iPhone 11 Pro im Test: Der Unterschied zwischen Brauchen und Wollen

Stefan Bubeck 14

Apples Smartphone-Spitzenklasse wurde 2019 mit dem Namenszusatz „Pro“ für „Professional“ versehen: iPhone 11 Pro und iPhone 11 Pro Max. GIGA-Redakteur Stefan hat das kleinere iPhone 11 Pro ausgiebig getestet.

iPhone 11 Pro im Test – Niemand braucht es!

Für alle, die Apples Produkte nicht auswendig kennen, vorab eine kleine Einführung: Das von mir getestete iPhone 11 Pro, das uns freundlicherweise Telefonica leihweise zur Verfügung gestellt hat, ist der Nachfolger des iPhone XS (2018), welches wiederum der Nachfolger des iPhone X (2017) ist. Die drei Generationen sind auf den ersten Blick von vorne praktisch nicht zu unterscheiden. Erst die Rückseite gibt eindeutigen Aufschluss, denn das iPhone 11 Pro ist mit einem markanten Kameramodul ausgestattet, das drei Linsen beherbergt – ein Novum bei Apple-Handys. Diese Eigenschaft teilt sich das iPhone 11 Pro mit dem größeren iPhone 11 Pro Max.

iPhone 11 Pro im Test: Fazit

Du brauchst es nicht. Ich brauche es nicht. Keiner braucht es.

Aber wir alle wissen ja: „Brauchen“ und „Wollen“ sind zwei Paar Schuhe – da muss man schon ein wenig differenzieren, nicht wahr? Nun: Gründe dafür, ein iPhone 11 Pro zu wollen, davon gibt es mehr als genug. Immerhin ist es das aktuelle Spitzenmodell von Apple. Der größere Bruder „11 Pro Max“ bietet im Wesentlichen die gleiche Leistung, garniert mit einem größeren Display – wer es also kompakter mag, den wird das „11 Pro“ mit 5,8 Zoll Display-Diagonale in seinen Bann ziehen.

So auch bei mir geschehen: Nach zwei Jahren iPhone 8 im Dauergebrauch ist der Wechsel auf das iPhone 11 Pro ein faszinierendes Erlebnis, das ich in einem eigenen Artikel ausführlich beschrieben habe. Das 2019er-Flaggschiff zeigt in jedem Bereich signifikante Verbesserungen, die ein Upgrade von einem 2017er-iPhone für viele Nutzer rechtfertigen. Das iPhone 11 Pro stellt nicht nur innerhalb der Apple-Welt die Krone der Schöpfung Produktpalette dar – es kann sich auch locker mit jedem Android-Gegenspieler messen und die besten Vertreter (z.B. Samsung Galaxy S10, Google Pixel 4, Huawei P30 Pro) in einigen Punkten klar schlagen (außer beim „Hertz-Schlag“, dazu unten mehr).

Ein Vorzeigestück des iPhone 11 Pro ist das fantastische OLED-Display mit seiner präzisen Farbdarstellung und einer im Vergleich zu Vorgängermodellen nochmals erhöhten maximalen Helligkeit. Der Bildschirm bildet ein perfektes Team mit der 12 MP Dreifach-Kamera (Weitwinkel, Ultraweitwinkel und Tele). Wenn ich beispielsweise meine Hand unter Kunstlicht fotografiere (Weitwinkel, „Hauptkamera“) und mir das Ergebnis sofort auf dem Handy anschaue, dann liegen die meisten Geräte (z.B. auch das iPhone 8) oft einen Hauch daneben, was die Farbdarstellung und Helligkeit angeht. Das iPhone 11 Pro trifft meinen Hautton hingegen viel besser, Original und Fotografie (auf dem Display) sehen fast aus wie Klone. Das bedeutet, dass Apple das technisch anspruchsvolle Kunststück vollbringt, Motive farblich korrekt einzufangen und farblich korrekt wiederzugeben – mit einer so hohen Treffsicherheit, wie ich sie noch nie zuvor erlebt habe.

