Erst war es nur ein Gerücht, jetzt ist es beinahe offiziell: Intel setzt bei seinen neuen Prozessoren, die normalerweise bislang nur bei Smartphone-Chips Anwendung findet. Doch macht die Integration der Handy-Technologie wirklich Sinn? 

Update vom 22.07.2020: Nachdem bereits darüber gemunkelt wurde, ob Intel bei seinen kommenden Alder-Lake-S-Prozessoren auf eine Konstruktion mit „großen“ und „kleinen“ Rechenkernen setzt, scheinen wir nun Gewissheit zu haben. Wie VideoCardz berichtet, hat Intel einen Linux-Patch veröffentlicht, dessen Codezeilen klar machen, dass es sich bei den im nächsten Jahr erscheinenden Chips im Hybrid-Prozessoren handelt.

Dabei scheint es sich bei den „kleinen“ Rechenkernen um Atom-Prozessoren zu handeln, die üblicherweise in kompakten und günstigen Rechenmaschinen zum Einsatz kommen – und deren Stromverbrauch weiter unter dem normaler Desktop-Prozessoren liegt.

Originalartikel:

Intel Alder Lake: Neue Prozessoren setzen auf „kleine“ und „große“ Kerne

Obwohl mit Comet Lake-S erst kürzlich eine neue Chipgeneration von Intel an den Start gegangen ist, gibt es bereits jetzt schon zahlreiche Leaks und Gerüchte zu den neuen Prozessoren des Herstellers. Alder Lake soll zwar erst in zwei Jahren an den Start gehen, erste Infos zu den übernächsten Desktop-Chips sind jedoch schon jetzt vorhanden. So ist etwa bereits bekannt, dass Intel eine alte Marotte beibehalten wird, die Kunden nicht schmecken dürfte.

Doch auch weitere Änderungen stehen ins Haus. Wie wccftech berichtet, scheint sich Intel ein besonderes Feature der ARM-Chips abgeguckt zu haben, die vor allem in Smartphones zum Einsatz kommen: Die „big.LITTLE“-Architektur. Dank dieser Design-Philosophie ist es Smartphones-Prozessoren möglich, bei leistungshungrigen Anwendungen ordentlich Performance zu liefern und dennoch eine gute Akkulaufzeit zu erreichen.

Um das zu schaffen, verbaut man in den ARM-Chips „große“ und „kleine“ Rechenkerne. Bei den „großen“ handelt es sich um leistungsstarke Varianten, die besonders schnell takten können, aber auch einen entsprechend hohen Stromverbrauch haben. Doch in den meisten Fällen benötigt ein Smartphone nur ein Bruchteil dieser Leistung. Genau dann kommen die „kleinen“ Rechenkerne zum Einsatz, die niedriger takten und deren Stromverbrauch weit unter dem der großen Brüder liegt. Je nach Anwendungsfall und Leistungsbedarf kommen die unterschiedlichen Cluster zum Einsatz.

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Starke und schwache Rechenkerne in neuen Intel-CPUs: Aber warum?

Und genau das scheint Intel auch mit Alder Lake zu planen. Die übernächste Chipgeneration soll ebenfalls mit leistungsstarken auf der einen und stromsparenden Rechenkernen auf der anderen Seite bestückt sein. So geht man etwa davon aus, dass einer der neuen Chips auf 8 starke und 8 schwache Rechenkerne zurückgreifen kann. Die Frage ist nur: Warum?

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Zwar würde sich der Stromverbrauch der Rechner wahrscheinlich auf diese Weise etwas reduzieren lassen, da Desktop-PCs in der Regel aber nicht an einem Akku sondern an einer ständig verfügbaren Stromquelle hängen, macht diese Überlegung nur bedingt Sinn. Einige Leute werden sich sicherlich darüber freuen, wenn der Betrieb ihres Gaming-PCs die Stromrechnung nicht mehr so extrem in die Höhe treibt – ein praxisnaher Nutzen erschließt sich uns für den Betrieb im Desktop bislang jedoch noch nicht.