Obwohl für Frühjahr 2020 die P40-Reihe erwartet wird, hat Huawei kurioserweise das 2019er P30 Lite als “New Edition“ erneut in den Handel gebracht. Wie es zum Huawei P30 Lite New Edition kam, was daran neu ist und wie sinnvoll diese Neuauflage ist, klären wir im GIGA-Test.

 

Huawei P30 Lite

Facts 
Huawei P30 Lite

Eigentlich könnte ich es mir an dieser Stelle leicht machen: Ein Verweis auf den Test von Kollege Kaan Gürayer, der das P30 Lite bereits im Mai 2019 ausführlich getestet hat, ein paar Anmerkungen zu den Neuerungen – fertig. Die Frage ist nur: Wäre das dem P30 Lite New Edition angemessen? Das will ich im Test herausfinden.

Unser Test-Fazit: Huawei P30 Lite (New Edition)

Das Huawei P30 Lite New Edition lässt mich nach dem Test mit gemischten Gefühlen zurück. Auf der einen Seite möchte ich dem Hersteller zu seinem gelungenen Coup, den US-Boykott geschickt auszuhebeln, gratulieren. Auf der anderen Seite überwiegt dann aber doch der eher mäßige bis ernüchterte Eindruck. Natürlich kann ich Huawei nicht vorwerfen, dass sie – vermutlich im Rahmen der begrenzten Möglichkeiten – nur marginale Änderungen am P30 Lite vorgenommen haben. Entsprechend hat sich an der Bewertung auch nichts geändert.

Gleichwohl stellt sich mir dann erst recht die Frage, wieso das Gerät überhaupt neu auflegen? Die Neuerungen sind kaum der Rede wert und dem neuen Einstiegspreis von knapp 350 Euro nicht angemessen. Zumal das alte P30 Lite weiterhin verkauft wird – und das für 100 Euro weniger.

Mir fällt eigentlich kein triftiger Grund, warum man 100 Euro mehr bezahlen sollte für mehr Speicher – zumal sich das P30 Lite per micro-SD-Karte erweitern lässt. Selbst das P30 Pro, das immer noch zu den besten Kamera-Handys gehört, gibt es reduziert schon für rund 500 Euro. Spart das Geld also lieber, greift alternativ zum gleichstarken P30 Lite oder wartet ab, was uns mit dem kommenden P40 wohl erwartet.

Huawei P30 Lite New Edition

Huawei P30 Lite New Edition

Vorteile:

  • Scharfes, farbtreues Display
  • Hochwertige Verarbeitung, geringes Gewicht
  • Viel Speicherplatz in dem Preissegment
  • Alltagstaugliche Performance
  • Wenige vorinstallierte Apps

Nachteile:

  • Zu hoher Einstiegspreis für im Grunde marginale Neuerungen
  • Mehr Arbeitsspeicher hat keine spürbaren Auswirkungen
  • Weiterhin nur Android 9 vorinstalliert
  • Kamera nur unter optimalen Lichtverhältnissen gut
  • Veralteter Prozessor

Huawei P30 Lite NE: Im Preisvergleich bei idealo

Huawei P30 Lite (New Edition) im Test: Unsere Wertung

  • Verarbeitung, Haptik und Design: 4/5
  • Display: 4/5
  • Kameras: 3/5
  • Software: 3/5
  • Performance: 3/5
  • Telefonie und Audio: 3/5
  • Konnektivität und Speicher: 4/5
  • Akku und Alltag: 4/5

Gesamtwertung: 70 Prozent

Wieso überhaupt ein P30 Lite New Edition?

Bevor wir uns dem Smartphone als solches im Test widmen, gehen wir zunächst einer anderen Frage auf den Grund: Was hat Huawei dazu veranlasst, ausgerechnet das P30 Lite nochmals auf den Markt zu bringen?

Schuld daran ist die Sperre, die die USA vergangenes Jahr erlassen hat und die es Google als US-amerikanisches Unternehmen verbietet, Handel mit Huawei als chinesischen Hersteller zu betreiben. Aufgrund dieser Pattsituation ist Huawei gezwungen, bei neuen Geräten auf sämtliche Google-Dienste zu verzichten.

Huawei-Bann: Was bedeutet das für Kunden?

Zwar kann Huawei weiterhin das quelloffene Android als Betriebssystem installieren. Ohne die wichtigen Google-Dienste wie die Sicherheitspatches und den Play Store ist das für den Nutzer, also uns, letztlich aber wertlos. Denn ohne Google-Login und ohne Play Store gäbe es keine Möglichkeit mehr, auf Huawei-Smartphones Apps auf sicherem Wege zu beziehen. Huaweis Lösung lautet deshalb, ein eigenes Betriebssystem zu entwickeln, namentlich Harmony OS. Wann genau Huawei Harmony OS veröffentlicht und auf welchen Geräten es kommen wird, ist bislang allerdings noch unklar.