Überhaupt, diese Kamera: Die Ultraweitwinkel-Linse ist ein netter Bonus, um mehr vom Motiv einzufangen – das kostet allerdings ein wenig Schärfe und führt zu Verzerrungen. Der 120 Grad Betrachtungswinkel macht aber trotzdem Spaß und kann durchaus nützlich sein. Das Tele (2-fach optischer Zoom) ist ein entscheidender Unterschied zum iPhone 11 (ohne „Pro“) und soll ambitionierte Smartphone-Fotografen überzeugen. Ich persönlich habe nicht darauf gewartet, aber die Ergebnisse können sich durchaus sehen lassen. Mein Kollege Sebastian hat die Kameras der Rückseite ausführlich begutachtet, unter anderem auch den neuen Nachtmodus:

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iPhone 11 und 11 Pro im Kameratest: So gut sind die neuen Apple-Smartphones wirklich

Die Qualität von Videos (bis zu 4K/60 FPS/erweiterter Dynamikbereich) ist überragend: Scharf, farbstark, sehr gut stabilisiert – für Ottonormalverbraucher ersetzt das iPhone 11 Pro problemlos eine separate Videokamera. Sogar auf einen Gimbal kann in vielen Fällen verzichtet werden, so effektiv ist die optische Bildstabilisierung: Im Gehen mit einer Hand Filmen führt zu absolut brauchbaren Ergebnissen.

Kamera und Display sind zwar die herausragenden Merkmale, aber auch der Rest dieses Smartphones ist nicht von schlechten Eltern. Die Verarbeitung ist top, das Design klassisch-elegant (anderes Wort für angestaubt) und die Akkulaufzeit alltagstauglich (1 Tag ist immer drin, bei moderater Nutzung auch 2), sogar der Lautsprecher klingt für ein Handy wahnsinnig gut. Und an dieser Stelle komme ich zum eigentlichen Problem des iPhone 11 Pro, das wie ganz oben auf den Punkt gebracht „keiner braucht“.

Das Problem, der Widersacher, die Nemesis – der Erzfeind des iPhone 11 Pro kommt nicht von außerhalb aus den Weiten des Android-Universums. Nein, er kommt aus den eigenen Reihen: Es ist das iPhone 11 – die etwas größere, aber deutlich günstigere Alternative mit zwei Kameralinsen und LC-Display. Apple hat mit dem iPhone 11 Pro zwar ein rundum gelungenes Handy auf den Markt gebracht – aber bietet dem iPhone 11 zugleich ein fast genau so gutes Gerät für 350 Euro weniger an – das war womöglich ein Fehler. Jeder Apple-Nutzer, der über ein Upgrade nachdenkt, sollte über den „Was-brauche-ich-wirklich“-Gedankengang beim normalen 11er und nicht beim „Pro“ landen. Wir werden sehen, was die Verkaufszahlen sagen, ich habe da schon eine Vorahnung.

Zum Kauf eines iPhone 11 Pro will ich dir also nur raten, wenn du dich selbst zur Fraktion „Wollen“ zählst. Dieses Handy weckt nicht nur Begehrlichkeiten und hohe Erwartungen – es kann die meisten davon auch erfüllen oder sogar übertreffen. Und da in den Sphären des Wollens der Faktor Geld nur eine untergeordnete Rolle spielt, empfehle ich mindestens die Ausstattungsvariante mit 256 GB Speicher (ca. 1.300 Euro), damit auch langfristig keine Enttäuschung entsteht. Alle anderen holen sich vernünftigerweise das iPhone 11 (128 GB, ca. 840 Euro) oder ein Vorgängermodell. Wer nur Telefonieren will und gelegentlich WhatsApp benutzt, holt sich ein Wiko für 100 Euro und hätte sich all diese Zeilen hier sparen können – und da sind wir schon wieder bei „Brauchen“ und „Wollen“, den vielleicht wichtigsten Begriffen in der Welt der TECH-Gadgets.

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iPhone 11 Pro im Test: Wertung

  • Verarbeitung, Haptik und Design: 4/5
  • Display: 5/5
  • Kamera: 5/5
  • Software: 4/5
  • Performance: 5/5
  • Telefonie und Audio: 5/5
  • Konnektivität und Speicher: 4/5
  • Akku und Alltag: 4/5

Gesamtwertung: 90 Prozent

 

