Konkurrenz für Intel und AMD: China bläst mit eigenem Prozessor zum Gegenangriff

Robert Kohlick

Bislang dominieren Intel und AMD den weltweiten CPU-Markt. Das könnte sich bald ändern. Auch China macht große Fortschritte im CPU-Sektor und stellte nun einen eigenen Prozessor vor. Obwohl sich der neue „Wunderchip“ nicht mit aktuellen Top-Modellen messen kann, sollten bei der Konkurrenz jetzt die Alarmglocken losgehen.

Konkurrenz für Intel und AMD: China bläst mit eigenem Prozessor zum Gegenangriff
Bildquelle: Zhaoxin / Getty Images – gorodenkoff; Rainer Puster.

CPU aus dem Reich der Mitte: Das kann Chinas neuer „High-End“-Prozessor

Seit 2013 arbeitet das chinesische Unternehmen Zhaoxin an der Umsetzung von x86-kompatiblen Prozessoren für den Heimatmarkt. China versucht auf diese Weise die landeseigene Abhängigkeit von ausländischen Technologien stark zu reduzieren. Die jahrelange harte Arbeit scheint sich nun ausgezahlt zu haben. Laut der Webseite der chinesischen Zeitung Jiefang Daily hat es das Joint Venture geschafft, mit dem Zhaoxin KaiXian KX-U6880 einen Prozessor zu fertigen, der es immerhin mit Intels altem i5-7400 aufnehmen kann.

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Der China-Prozessor wird im 16nm-Fertigungsverfahren von TSMC hergestellt, setzt auf 8 physische Kerne und taktet mit 3,0 GHz. Auch eine eigene Grafikeinheit hat ihren Weg auf den Chip gefunden. Deren Leistungfähigkeit kann es jedoch nicht ansatzweise mit der eines Ryzen 2200G aufnehmen. Dieser Umstand sollte jedoch nicht zu stark ins Gewicht fallen, immerhin unterstützt der KX-U6880 auch PCI-Express 3.0.

Hier findet ihr die wichtigsten technischen Eckdaten der beiden Konkurrenz-CPUs im Vergleich: 

Modellname Zhaoxin KaiXian KX-U6880 Intel Core i5-7400
Anzahl der Kerne/Threads  8/8 4/4
Chiptakt 3,0 GHz 3,0 GHz (Basistakt)

3,5 GHz (Turbotakt)

integrierte Grafikeinheit ja ja (Intel HD-Grafik 630)
RAM-Unterstützung DDR4-3200 DDR3L-1333/1600

DDR4-2133/2400

Fertigungsverfahren 16 nm TMSC 14 nm
Befehlssatz 64 bit 64 bit

Wer Chinas neuen Wunderchip einmal selber ausprobieren will, schaut jedoch in die Röhre. Die CPU aus dem Reich der Mitte wird vorerst nur im Heimatmarkt verkauft, zudem wird ein Mainboard mit ZX-200-I/O-Chip benötigt. Ob sich die CPU übertakten lässt, wie hoch der Stromverbrauch und die Anschaffungskosten ausfallen – dazu gibt es bislang noch keine Informationen.

Gefahr für Intel und AMD? China holt immer weiter auf

Doch was soll der ganze Trubel überhaupt? Ist es nicht eher peinlich für eine Nation wie China, dass ihr aktueller Chip trotz doppelter Kernanzahl gerade mal die Leistungsfähigkeit eines jahrealten Mittelklasse-Prozessors von Intel erreicht? Mit nichten. Obwohl China zwar aktuell noch weit hinter Intel und AMD zurückzuliegen scheint, ist es bemerkenswert, wie schnell das Land den Rückstand immer weiter reduziert.

Ende 2017 stellte das Unternehmen die 5. Generation seiner CPU-Familie (KX-U5000) mit dem Codenamen „Wudaokou“ vor. Auch damals gab es schon Modelle mit 8 physischen Kernen, der Chiptakt lag jedoch noch bei 2,0 GHz. Wenn Zhaoxin diese Geschwindigkeit der technischen Weiterentwicklung aufrechterhalten kann, könnte sich China für AMD und Intel binnen weniger Jahre zu einem echten Konkurrenten entwickeln – vorausgesetzt die chinesischen Chips werden in Zukunft auch im Ausland verkauft.

Weiterführend zum Thema: AMD stellt neue Ryzen-Prozessoren vor

Aktuell spielen CPUs aus China in unserem Markt noch keine große Rolle: 

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Was sagt ihr zu Chinas neuem Spitzenprozessor? Denkt ihr, dass sich neben Intel und AMD auch bald Zhaoxin als dritter CPU-Hersteller am Markt etablieren könnte? Oder geht ihr davon aus, dass die Prozessoren des asiatischen Unternehmens noch eine ganze Weile hinter denen der amerikanischen Konkurrenz zurückbleiben werden? Schreibt uns eure Meinung gerne in die Kommentare.

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