„Abhörchips“ in Handy-Akkus: Das steckt hinter dem aktuellen Facebook-Blödsinn

Frank Ritter 105

In den sozialen Netzwerken, zuvorderst Facebook, kursiert derzeit ein Video, das suggeriert, im iPhone und Samsung Galaxy-Geräten sei ein Spionage-Chip verbaut. Wir erklären, was wirklich dahinter steckt und warum man sich wegen des angeblichen „Abhörchips“ keine Sorgen machen muss.

„Abhörchips“ in Handy-Akkus: Das steckt hinter dem aktuellen Facebook-Blödsinn

Achtung, Achtung, es folgt eine wichtige Servicedurchsage: Nicht alles, was im Internet zu lesen, hören oder zu sehen ist, ist wahr. Falls euch ob dieser Erkenntnis gerade die Kinnlade herunterklappt, möchten wir das an einem aktuellen Beispiel illustrieren. Seit einigen Tagen kursiert auf Facebook ein Video (kein Link hier), in dem eine Frau und ein Mann die Folie eines Samsung-Akkus abknibbeln. Dabei wird verschwörerisch gemurmelt, dass darunter ein „Abhörchip“ liegt, der nicht nur in Samsung Galaxy-Geräten, sondern auch im iPhone verbaut ist und den Nutzer ausspioniere. Bei der Fitzelei wird allerdings etwas anderes freigelegt: ein NFC-Chip und dessen Antenne. Hier das Video aus dem Facebook-Post, das jemand bei YouTube hochgeladen hat.

Nein, NFC ist kein Abhörchip

Zweierlei ist hierbei festzuhalten: Es handelt sich um keine verschwörerisch von Regierungen, Geheimdiensten, Bilderbergern oder Illuminaten in die Produktionsketten der Handyhersteller integrierten Chips zum Herumschnüffeln in den Handydaten, Erstellen von Persönlichkeitsprofilen oder gar der Gedankenkontrolle ihrer Nutzer. Es ist einfach nur eine praktische Technologie, die in der Öffentlichkeit wenig bekannt ist. Übrigens: Darauf, dass NFC im Akku verbaut ist, weist sogar die Aufschrift „Near Field Communication“ auf der Akkufolie hin.

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NFC-Funktion: Was kann man damit machen?

Was steckt hinter NFC?

Bei NFC handelt es sich um eine Technologie, die in vielen, wenngleich nicht allen, aktuellen Smartphones verbaut ist – das erste Smartphone mit NFC war das Nexus S aus dem Jahr 2010. Der Chip kann sowohl im Gerät selbst als auch im Akku oder der SIM-Karte liegen. NFC findet sich aber auch häufig in Zugangskarten (etwa Hotel-Schlüsselkarten oder Zugangsausweisen für Messen). Technisch gesehen können mit NFC Daten von verschiedenen Geräten über kurze Distanzen – maximal 10 cm, in der Regel aber unter 2 cm, ausgetauscht werden. Großer Vorteil ist, dass der Chip passiv betrieben wird, das heißt, er braucht keine eigene Stromquelle, sondern wird vom Lese- und Empfangsgerät aktiviert. Daher funktioniert NFC auch nur über kurze Distanz, ansonsten „ruht“ der Chip. NFC ist eng verwandt mit der so genannten RFID-Technologie.

Wofür wird NFC gebraucht?

Auf iPhones wird NFC bislang nur für Apple Pay verwendet. Mit diesem Service kann man an Kassen über speziell ausgerüstete Terminals mit dem Smartphone bezahlen. In der Android-Welt kann man damit ebenfalls kabellos zahlen, außerdem können Peripheriegeräte wie beispielsweise Kameras oder Bluetooth-Geräte per NFC leicht gekoppelt werden. Mit NFC-Stickern kann man zudem sein Smartphone automatisieren. Auch die Android-Beam-Funktion kann damit verwendet werden, um Daten wie Kontakte, Links oder Dateien zwischen zwei NFC-fähigen Geräten auszutauschen. Dazu hält man in der Regel die Smartphones mit dem Rücken aneinander. Über NFC läuft bei größeren Datenmengen nur die Kopplung beider Geräte; die eigentliche Datenübertragung findet dann über einen anderen Kanal, etwa WLAN, Wifi-Direct oder Bluetooth statt. Unter Android kann NFC nur genutzt werden, wenn das Display des Gerätes an ist und das Gerät entsperrt.

Ist NFC Datenschutz-technisch unbedenklich?

Jein. Es wurden zwar in der Vergangenheit schon kritische Töne laut, weil etwa Bezahlvorgänge beim Einsatz von NFC in den so genannten Geldkarten nachträglich ausgelesen werden konnten. Hier liegt aber der Fehler in der Implementation (also der fehlenden Verschlüsselung), nicht der Technologie selbst. Was Smartphones angeht, kann NFC im Prinzip als unbedenklich angesehen werden, denn die technischen Einschränkungen (Nutzung nur bei entsperrten Geräten mit aktivem Display, geringe Reichweiten) sind zu groß, um damit Nutzer auszuspionieren. Unbenommen: Google und Apple können, sofern sich das Bezahlen per NFC durchsetzt, ihre Bewegungs- und Shoppingprofile der Nutzer verbessern, aber – dieser sarkastische Einschub sei uns gestattet – Regierungen, Geheimdienste und Wirtschaftsunternehmen haben im Großen und Ganzen deutlich effizientere Instrumente zum Tracken von Smartphone-Nutzern. Wir finden: Selbst bei Paranoia diffusen Ängsten sollte die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben.

via Mimikama

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