Mit dem P30 Lite New Edition verfolgen die Chinesen deshalb einen anderen Ansatz. Sie nutzen dafür ein Schlupfloch in dem Dekret. Der Bann betrifft nämlich nur neue Geräte, die offiziell nach dem Erlass in den Handel kommen. Weil es sich bei dem P30 Lite NE aber eher um eine Modellrevision handelt, bleibt das neue alte P30 Lite von den Einschränkungen unberührt und darf auch 2020 noch mit Google ausgeliefert werden. Gut möglich, dass es damit das – zumindest vorerst – Letzte seiner Art ist.

Nanu, dich kenne ich doch?!

Manchmal begegnet man einer fremden Person und ist sich fast sicher, sie irgendwoher zu kennen. Ein ähnliches Gefühl löst das Huawei P30 Lite New Edition in mir aus. Denn tatsächlich verrät mir nichts an dem Gerät – wirklich nichts –, dass es sich hierbei um Update handelt. Stattdessen gewinne ich den Eindruck, einen alten Bekannten aus dem Karton zu ziehen. Denn die eigentlichen Neuerungen gegenüber dem normalen P30 Lite sind rein technischer Natur. Das Design ist identisch geblieben.

Huawei hat sich bei der Verarbeitung redlich Mühe gegeben, das Design der teureren Modelle so gut wie möglich zu imitieren. Klar, dass das nur bedingt klappt. Vorderseitig fallen die seitlichen Ränder sowie Stirn und Kinn beim P30 Lite NE deutlich auf; auch der aus Kunststoff gefertigte Gehäuserahmen erreicht nicht ganz den haptischen Touch und die glatten Übergänge zu Display und Glasrückseite wie bei den hochpreisigen Geschwistern – die Kanten zwischen Rückseite und Rahmen sind deutlich zu spüren.

Außerdem hebt sich beim P30 Lite NE der Kamerabuckel etwa 1,5 Millimeter von der Rückseite ab. Immerhin, auch bei den hochpreisigeren P30-Geräten konnte Huawei ihn ebenfalls nicht verbergen. Im Buckel finden sich beim P30 NE weiterhin eine Hauptkamera mit 48 Megapixel, ein Ultraweitwinkel mit 8 Megapixel und ein Tiefensensor mit 2 Megapixel für Bokeh-Effekte. Ebenfalls unverändert: der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite, mit dem sich das P30 Lite NE zuverlässig binnen Sekundenbruchteilen entsperren lässt. Optional übernimmt die Gesichtserkennung diese Aufgabe mittels Frontkamera, die in Tropfenform in den Bildschirm ragt.

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Huawei P30 Lite im Kamera-Test: Ein großer Name kann eine Bürde sein

Smartes Mittelklasse-Display

Die Front besteht auch beim P30 Lite NE aus einem 6,15 Zoll großen IPS-LC-Display, das wahlweise in HD+ in 1734 x 810 oder in Full-HD+ in 2312 x 1080 Bildpunkten auflöst. In den Einstellungen lässt sich die Auflösung auf “smart“ stellen, sodass das P30 Lite NE automatisch zwischen den beiden Optionen wechselt, um Strom zu sparen. Einen wirklich Unterschied in der Ausdauer habe ich dadurch aber nicht wahrgenommen.

Mit 415 Bildpunkten pro Zoll liefert das P30 Lite NE trotz Mittelklasse-Ausstattung ausreichend scharfe Bilder und ein breit aufgefächertes Farbspektrum. Schwarzwerte und Helligkeit sind in Ordnung, erinnern mich aber immer wieder daran, dass das OLED-Display des P30 und des P30 Pro dem niedrigen Einstiegspreis den Vortritt lassen musste. Alles in allem leistet das P30 Lite NE auf Bildebene aber gute Arbeit, lediglich in sehr heller Umgebung gerät der Bildschirm an seine Grenzen.

Die erste Neuerung: doppelt so viel Speicherplatz

3,5-mm-Klinkenanschluss für Kopfhörer, USB-C-Port und Mono-Lautsprecher befinden sich am unteren Ende, oben hat Huawei ein zweites Mikrofon sowie den SIM-Karten-Slot mit Doppelfunktion verbaut. Hier habt ihr die Wahl, ob ihr das P30 Lite NE lieber mit zwei SIM-Karten füttern möchtet – oder mit einer SIM- und einer zusätzlichen mirco-SD-Karte. Letzteres ist bei der New Edition allerdings nicht unbedingt nötig, denn – und da kommen wir zur ersten Neuerung – Huawei hat die Speichergröße gegenüber dem 2019er-Modell verdoppelt: von 128 Gigabyte auf 256 Gigabyte internen Speicher.

Huawei P30: Mehr zu SIM-Karten und Speichererweiterung

Das genießt in der Mittelklasse auch 2020 noch Seltenheitswert und ist durchaus beeindruckend, dürfte es dadurch doch nur noch in Ausnahmen zum Speichermangel kommen. Ein technisches Detail am Rande: Im normalen P30 Lite setzte Huawei auf den eMMC-Standard für den Massenspeicher, in der New Edition hat Huawei stattdessen den schnelleren UFS-2.1-Speicher verbaut.

