Rundfunkbeitrag abschaffen? Hier sind vier Fragen an die Gegner

Stefan Bubeck 221

„Was ich nicht nutze, bezahle ich auch nicht!“ „Ein überbezahlter Haufen Sesselfurzer!!!“ „Komplett abschaffen, es gibt schließlich Netflix und Amazon!“ – Die „GEZ-Gegner“ stören sich nicht nur am Beitrag, sondern grundsätzlich am System des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks. Von mir aus – aber ich hätte da ein paar unangenehme Fragen.

Rundfunkbeitrag abschaffen? Hier sind vier Fragen an die Gegner
Bildquelle: GIGA.

Neulich hat mein Kollege Kaan Stellung gegen eine drohende Erhöhung des Rundfunkbeitrags bezogen. Wenig überraschend: So eine Aussage ruft auch immer diejenigen auf den Plan, die nicht nur die Höhe des Beitrags kritisieren, sondern das vermeintliche „Staatsfernsehen“ am liebsten komplett abschaffen würden. Wer so radikal denkt, lässt sich wahrscheinlich nicht mehr mit Argumenten zum Nachdenken oder Umdenken bewegen – aber vielleicht mit ein paar Fragen?

Nieder mit dem Rundfunkbeitrag – oder lieber doch nicht?

Hier also vier Szenarien, zwei davon in der Gegenwart und zwei in der Zukunft:

  1. Gegenwart: Du liebst deine Heimat und die Region in der du aufgewachsen bist. Leider gehen Tradition und Brauchtum immer mehr verloren. Also schreibst du dem kalifornischen Headquarter eines US-Streaminganbieters, dass er bitte eine Doku-Reihe über deine geliebte Heimat produzieren soll. Wie wird seine Antwort darauf lauten?
  2. Gegenwart: Du bist der PR-Manager eines Chemiekonzerns, der von dir erwartet, einen aktuellen Lebensmittelskandal zu vertuschen. Nun suchst du eine Redaktion, die gegen eine nette Summe Geld einen beschönigenden TV-Beitrag für dich dreht: Bei welchem Fernsehsender hättest du damit die besten Aussichten? Begründe deine Entscheidung gegenüber deinem Auftraggeber.
  3. Zukunft: Noch bist du vielleicht jung und gesund – aber irgendwann kommt das Alter und wirst schwerhörig: Welcher Medienkonzern lässt dich jetzt nicht eiskalt links liegen und bietet ein umfassendes Programm mit Untertiteln für Hörgeschädigte an, obwohl sich das betriebswirtschaftlich absolut nicht rechnet?
  4. Zukunft: Mal angenommen, der Rundfunkbeitrag wäre wie vieles andere auch eine (einkommensabhängige) Steuer, die direkt in die Staatskasse fließt. Dann hätten wir endlich ein echtes Staatsfernsehen, bei dem die Regierung das komplette Geld und damit das Sagen hat (Vorbild: Nordkorea). Glaubst du, wir kämen dann noch mit 17,50 Euro monatlich davon?

Auch ich mache keinen Freudensprung, wenn der Beitragsservice sich alle drei Monate das Geld vom meinem Konto holt. Ganz im Gegenteil, für die Kohle hätte ich mir auch ein PS4-Spiel oder mehrere gemütliche Taxifahrten gönnen können. Trotzdem bin ich für die Beibehaltung von ARD, ZDF, Arte und Co., denn ich habe die obigen Fragen für mich schon beantwortet. Wie lauten deine Antworten darauf? Ich freue mich über sachliche Beiträge in den Kommentaren.

Hinweis: Die in diesem Artikel geäußerten Meinungen stellen ausschließlich die Ansichten des Autors dar und sind nicht notwendigerweise Standpunkt der gesamten GIGA-Redaktion.

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