 

iPhone 11 Pro im Test: Das hat uns gut gefallen

  • Apples iPhones waren schon immer mit vergleichsweise schnellen Prozessoren ausgestattet, das ist auch beim iPhone 11 Pro der Fall. Der hauseigene A13 Bionic ist der aktuell schnellste Chip, der überhaupt in einem Handy zu finden ist und bietet Reserven für mehrere Jahre. Bei der Nutzung heißt das: Alles geht flott und flüssig vonstatten. Aufwendige Prozesse (Bildnachbearbeitung) passieren scheinbar mühelos im Hintergrund – mehr kann man sich hier im Moment nicht wünschen.
  • Die drei Kameras auf der Rückseite sind sehr gut, man wird aktuell kein Handy auf dem Markt finden, das das iPhone 11 Pro in den Disziplinen Foto und Video klar abhängt. Eher ist es andersrum: Das Apple-Flaggschiff schafft nicht nur bedeutenden Abstand zu den eigenen Vorgängern, sondern auch zu allen Android-Geräten aus den Vorjahren. 2019 war aus Kundensicht mit Blick auf Kameratechnik in Handys ein gutes Jahr, man hat eine tolle Auswahl an leistungsstarken Smartphone-Knipsen. Das iPhone 11 Pro ist hier ganz vorne mit dabei.
  • Der Nachtmodus beim Fotografieren schaltet sich in dunklen Szenen optional ein und hellt diese mit allerlei Software-Magie auf. Die Ergebnisse überzeugen: Details bleiben gut erhalten, der Nachthimmel wird aussagekräftig wiedergegeben, das Bildrauschen effektiv in Schach gehalten. Solche Fotos können zuweilen künstlich wirken, allerdings finde ich das beim iPhone 11 Pro seltener den Fall als etwa beim Google Pixel 3.
  • Der Blickwinkel der Frontkamera wurde ein wenig erweitert. Das bedeutet, dass bei Selfies jetzt mehr Menschen besser aufs Bild passen. War ja auch echt mal Zeit dafür. Die Qualität der Aufnahmen ist gut und meist recht natürlich.

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  • Videoaufnahmen profitieren von der Bildstabilisierung, auch bei 4K-Aufnahmen.
  • Das OLED-Display des iPhone 11 Pro ist einfach nur „Wow“, um es mal kurz zu fassen. Da stimmt einfach alles – bis auf eine Kleinigkeit vielleicht, aber dazu komme ich noch.
  • Die Akkulaufzeit des iPhone 11 Pro ist gut, ich habe bei moderater Nutzung in einem Versuch 48 Stunden ohne Steckdose überstanden – mehr dazu in meinem Vergleich mit dem iPhone 8. Zum Prädikat „Akkuwunder“ reicht es aus meiner Sicht nicht, aber man hat definitiv nicht das Gefühl, der Akku könnte irgendwo zwischen Aufstehen und Schlafengehen schlapp machen.
  • Die Verarbeitungsqualität des iPhone 11 Pro ist keine Überraschung: Das aus mattiertem Glas (Rückseite) und Edelstahl (Rahmen) bestehende Handy hat nicht den geringsten Makel und könnte vom Juwelier stammen. Apple hat es immer noch drauf.
  • Der Klang aus den Lautsprechern ist super, man glaubt manchmal kaum, was da an sattem Stereo-Sound aus dem Handy kommt. Wenn man bei einem Film mit Surround-Effekten ganz nah an das iPhone 11 Pro rangeht, dann erlebt man sogar eine Art Raumklang – das ist zumindest abends im Bett ein nettes Gimmick.
  • Zum Lieferumfang gehört der 18W USB‑C Power Adapter (Netzteil), mit dem der Akku des iPhone 11 Pro schnell aufgeladen werden kann. Wireless-Charging mit einer wird übrigens auch unterstützt.
  • Das Betriebssystem iOS, die mitgelieferte Software, der kuratierte App-Store und das wegweisende Zusammenspiel mit anderen Apple-Produkten (iPad, HomePod etc.) bleiben weiterhin wichtige und richtige  Argumente für den Kauf eines iPhones. Auch dafür, dass es deutlich mehr kostet, als ein rein technisch vergleichbares Xiaomi-Handy. Wobei …

