Scheinbar neue Nutzungsbedingungen beim Streaming-Portal sorgen für Aufregung: Kleineren YouTubern mit wenigen Tausend Fans drohe nach eigener Aussage sogar das Aus. Was steckt dahinter und ist die Panik berechtigt? Update: YouTube hat sich eindeutig dazu geäußert.

 

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Facts 
Update vom 13.11.2019: Das Team von YouTube hat sich auf dem offiziellen Twitter-Kanal zum umstrittenen Absatz in den AGB geäußert (Übersetzung von uns): „In dem Abschnitt unserer Allgemeinen Geschäftsbedingungen, auf den Sie sich beziehen, geht es nicht darum, ein Konto zu kündigen, wenn es nicht genügend Geld einbringt – es geht darum, bestimmte YouTube-Funktionen oder Teile des Dienstes einzustellen, z.B. das Entfernen veralteter/wenig genutzter Features. Dies hat keine neuen Auswirkungen auf irgendjemand!“

Originalartikel:

YouTube-Nutzungsbedingungen: Was nicht „wirtschaftlich“ ist, fliegt raus

Ab 10. Dezember 2019 sollen bei YouTube neue US-Nutzungsbedingungen gelten, bei denen ein vage formulierter Absatz mit der Löschung des Accounts droht. Aber: Hierzulande ist der entsprechende Absatz schon seit längerer Zeit in den aktualisierten EU-Nutzungsbedingungen zu finden, hier ist der Wortlaut:

YouTube kann gegebenenfalls Ihren Zugriff oder den Zugriff Ihres Google-Kontos auf den gesamten oder einen Teil des Dienstes kündigen, wenn YouTube berechtigterweise davon ausgeht, dass die Bereitstellung des Dienstes an Sie nicht mehr wirtschaftlich ist.

Was genau „nicht mehr wirtschaftlich“ bedeutet, das wird nicht weiter erläutert. Somit könnte man auch sagen, dass dieser Punkt willkürlich von YouTube entschieden werden kann. Wenn die Streaming-Plattform zur Einschätzung kommt, dass ein YouTuber nicht (mehr) genug Geld macht, dann kann ihm einfach der Account gelöscht werden.

YouTuber machen sich Sorgen um ihre Zukunft

US-Youtuber machen sich deshalb Sorgen, manche sind sogar kurz davor auszurasten: „Wir Video-Produzenten sollten für unsere Hingabe belohnt werden – und nicht bestraft,“ sagt der auf Wrestling spezialisierte YouTuber Christian Maracle, während er um Fassung ringt:

Maracle hat 106.000 Abonnenten, ist also eher klein bis mittelgroß. Zum Vergleich: Der deutsche Kanal von Rezo hat etwa 1,15 Millionen Abos, der kontroverse Star PewDiePie kommt auf 102 Millionen. Für Maracle ist sein YouTube-Kanal nicht nur Herzenssache – aufgrund psychischer Krankheit habe er in anderen Jobs mit Schwierigkeiten gekämpft. Erst seine Tätigkeit als YouTuber habe ihn erfüllt, der Kanal wurde zu seinem Lebensunterhalt. Aber ist er wirklich in Gefahr, alles zu verlieren?

YouTube: Fokus auf die großen Kanäle?

Unter kleinen YouTubern ist die Angst nicht neu: Schon 2018 wurden die Regeln verschärft, indem Hürden für Mini-Kanäle gesetzt wurden. Wer unter 1.000 Abonnenten und „in den letzten 12 Monaten“ nicht „Wiedergabezeit von mehr als 4.000 Stunden“ erreicht hat, kann nicht beim YouTube-Partnerprogramm (YPP) teilnehmen. Anders formuliert: Wer mit YouTube-Videos Geld verdienen will, muss sich erstmal eine Gefolgschaft aus regelmäßigen Zuschauern aufbauen. Wenn das geschafft ist, können Videos durch Werbung „monetarisiert“ werden. Doch selbst, wer es „geschafft“ hat, kann sich nicht entspannt zurücklehnen, wie ein Tweet von LeFloid (über 3 Mio. Abonnenten) andeutet:

YouTuber: Kein Grund zur Panik oder der Anfang vom Ende?

Gegenüber dem Tech-Blog Gadgets360 äußerte sich ein YouTube-Sprecher. Seine Aussage: „Wir ändern nicht die Funktionsweise unserer Produkte.“

Das kann man als US-Youtuber einerseits als entwarnendes „Alles geht weiter wie bisher“ verstehen – aber nur wenn man optimistisch ist. Bei uns gelten die AGB schon längst, womit die Wahrheit wohl eher in der Mitte liegt: YouTube wird wahrscheinlich nicht Massen von kleinen und aufstrebenden US-Kanälen von heute auf morgen verschwinden lassen, weil sie wirtschaftlich nicht interessant sind. Es geht eher um inaktive Kanäle, bei denen sich YouTube das Recht behält, diese zu entfernen. Andererseits zeigen die Entwicklungen der Vergangenheit, dass die führende Video-Plattform lieber starke Inhalte noch mehr stärkt, statt ganz kleinen Kanälen einen leichteren Start zu bieten.

YouTube Space soll YouTubern professionelles Equipment zur Verfügung stellen:

Bestes Beispiel: Das neue Berliner Kreativ-Zentrum „Youtube Space“ ermöglicht YouTubern den Zugang zu professionellen Studios mit entsprechender Technik. Voraussetzung: Der eigene Kanal hat mindestens 10.000 Abonnenten. Wer weniger hat, muss sich die Aufmerksamkeit im Wohnzimmer Heimstudio erstmal mit einfacheren Mitteln erkämpfen.

Macht YouTube alles richtig oder geht es jetzt bergab? Schreib uns deine Einschätzung in die Kommentare.