Facebook-Skandal zeigt: iPhones sind besser als Android-Smartphones

Stefan Bubeck 1

Mark Zuckerberg weiß, wen du letzten Sommer angerufen hast: Facebook sammelte unter Android jahrelang Telefonprotokolle, Kontakt-Infos, SMS und Kalendereinträge. Ein Skandal, der iPhone-Besitzer ein entspanntes Lächeln auf das Gesicht zaubert – sie sind nicht betroffen. Sind die Android-Benutzer selbst schuld?

Facebook-Skandal zeigt: iPhones sind besser als Android-Smartphones
Bildquelle: GIGA / Getty Images (yayayoyo).

Nicht schon wieder: Android ist schuld, weil Android unsicher ist. Wie zahlreiche Benutzer berichten, hat ihnen die Facebook-App zwei Jahre lang persönliche Daten abgesaugt, ohne dass sie wirklich darüber Bescheid wussten. Als einer der ersten hat das der Neuseeländer Dylan McKay bemerkt. Er hat sich im Zuge des Cambridge-Analytica-Datenskandals alle seine Facebook-Daten als ZIP-Archiv heruntergeladen und dann ganz genau angeschaut.

Spionage-Schock: „Facebook hat alle meine Anrufe mit der Mutter meiner Freundin gespeichert“

McKays hat einen Screenshot aus dem Daten-Berg auf Twitter veröffentlicht und zeigt sich schockiert über die Anrufprotokolle, die darin zu sehen sind.

Facebook habe alle Telefonanrufe seines Smartphones protokolliert, inklusive der Anrufdauer. Kurze Zeit später häuften sich die Berichte anderer Betroffener und bestätigen das Unglaubliche. Offenbar sammelte der Konzern in großem Stil Metadaten zu jedem Anruf und jeder verschickten SMS von Android-Nutzern.

Facebooks Erklärung klingt wie eine Schuldzuweisung

Facebook selbst hat mittlerweile ein Statement veröffentlicht: „Möglicherweise haben Sie in letzter Zeit einige Berichte gesehen, dass Facebook den Anruf- und SMS-Verlauf von Personen ohne deren Erlaubnis protokolliert hat. Das ist nicht der Fall.“

Dieser Satz klingt ein wenig so, als sei der Android-Nutzer selbst schuld. Wie ist das gemeint? Nun, Facebook erklärt weiter, dass es sich um eine freiwillige Option („Opt-In“) gehandelt habe. Die Synchronisation aller Handy-Kontakte ist eine Funktion, die erstmal 2015 im Facebook Messenger umgesetzt wurde und später auch bei Facebook Lite ihren Platz fand.

Dem Nutzer wurde bei der Einrichtung erklärt: „Deine Kontakte werden fortlaufend synchronisiert, damit du sehen kannst, wer den Messenger noch verwendet.“ Darunter war ein blauer „Aktivieren“-Button, darüber knuddelige Comic-Figuren. Wer auf den Button klickt, stimmt der Datensammlung zu – man könne die Synchronisation ja auch jederzeit „leicht“ in den Einstellungen abschalten, so Facebook. Der entsprechende Menüpunkt im Messenger befindet sich unter: Profilbild> Personen> Synchronisierte Kontakte.

Das Unternehmen stellt weiter klar, dass die Facebook App nicht betroffen sei und dass keine Inhalte von Gesprächen oder Textnachrichten gespeichert wurden. Zudem werden die Daten „sicher gespeichert“ und nicht an Dritte weiterverkauft.

Google hat die für das Abgreifen von Anruflisten zuständige API mit Android 4.1 (Jelly Bean) geändert, ältere API-Versionen wurden aber noch bis Oktober 2017 unterstützt. Wer sehen möchte, welche Kontakte Facebook synchronisiert hat, kann das auf der Seite „Hochladen und Verwalten deiner Kontakte“ tun. Auch das Löschen einzelner oder alle Kontakte ist hier möglich.

Apple-Gründer Jobs warnte Facebook-Gründer Zuckerberg schon 2010

Wer in der Apple-Welt mit iPhone oder iPad unterwegs ist, kann aufatmen: Bei iOS war ein solcher Zugriff auf Anrufdaten seitens irgendwelcher Apps nie möglich. Der Konzern aus Cupertino ist bekannt für seinen rigorosen Schutz der Nutzerdaten vor Dritten – eine Haltung, die der CEO Tim Cook immer wieder öffentlich bestätigt und die schon Apple-Mitgründer Steve Jobs heilig war. Man habe sehr viele iPhone-Apps von Drittanbietern abgelehnt, weil sie „eine Menge Daten“ absaugen wollten.

Wir nehmen Datenschutz sehr ernst. (…) Wir tun eine Menge Dinge, um sicherzustellen, dass die Leute wissen, was diese Apps tun. (…) Datenschutz bedeutet, dass die Leute wissen, wofür sie sich anmelden, und zwar auf Englisch und wiederholt. (…) Frag sie. Frag sie jedes Mal. Lass sie dir sagen, dass du aufhören sollst, sie zu fragen, ob sie es leid sind, dass du sie fragst. Lass sie ganz genau wissen, was du mit ihren Daten machen wirst.

Der damalige Apple-Boss erklärte all dies auf der „All Things Digital conference“ im Jahr 2010 im Rahmen eines Interviews mit Walt Mossberg. Im Publikum saß damals auch ein junger Unternehmer, dessen Social-Media-Plattform bereits eine halbe Milliarde Mitglieder auf der ganzen Welt hatte. Sein Name: Mark Zuckerberg.

Quellen: Heise, Ars Technica, Quartz Media

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