware die niemand kauft, wollte und konnte Apple nicht mehr vorhalten. Mit Erfolg, wie wir heute ja wissen.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die Kolumne möchte Denkanstöße liefern und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Eine kleine Auswahl der bisherigen Artikel der Kolumne:

Doch ist es diese einstige Befürchtung vor „Lagerleichen“, die Apple dann heute zurückhält auf Risiko zu spielen und einfach mal mehr von neuen Geräten wie dem HomePod mini oder den AirPods Max bereit zu halten? Möglich wäre es schon, denn auch Apple ist nicht unfehlbar und vor Flops gefeit. Wahrscheinlich muss Apple aber gar nicht ins Risiko gehen, schließlich werden die meisten Kunden dann doch warten, bestellen und eben nicht zu alternativen Produkten greifen. So „gut erzogen“ sind die eigenen Käufer und Fans mittlerweile. Ob die Fakturierung nun heute oder erst in einigen Wochen erfolgt, ist doch egal. Kurzum: Apple muss gar nicht mutig sein, vielmehr ist man sehr clever und spart sich halt die Marktforschung. Denn die Kunden stimmen mit ihrer Nachfrage direkt ab, ob das jeweilige Produkt letztlich ein Hit wird.

Hinweis: Die in diesem Artikel geäußerten Meinungen stellen ausschließlich die Ansichten des Autors dar und sind nicht notwendigerweise Standpunkt der gesamten GIGA-Redaktion.