Das hat uns am iPhone 11 Pro nicht so gut gefallen

  • … das aktuelle iOS 13 bestimmt nicht den besten Start aller Zeiten hingelegt hat. Einige kleine und große Bugs führten zu (glücklicherweise) schnell nachgeschobenen Updates. Ich war während des Tests die meiste Zeit mit den Versionen 13.1.2 und 13.1.3 unterwegs – und nicht immer ganz zufrieden damit. So stieß ich auf unerklärbar leere Webseiten in Safari oder musste die Music-App killen, weil sie nicht mehr reagierte. Jammern auf hohem Niveau – aber dafür gab’s nun mal auch Anlässe.
  • Das grundlegende Design wurde 2017 vom iPhone X eingeführt und geht mit dem iPhone 11 Pro ins dritte Jahr. Das neue rückseitige Kameramodul mit den drei Linsen ist zwar nicht hässlich, aber doch ganz schön … markant. Insgesamt verbreitet das iPhone 11 Pro den Flair eines 70er-Jahre-Mercedes: Edel und erhaben, aber irgendwie zu prunkvoll und leicht angestaubt. Ich wünsche mir eine konsequente Rückbesinnung auf Dieter Rams weise Worte , wie sie auf viele leicht und noch immer modern wirkende Apple-Klassiker der letzten 20 Jahre zutreffen (z.B. iPhone 5c, iPod Shuffle 1. Gen., Magic Mouse). Verarbeitungsqualität und Haptik des iPhone 11 Pro sind wie gewohnt vorbildlich, aber bei der Gestaltung kann ich Cupertino hier keine volle Punktzahl geben. Vielleicht dann nächstes Jahr, wenn denn „mehr Kante“ gezeigt wird? Schreibt mir eure Einschätzung dazu gerne in die Kommentare.
  • Mit einem 90- oder gar 120-Hertz-Display hätte Apple das iPhone 11 Pro deutlicher über das iPhone 11 stellen können. Die Android-Konkurrenz beherrscht die wegweisende Technik zum Teil schon, auch das iPad Pro punktet mit einer superflüssigen Darstellung, etwa beim Scrollen durch Webseiten. Stattdessen muss das iPhone 11 Pro mit den „herkömmlichen“ 60 Hertz auskommen. Die meisten Nutzer wird das wahrscheinlich nicht stören. Aber nur, bis sie mal mit eigenen Augen den direkten Vergleich machen konnten.

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iPhone 11 Pro im Test: Was es sonst noch zu sagen gibt

  • Das Display des iPhone 11 Pro löst zwar sehr hoch auf (458 ppi), aber ist etwas kleiner als das Display des iPhone 11 (6,1 Zoll Diagonale), sodass hier in Apps und auf Webseiten auch etwas weniger Inhalt angezeigt wird und man (minimal) öfter scrollen muss. Nicht wirklich schlimm, aber darüber sollte man sich vor einer Kaufentscheidung im Klaren sein. Oben zu sehen am Beispiel der Tagesschau-App, die auf dem iPhone 11 Pro (Mitte) einen Eintrag weniger anzeigt als das iPhone 11 (rechts).
  • Die Mobilfunktechnologie 5G wird vom iPhone 11 Pro nicht unterstützt und kann auch nicht per Software-Update nachgereicht werden. Ob das ein ernsthaftes Manko oder schlichtweg egal ist, muss man in ein bis zwei Jahren bewerten – mir ist es noch zu früh für eine Einordnung, zumindest innerhalb von Deutschland.
  • Die bei der Einführung groß angepriesene Funktion 3D Touch ist beim iPhone 11 Pro nicht mehr verbaut. Mein iPhone 8 kann noch auf festeren Druck mit speziellen Aktionen reagieren – aber essentiell war dieses Feature für mich nie. Ein kleiner Verlust ist es trotzdem, da hier vielleicht noch Potential verborgen lag. Als Ersatz wurde Haptic Touch eingeführt – ein längerer Tastendruck, der in vielen Fällen als Ersatz ausreicht.

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  • Das iPhone 11 Pro wiegt stattliche 188 Gramm und besteht rundum aus Glas. Egal wie sehr Apple die Robustheit des Handys bewirbt – einen Alltagseinsatz ohne Schutz (oder außerordentliche Vorsicht) würde ich angesichts des Kaufpreises niemandem nahelegen. Ich habe mir für den Test geholt, das überraschend gut ist.
  • Kopfhörer: Die EarPods mit Lightning-Anschluss gehören zum Lieferumfang des iPhone 11 Pro – wichtig, falls du noch immer keine AirPods gegönnt hast.
  • Das Apple Logo auf der Rückseite ist jetzt in der Mitte. Hallelujah.

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