Uhren gehen nach: Die Ursache ist im Stromnetz zu finden

Stefan Bubeck 4

Europas Uhren laufen seit Januar nicht mehr richtig, sie hinken bis zu sechs Minuten hinterher. Der etwas kuriose Grund dafür ist im Stromnetz zu finden.

Uhren gehen nach: Die Ursache ist im Stromnetz zu finden
Bildquelle: Getty Images / Elenathewise.

In 25 Ländern Europas können seit Mitte Januar 2018 die Uhren falsch laufen, so der Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber ENTSO-E. Schuld daran ist Stromknappheit und eine politische Unstimmigkeit auf dem Balkan. Aber der Reihe nach.

Nachgehende Uhren im Haushalt: Bis zu sechs Minuten Abweichung

Erstmal ist die Feststellung wichtig, dass die Uhr an der Mikrowelle oder der Radiowecker auf dem Nachtisch nicht unbedingt defekt sind, nur weil sie einige Minuten nachgehen. Dieses Phänomen tritt derzeit europaweit auf und lässt sich praktisch nicht verhindern. Betroffen sind Uhren, die ihre Energie aus der Steckdose beziehen und keinen eigenen Impulsgeber haben, der für die richtige Uhrzeit sorgt. In diesen Fällen wird die Wechselstrom-Frequenz unseres Stromnetzes genutzt: Sie liegt normalerweise stabil bei 50 Hertz, sodass sich etwa die Uhr in der Mikrowelle nach der Frequenz im elektrischen Netz richten kann.

Nun das Problem: Wenn diese europaweit verwendete Frequenz im Stromnetz zu stark abfällt oder zu hoch ist, dann zeigen Uhren in Elektrogeräten eine falsche Zeit an. Genau das passiert gerade – aufgrund von fehlendem Strom ist die Frequenz abgesunken und alle Uhren, die sich daran orientieren, laufen etwas zu langsam. Wer aktuelle Werte möchte, kann diese auf der Webseite der Netzgesellschaft Swissgrid einsehen.

Nachgehende Uhren: Wann wird das behoben?

Hinter dem Stromschwund und dem Frequenzproblem steht laut dem ENTSO-E eine Unstimmigkeit in der Region Serbien/Kosovo. Eigentlich sind alle Betreiber dazu verpflichtet, Schwankungen im Stromnetz auszugleichen – nur passiert das hier offenbar gerade nicht. Wenn keine politische Lösung von Verantwortlichen auf europäischer und nationaler Ebene gefunden wird, dann könnte das technische Problem länger bestehen.

Derzeit kompensiert der Verband die Abweichung, was in den nächsten Tagen und Wochen dazu führen sollte, dass die nachlaufenden Uhren wieder aufholen. Wer also jetzt schon seinen Radiowecker manuell korrigiert hat, muss nach dem Ausgleich des Stromnetzes vielleicht bald nochmal nachstellen, denn dadurch könnte die Uhr bereits vorlaufen. Alle anderen sollten einfach abwarten und sich solange nach anderen Uhren richten.

Nicht betroffen sind nämlich alle Uhren, die sich nach anderen Systemen richten, wie Internet (NTP) oder Langwellenfunk (DCF77). Das Smartphone, der PC oder die Armbanduhr stören sich also nicht an der aktuellen Abweichung im Stromnetz. Der Uhr am Backofen sollte man derzeit aber nicht über den Weg trauen.

Quellen: ENTSO-E, Heise, NZZ

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