Netflix probt den Aufstand gegen Apple – und die Kunden baden es aus

Stefan Bubeck 1

In 33 Ländern – darunter auch Deutschland und Österreich – testet Netflix gerade, wie das Unternehmen die Provisionszahlungen an Apple umgehen kann. Dabei geht es um die Bezahlung des Netflix-Abos über iTunes, wo Apple an jedem Vertrag ordentlich mitkassiert. Was bedeutet das für uns Kunden?

Netflix probt den Aufstand gegen Apple – und die Kunden baden es aus
Bildquelle: Netflix.

Bezahlung via iTunes: Bei Netflix-Abos nicht mehr möglich

Gegenüber der Nachrichtenseite TechCrunch hat Netflix erklärt, dass aktuell ein zweimonatiger „Test“ laufe: In insgesamt 33 Ländern werde es dann nach und nach nicht mehr möglich sein, ein Netflix-Abo innerhalb eines iTunes- oder Apple-App-Store-Account abzuschließen. Wer sich beim kostenpflichtigen Film- und Serienanbieter anmelden möchte, muss seine Bezahlung außerhalb von Apples Ökosystem einrichten. Dazu schickt die Netflix-App den Nutzer auf die Netflix-Webseite im Browser.

Netflix, aber auch vergleichbare Abo-Angebote wie Spotify müssen an Apple im ersten Abo-Jahr 30 Prozent der eingenommenen Gebühr abdrücken, ab dem zweiten Jahr dann 15 Prozent. So entgehen Netflix & Co. jährlich Milliardensummen, die stattdessen in Apples Kassen landen.

Disenchantment ist eine neue Netflix-Serie von Simpsons-Schöpfer Matt Groening (Quelle: Netflix).

Für Kunden ist das ein unbequemer Mehraufwand. Denn was ist simpler, als einfach innerhalb der App ein Abo abzuschließen und mit der im iTunes hinterlegten Bezahlmethode zu zahlen?

Aufstand im App-Store: Netflix ist nicht allein

Netflix sind nicht die ersten, die sich gegen den Giganten Apple auflehnen. Auch Spotify will bei der Zwangsabgabe nicht mitmachen: „Bis vor Kurzem konntest du über das In-App-Zahlungssystem von Apple für Spotify Premium bezahlen. Bei neuen Abonnenten ist das nun nicht mehr möglich. Der Grund hierfür ist die Zusatzgebühr, die Apple auf den Standardpreis aufschlägt. Daher haben wir beschlossen, diese Zwischeninstanz zu umgehen, damit du Spotify günstiger genießt.“ Das ist im Supportbereich von Spotify nachzulesen.

Auch Amazon macht das bei In-App-Käufen der Prime-Video-Apps so: „Derzeit unterstützen die Prime Video-Apps auf iOS und Xbox den Kauf von Inhalten nicht.“ Einen anderen Weg geht Googles neuer Dienst YouTube Premium: Hier werden die Mehrkosten einfach per Preisaufschlag an den Abonnenten weitergereicht. Wer über’s iPhone bezahlt, zahlt mehr.

Rebellion im Ökosystem – wer wird gewinnen?

Laut Apples Richtlinien ist das, was hier passiert, eigentlich nicht erlaubt: Die Anbieter dürfen nicht aus der App auf eine externe Webseite linken, auf der dann kostenpflichtige Verträge geschlossen werden. Das umgeht schließlich das Erlös-System des App-Stores.

Nicht nur bei Apple, auch im Google Play Store wird derweil der Aufstand geprobt. Hier kassiert Google als Bereitsteller der Plattform mit, worauf einige Dienste und App-Anbieter „keinen Bock“ haben. Netflix-Abos lassen sich nicht per Google-Account buchen.

Das sollte man über Netflix wissen:

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12 Fakten über Netflix, die ihr bestimmt noch nicht kennt.

Die Frage ist, wer diesen harten Kampf ums Geld gewinnen wird: Die großen Plattform-Betreiber Apple und Google oder die namhaften Anbieter wie Netflix oder Spotify? Verschärft wird die Situation dadurch, dass Apple zunehmend selbst zum Streaming-Anbieter wird und neben Musik (Apple Music) auch selbst produzierte Videos ausliefert.

Wie schätzt ihr die Lage ein und wer ist im Recht? Schreibt uns in die Kommentare.

Quellen: TechCrunch, Heise

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