Geheime Display-Fabrik: So will Apple die Konkurrenz in den Boden stampfen

Florian Matthey

Das iPhone X ist das erste Apple-Handy mit OLED-Display. Und dennoch ist es mit dieser Display-Technologie nur ein Smartphone unter vielen. Jetzt soll das Unternehmen testweise eigene Displays mit einer revolutionären neuen Technologie produzieren – und zwar ganz alleine.

Geheime Display-Fabrik: So will Apple die Konkurrenz in den Boden stampfen
Bildquelle: EverythingApplePro.

Apple betreibt MicroLED-Display-Fabrik in Kalifornien

Apple produziert aktuell in einer geheimen Fabrik im kalifornischen Santa Clara MicroLED-Displays. Das haben die üblicherweise gut informierten Quellen von Bloomberg erfahren. Die Fabrik liegt nur 15 Minuten von Apples Hauptquartier Apple Park entfernt; von außen gibt es aber keinerlei Anzeichen dafür, dass die rund 5.700 Quadratmeter große Anlage zu Apple gehört.

MicroLED gilt als die Erfindung, die am wahrscheinlichsten OLED als fortschrittlichste Display-Technologie ablösen wird. MicroLED-Displays sind noch heller und noch stromsparender als OLED-Displays. Außerdem besteht anders als bei OLED nicht das Problem einer relativ kurzen Lebenszeit – wobei Letztere ohnehin schon höher liegt, als es für Smartphones in der Regel nötig ist.

MicroLED als Exklusiv-Technologie fürs iPhone?

Die Fabrik ist nicht groß genug, um eines Tages die komplette Display-Produktion für iPhones übernehmen. Es handelt sich um also eine Anlage zur Herstellung von Prototypen. Aktuell könne Apple aber bereits „eine Handvoll“ an Displays in einem Produktionsvorgang in einer Größe für eine Apple Watch produzieren. Wie einst auch bei OLED könnte Apples kleinstes Gerät mit eigenem Display das erste Panel sein, für das Apple die Technologie verwendet, um dann später auf größere Displays umzusteigen.

Dass Apple für die Forschung an MicroLED extra eine eigene Fabrik für Prototypen betreibt, sagt viel über die Strategie des Unternehmens aus: Offenbar wollen die Verantwortlichen in Cupertino dafür sorgen, dass MicroLED-Displays zumindest eine Zeit lang ein Exklusiv-Feature von iPhones sein werden. Das erste OLED-iPhone erschien immerhin erst Jahre nach dem ersten OLED-Smartphone von Samsung, auch wenn das iPhone-X-Display dennoch zumindest besser als das des Samsung Galaxy S8 sein soll – obwohl Samsung diese Komponente für Apple produziert.

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Dass Apple die Produktion von MicroLED-Prototypen nicht Partnern wie Foxconn, Sharp oder eben Samsung überlässt, sorgt dafür, dass das Unternehmen Informationen zu seinen Fortschritten mit dieser Technologie für sich behalten kann. Schon vor vier Jahren hatte Apple das Unternehmen luxVue gekauft, das Pionierarbeit bei der Entwicklung von MicroLED leistete – das geistige Eigentum in diesem Bereich gehört jetzt also zu einem beachtlichen Teil zu Apple. Für den iPhone-Hersteller scheint es also am wichtigsten zu sein, in diesem Bereich einen mehrjährigen Vorsprung vor der Konkurrenz zu haben.

MicroLED-iPhone erst in einigen Jahren

Allerdings birgt der große Aufwand für dieses Ziel auch ein Risiko: MicroLED-Displays sind aktuell noch sehr schwierig herzustellen; die Ausbeute ist extrem niedrig. Jeder Pixel eines MicroLED-Displays besteht aus drei einzelnen LEDs – rot, grün und blau –, die einzeln kalibriert werden müssen. Mit der Übernahme von luxVue hat sich Apple für das Platzieren der einzelnen Pixel immerhin eine einzigartige Technologie gesichert. Dennoch soll Apple vor rund einem Jahr den Bloomberg-Quellen zufolge darüber nachgedacht haben, das Projekt ganz einzustellen.

Auch jetzt könnte es noch passieren, dass Apple sich irgendwann in einer Sackgasse wiederfindet und dann doch weiter auf OLED setzen muss – oder eine andere Technologie, an die noch niemand denkt, und die sich vielleicht andernorts in Entwicklung befindet. Der Hauptkonkurrent in diesem Bereich dürfte wieder Samsung sein: Auf der Elektronikmesse CES zeigte Samsung einen riesigen MicroLED-Fernseher – der aber auch nur ein Prototyp und aktuell eher eine Tech-Demo ist.

Selbst die erste MicroLED-Apple Watch soll es erst in rund zwei Jahren geben können. Gerüchte, denen zufolge es schon in diesem Jahr so weit sein könnte, kamen im vergangenen Jahr wohl verfrüht. Das erste MicroLED-iPhone könnte hingegen wohl erst in drei bis fünf Jahren erscheinen – wenn denn alles gut läuft und Apple die Pläne nicht doch noch einstampft. Im Idealfall wäre es dann das erste MicroLED-Smartphone der Welt.

Quelle: Bloomberg

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