Super-Wanze WhatsApp: Man kann es auch übertreiben!

Sebastian Trepesch 32

„Wie die ‚Super-Wanze‘ Whatsapp die Privatsphäre aushöhlt“ – so überschrieb die WAZ ein Interview zu dem Messenger. Was ist dran, an den Spähvorwürfen?

Super-Wanze WhatsApp: Man kann es auch übertreiben!

In einem Interview warnt „Experte und EDV-Dozent“ Stefan Löffelbein gegenüber der WAZ vor der Nutzung von WhatsApp. Seiner Ansicht nach bezahle der Nutzer den Dienst mit der „Preisgabe sehr persönlicher Vorlieben“: „Die App kann Gespräche und Telefongespräche mitschneiden, sie kann Fotos einsehen, mit dem aktuellen Standort versehen und hochladen“, so Löffelbein. Die Daten würden auf amerikanische Server übertragen. Die Nutzer tragen demnach eine „Wanze“ am Körper.

Ist WhatsApp eine Super-Wanze?

In der Tat verlangt der Messenger viele Freigaben, auf Fotos, Mikrofon, Adressbuch und mehr. Als Wanze kann der Messenger dennoch nicht funktionieren.

In den iPhone-Einstellungen legt der Nutzer fest, welche Befugnisse eine App bekommt. Wer Angst hat, abgehört zu werden, untersagt den Zugriff auf das Mikrofon. iOS 7 stellt dann WhatsApp die Schnittstelle nicht zur Verfügung. WhatsApp-Sprachnachrichten sind dann natürlich auch nicht möglich.

WhatsApp Datenschutz: Mikrofonzugriff

Aber selbst wenn WhatsApp die Erlaubnis hat, auf das Mikrofon zuzugreifen, kann es nicht im Hintergrund unbemerkt als Wanze dienen. iOS 7 zeigt oben am Bildschirm an, wenn eine App im Hintergrund auf das Mikrofon zugreift.

Android ist weniger restriktiv als iOS 7. Doch auch für Googles Betriebssystem können wir (inklusive Kollegen von GIGA ANDROID) nicht nachvollziehen, wie WhatsApp als Wanze fungieren soll. Selbst wenn es möglich sein sollte, könnte das nicht geheim bleiben: Aufmerksame Nutzer würden einen deutlich gestiegenen Datenverbrauch von WhatsApp erkennen und ihren Fund mit uns teilen.

Dass sich eine App selbständig am Fotoalbum von iOS 7 bedienen darf (so ist zumindest die Aussage von Löffelbein zu verstehen), ist mir ebenfalls neu – und nicht glaubwürdig.

Oder gibt es Sicherheitslücken in den mobilen Betriebssystemen, die nur WhatsApp und Herr Löffelbein kennen? Wohl kaum. Deshalb ist seine Warnung wenig nachvollziehbar: „Es gibt ja viele persönliche und vertrauliche Gespräche unter Freunden, in der Familie oder zwischen Ärzten und Patienten, und hier soll jeder wissen, dass ‚WhatsApp‘ mithören kann“, so Löffelbein.

Angesichts der technischen Fakten ist diese Aussage reine Panikmache.

Nächste Seite: Warum Löffelbein trotzdem nicht ganz unrecht hat
und: Wo die echten Gefahren liegen.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu dieser News

Weitere Themen

* Werbung