Bittere Rache an Facebook: WhatsApp-Gründer schockt Mark Zuckerberg

Stefan Bubeck 4

Löscht Facebook!“ fordert Brian Acton seine 27.000 Follower auf Twitter auf. Dabei nutzt er den Hashtag #deletefacebook, der sich aktuell explosionsartig verbreitet. Was steckt dahinter?

Bittere Rache an Facebook: WhatsApp-Gründer schockt Mark Zuckerberg
Bildquelle: Getty Images / Justin Sullivan.

Der Daten-Skandal um Facebook und die britische Analysefirma Cambridge Analytica nimmt weiter an Fahrt auf. „Es ist Zeit. Löscht eure Facebook-Accounts.“ – So lässt sich der Tweet des WhatsApp-Mitgründers Brian Acton sinngemäß übersetzen, der Mittwoch früh online ging und seitdem tausendfach geteilt wurde.

WhatsApp-Mitgründer Acton: Durch Facebook wurde er zum Milliardär

Wer ist dieser Mann? Brian Acton hatte im Jahr 2009 zusammen mit Jan Koum den überaus erfolgreichen Messenger WhatsApp ins Leben gerufen. Der Dienst wurde bekanntermaßen 2014 von Facebook übernommen, die Kaufsumme betrug damals rund 19 Milliarden US-Dollar. Die beiden Gründer wurden durch diese Elefantenhochzeit auf einen Schlag unfassbar reich, Actons Vermögen soll 6,5 Milliarden US-Dollar betragen.

Koum ist noch heute bei Facebook als WhatsApp-CEO tätig, Acton hat Mark Zuckerbergs Konzern allerdings letztes Jahr den Rücken gekehrt, um eigenen Plänen nachzugehen. Der 46-Jährige kooperiert dazu mit Moxie Marlinspike, dem Gründer hinter dem Messenger Signal, der als sichere Alternative zu WhatsApp gilt. „In Zeiten wo wir mehr und mehr online leben, sind Datenschutz und Privatsphäre sehr wichtig“, so Acton.

Facebook: Diesmal wird es wohl ernst

Nach der Abkehr nun also die Attacke auf den einstigen Verbündeten Facebook. Der Hashtag #deletefacebook läuft auf Twitter zu Höchstform auf – dass auch Acton ihn verwendet hat, dürfte dem Aufruf nun noch mehr Rückenwind geben. Das Ende von Facebook wurde schon mehrfach herbeibeschwört – vielleicht ist es 2018 soweit?

Nicht alle Reaktionen auf die Aufforderung sind allerdings Zustimmung pur, darunter mischen sich auch Resignation und Ironie. Trotzdem stehen Facebook und allen voran der Gründer Mark Zuckerberg vor der wohl brenzligsten Situation der Firmengeschichte: Der Aktienkurs des Unternehmens ist abgesackt, es hagelt Kritik von allen Seiten. In nur 48 Stunden sind 65 Milliarden Dollar an Börsenwert verloren gegangen.

Das ist Facebook.

Die Wettbewerbs- und Verbraucherschutzbehörde FTC startet Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Datenschutzgesetz, einige US-Investoren haben Klage eingereicht und die britische Datenschutzbehörde (ICO) bittet zum Gespräch, Zuckerberg solle den „katastrophalen Vorgang des Versagens“ seiner Firma erklären. „Die Vorgänge um das soziale Netzwerk Facebook und die britische Datenauswertungs-Firma Cambridge Analytica zeigen auf erschreckende Weise, dass die Daten von Nutzern nicht nur das Konsumverhalten von Personen beeinflusst, sondern auch Macht über politische Entscheidungen vermittelt“, so Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Caspar gegenüber Heise Online.

Späte Rache oder Appell an die Vernunft?

Nun sollen wir Nutzer also die Facebook-App oder am besten gleich den ganzen Account löschen. „Facebook verdient sein Geld damit, indem sie intime Details über das Privatleben von Millionen ausbeuten und verkaufen, die weit über das Maß der Details hinausgehen, die wir freiwillig preisgeben. Sie sind keine Opfer, sie sind Komplizen“, schreibt Edward Snowden auf Twitter. Wenn man das so sieht, dann wäre eine Flucht aus dem Netzwerk eine vernünftige Entscheidung.

Vielleicht ist Brian Actons „Löscht Facebook“-Tweet aber auch durch seine persönliche Beziehung zu Facebook zu erklären: Im Jahr 2009 hatte er sich nämlich bei Facebook um einen Posten beworben, wurde aber abgewiesen.

Ist das alles also nur eine späte Rache für diese Abfuhr? Wahrscheinlich nicht, denn Acton ist tatsächlich „ein bekannter Verfechter des Datenschutzes und der Verschlüsselung“, wie Mashable den Leiter der Signal Foundation beschreibt. Diese Motive dürften wohl überwiegen. Wie seht ihr das? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare.

Quellen: Tagesschau, DW, Heise, Standard

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