Disney+ ist ein vergleichsweise neuer Stern am Streaming-Himmel, aber längst kein Geheimtipp. Trotzdem kommt man noch lange nicht an die Konkurrenz von Netflix und Prime Video heran. Warum ist das so? GIGA geht auf Spurensuche.

 

Disney+

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Für Disney+ reicht es in Deutschland nur für Platz 3

Disney-Fans gibt es zuhauf. Das beweisen Freizeitparks wie Disney World, dutzende Serien- und Kinofilme, Merchandise-Artikel und jede Menge Vertriebswege für Disney-Inhalte wie Hulu, Disney+ oder der Disney-Channel. Inzwischen werden auch Freunde von Marvel und Star Wars nach den Zukäufen der letzten Jahre schrittweise immer mehr zu Disney-Fans – ob sie wollen oder nicht. Was jetzt und wohl auch in Zukunft von diesen Marken erscheint, kommt mit wenigen Ausnahmen von Disney.

Da ist es fast überraschend, dass ein globaler Konzern wie Disney mit seinem Streaming-Dienst Disney+ nicht an der Spitze steht. Das zeigt eine Auswertung von Statista. Laut dem „Global Consumer Survey“ schafft es der Streaming-Neuling in Deutschland nur auf Platz 3 und ist damit deutlich abgeschlagen. 35 Prozent der Befragten gaben an, Kunde von Disney+ zu sein.

Knapp ist es hingegen bei Netflix und Amazon Prime. Der weltweite Branchenprimus Netflix schafft in Deutschland Platz 2 mit 71 Prozent. Gerade so auf die Top-Position kommt Amazon Prime Video mit 72 Prozent. Die Zahlen wurden zwischen Februar 2020 und März 2021 erhoben. Warum aber ist das so?

So verteilen sich die Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf die großen Streaming-Dienste (Bild: Statista Global Consumer Survey).

Ein Teil der Antwort ist simpel: Prime Video und Netflix sind länger mit dabei als Disney+. Das Wachstum des jungen Streaming-Dienstes ist allerdings ordentlich: In knapp über einem Jahr hat Disney+ etwa die Hälfte der Netflix-Kunden erreicht. Experten erwarten, dass es gut weitergeht und Disney bald Marktführer wird. Zumindest in Deutschland sieht es danach aber noch nicht so recht aus.

Was braucht Disney+ (noch) um zu überzeugen?

Gründe kann es dafür viele geben. Kunden von Amazon Prime profitieren etwa auch davon, keine Lieferkosten für Bestellungen bei Amazon zu zahlen – umso erstaunlicher, dass der Dienst in der Schweiz kaum Interesse bei Kunden wecken kann und mit 16 Prozent hinter Disney+ (23 Prozent) landet. Sowohl Prime Video als auch Netflix haben noch einen entscheidenden Vorteil: Man findet dort viele Inhalte, die nicht aus dem Hause Disney stammen – aber eben auch solche, die es tun.

Wer also Disney+ abonniert, schränkt sich ein. Zumindest bisher gibt es Disneys Werke auch bei der Konkurrenz zu sehen, während das Angebot von Disney+ zu großen Teilen aus Disneys eigenen Titel besteht – obwohl über den neuen Star-Channel zunehmend auch andere Serien und Filme ins Programm aufgenommen werden.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Disney+ vorbeizieht

Die kürzere Zeit am Markt und die Möglichkeit, Disney-Filme auch anderswo anschauen zu können, sind für mich die wahrscheinlichsten Gründe, dass Disney+ aktuell nicht mithalten kann. Doch das wird sich ändern. Sein volles Potenzial wird Disney+ zeigen, wenn man (noch) mehr auf exklusive Inhalte setzt.

Das Programm von Disney+ im Video:

Disney+: Das erwartet euch beim Streamingdienst

Die MCU-Serien „WandaVision“, „The Falcon and The Winter Soldier“ und bald auch „Loki“ beweisen bereits jetzt, dass Disney genau so vorgeht. Wenn etwa in den kommenden Jahren neue MCU-Filme in die (dann hoffentlich wieder geöffneten) Kinos kommen, könnte sich der ein oder andere Film-Fan über vermeintliche Lücken in den Geschichten wundern. Und dann feststellen, dass sie auf Disney+ gefüllt werden.

Würde man dann noch der Konkurrenz den Hahn abdrehen und zum Beispiel Deadpool von Netflix abziehen, hat Disney+ auf einmal ein extrem starkes Alleinstellungsmerkmal. Denn auch wenn Netflix und Amazon längst selbst zu Produktionsstudios angewachsen sind – mit der Power und Erfahrung von Disney und seinen Marken können sie in diesem Bereich nicht mithalten.

Hinweis: Die in diesem Artikel geäußerten Meinungen stellen ausschließlich die Ansichten des Autors dar und sind nicht notwendigerweise Standpunkt der gesamten GIGA-Redaktion.