Der Flaschenhals, der die Performance bremst, ist auch beim NE weiterhin der inzwischen gut eineinhalb Jahre alte Mittelklasse-Prozessor. Der achtkernige Kirin 710 lässt Apps und das vorinstallierte Android 9 zwar weitgehend stabil und flüssig laufen. In anspruchsvollen Anwendungen wie Spielen, zum Beispiel PUBG Mobile, kommt es trotz mittlerer Einstellungen immer wieder zu Mikrorucklern und Stottern. Wirklich problematisch oder spielentscheidend sind die technischen Defizite zum Glück nicht, auch die Wärmeentwicklung auf Höhe des Fingerabdrucksensors hält sich unter Volllast im erträglichen Rahmen. Übrigens unterstützt Epic Games das Huawei P30 Lite New Edition nicht; Fortnite könnt ihr auf dem Gerät also vergessen.

2 Gigabyte mehr RAM: spürbarer Unterschied?

Die zweite Neuerung im NE betrifft den Arbeitsspeicher. Statt auf 4 Gigabyte greift das NE auf 6 GB RAM zurück, die die Zugriffszeiten auf im Hintergrund laufende Apps verkürzen soll. Im Test ließ sich hier aber kein spürbarer Unterschied feststellen. Bei mehreren Hardware-hungrigen Apps im Hintergrund halfen auch die 6 GB nichts – oft startete die App dennoch komplett neu, als würde ich sie gerade zum ersten Mal öffnen. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau.

Grundsätzlich leistet die Hardware des P30 Lite NE solide Arbeit. Zumal auch die 3.340 mAh des Akkus nicht für lange Spielesitzungen oder einen Serienmarathon ausgelegt sind. Bei normaler Nutzung schafft das P30 Lite NE problemlos einen Tag, ohne durstig zu werden. Das beiliegende Netzteil bringt den Akku ansonsten in knapp zwei Stunden wieder auf 100 Prozent.

Mogelpackung?

Die dritte und letzte Änderung hat Huawei an der Frontkamera vorgenommen. Ja, richtig, nicht etwa an der Hauptkamera, sondern ausschließlich an der Frontkamera. Diese knipst Selfies fortan mit 32 statt “nur“ mit 24 Megapixel. Zu einem Wow-Effekt führen die zusätzlichen 8 Megapixel aber nicht, erwartet hier kein Foto-Wunder. Die Unterschiede liegen bestenfalls im Detail, denn schon das P30 Lite hat zwar brauchbare, aber keine herausragenden Selfies geschossen. Oder wie Kaan es in seinem Test zum P30 Lite formulierte: “Leicht unscharf, die Farben wirken aber natürlich. Der Fokus müsste allerdings besser auf dem Gesicht liegen.“ Sein Fazit ist beim NE weiterhin zutreffend.

Während die passable Qualität der neuen Frontkamera bzw. der Kamera insgesamt ein valider Kritikpunkt ist, ärgere ich mich tatsächlich noch viel mehr über die Verpackung. Der dort aufgebrachte Sticker kündet nämlich von der “48 MP Triple Camera“ als Feature der New Edition. Die hat das normale P30 Lite aber ebenfalls verbaut. Klar, aus Sicht des Marketing verkauft sich eine “48 MP Triple Camera“ natürlich besser als eine 32-MP-Frontkamera – ich finde es dennoch bewusst irreführend.

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Alternativen zum Huawei P30 Lite NE

Huawei P30 Lite von 2019

HUAWEI P30 lite (2019)

HUAWEI P30 lite (2019)

Aufgrund der marginalen Neuerungen bei einer Preiserhöhung um rund 100 Euro empfiehlt es sich, statt zu dem P30 Lite New Edition lieber zu einer Alternative zu greifen. Immerhin: Die kommen von Huawei selbst. Das „alte“ Huawei P30 Lite kostet über den offiziellen Onlineshop mittlerweile nur noch gut vertretbare 250 Euro. Auf dem Vergleichsportal idealo.de findet ihr das dem P30 Lite New Edition im Grunde ebenbürtige Smartphone sogar noch günstiger. Die Unterschiede bei Speicher und Frontkamera sollten keinesfalls kaufentscheidend sein und lassen sich getrost verschmerzen.

Huawei P30

HUAWEI P30

HUAWEI P30

Das normale Huawei P30 ist ebenfalls über 100 Euro im Preis gefallen. Für knapp 500 Euro erwarten euch eine Triple-Kamera, die in Zusammenarbeit mit Leica entstanden ist und 5-fachen Hybrid-Zoom bietet. Gegenüber dem Lite punktet das P30 zudem mit OLED-Display, stärkerem Prozessor und einem Fingerabdrucksensor unter dem Display.

Huawei P30 Pro

HUAWEI P30 Pro

HUAWEI P30 Pro

Immer noch vergleichsweise teuer ist das Huawei P30 Pro, das mit seinen vier Objektiven und dem 10-fachen Hybrid-Zoom zu einem der besten Kamera-Smartphones 2019 avancierte. Oder um unser Fazit aus dem Test zu zitieren: “Bei diesem Handy dreht sich im Grunde alles um die Leica-Quad-Kamera, die tolle Bilder macht und einen unerreichten Zoom besitzt.“

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