Gegenangriff aus China. Da sich das Land der Mitte möglichst zeitnahe von westlicher Technologie trennen will, forscht man bereits seit geraumer Zeit an eigenen Chips. Nun mit im Boot: Huawei. Die Smartphone-Koryphäe hat eine CPU im Portfolio, die es anscheinend mit dem ehemaligen Flaggschiff-Chip von Intel aufnehmen kann. Doch ganz fair ist dieser Vergleich nicht, wie sich zeigt.

 

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Neuer Huawei-Prozessor setzt auf 24 Kerne und ARM-Architektur

Wer sich einen neuen Rechner zusammenstellt, steht aktuell beim Prozessor vor der Wahl zwischen AMD und Intel. Doch das könnte sich bald ändern. In China forscht man bereits seit einigen Jahren an Alternativen. Kein Wunder, schließlich hat sich die Regierung das sportliche Ziel gesetzt, innerhalb der nächsten 3 Jahre komplett auf „regionale“ Technik umzusteigen.

Bereits in der Vergangenheit berichteten wir unter anderem über das Unternehmen Zhaoxin, welches an neuen x86-Prozessoren arbeitet und diese auch vertreibt. Nun scheint es aber einen weiteren Stern am CPU-Himmel zu geben: Huawei. Wie PCGamesHardware berichtet, wurde nun ein neuer PC-Prozessor des chinesischen Smartphone-Herstellers gesichtet, der es in sich haben soll. Laut den Angaben erreicht dieser in Multi-Core-Anwendungen in etwa das Leistungsniveau des Intel Core i9-9900K, dem Flaggschiff-Prozessor der letzten Generation.

Wer jedoch einen Blick auf die Kernanzahl des Huawei-Chips wirft, kann sich dieses Unentschieden problemlos erklären. Denn während der Intel-Prozessor lediglich 8 Rechenkerne bietet, kommen im Pendant von Huawei gleich 24 zum Einsatz. Doch es gibt noch mehr Unterschiede zwischen den beiden Prozessoren. So setzt Intel auf die klassische x86-Architektur, während Huawei beim sogenannten Kunpeng 920 3211K auf ARM setzt. Diese Architektur kommt normalerweise in Smartphone-Prozessoren oder bei den Chips des Raspberry Pi zum Einsatz.

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Auch die Taktraten der beiden Systeme unterscheiden sich stark voneinander. Während der i9-9900K im Boost mit bis zu 5 GHz taktet, ist beim Huawei-Prozessor bereits bei 2,6 GHz das Maximum erreicht. Die Single-Core-Leistung dürfte also deutlich hinter dem des Intel-Chips liegen – und das, obwohl Huawei den Prozessor bei TSMC im 7-nm-Verfahren herstellen lässt.

Huawei mit dem Rücken zur Wand: Steht der Prozessor bald wieder vor dem Aus?

Frei erhältlich scheint der China-Prozessor noch nicht zu sein – auch nicht im Heimatmarkt. Stattdessen werden die CPUs in fertigen Desktop-Systemen verbaut, in denen auch 8 GB RAM, eine 512 GB große SSD von Samsung und eine AMD Radeon 520 zum Einsatz kommen.

Huaweis größtes Problem: Der Handelsstreit mit den USA. Aufgrund der Auflagen darf Chiphersteller TSMC schon bald keine Prozessoren mehr an Huawei liefern. Das Unternehmen müsste dann auf Alternativen aus dem Heimatland ausweichen, deren Technologie jedoch noch nicht so fortgeschritten ist – und das dürfte sich letzten Endes auch bei der Leistungsfähigkeit der Chips bemerkbar machen.

Wird in ein paar Jahren vielleicht Huawei unsere Top 10 dominieren?

Intel und AMD dürfen also noch einmal aufatmen. Aufgrund äußerer Umstände dürfte es wohl noch ein paar Jahre länger dauern, bis aus China ein ernst zu nehmender Konkurrent wird. Im Auge sollte man die Entwicklung im Reich der Mitte jedoch trotzdem behalten.