Filme, Serien, Dokus: Welcher Video-On-Demand-Dienst (VoD) hat die größte Auswahl und bietet am meisten fürs Geld? Welcher ist der beste Streaming-Dienst? GIGA hat die fünf beliebten Anbieter Netflix, Amazon Prime Video, Sky Ticket, Apple TV+ und Disney+ einem Vergleich unterzogen.

 

Netflix Serien & Filme: Angebot und Kosten des Streaming-Dienstes

Facts 
Update vom 11.04.2020: Wir haben Disney+ zu unserem Vergleich der Streaming-Dienste hinzugefügt.

Inhaltsverzeichnis: Streaming-Anbieter im Test (2020)

  1. Streaming-Anbieter im Test (2020): Unterschiede und Gemeinsamkeiten
  2. Netflix im Test (2020)
  3. Amazon Prime Video im Test (2020)
  4. Sky Ticket im Test (2020)
  5. Apple TV+ im Test (2020)
  6. Disney+ im Test (2020)
  7. Fazit und Empfehlung

Streaming-Anbieter im Test (2020): Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Rund die Hälfte (47 Prozent) aller Video-On-Demand-Nutzer in Deutschland haben nicht nur einen Account, sondern nutzen zwei oder sogar noch mehr Anbieter parallel (Quelle: Statista/Ampere Analysis). Trotzdem stellt sich erstmal die grundlegende Frage, welcher Dienst am besten zu den eigenen Ansprüchen passt, um ihn dann als Lieblingsquelle für Filme und Serien zu nutzen. Die beiden mit Abstand beliebtesten Portale sind hierzulande Netflix und Amazon Prime Video, wie die folgende Grafik zeigt:

Wir wollen den Vergleich aber etwas größer gestalten und nehmen auch Sky Ticket und das noch recht neue Apple TV+ unter die Lupe.

Streaming-Anbieter-Vergleich 2020: Eckdaten und Unterschiede als Tabelle

Eigenschaft Netflix Amazon Prime Video Sky Ticket Apple TV+ Disney+
O-Ton Verfügbarkeit fast überall sehr oft sehr oft überall fast überall
Film-Abdeckung mittelmäßig mittelmäßig mittelmäßig (Cinema Ticket) sehr schlecht schlecht
Serien-Abdeckung gut gut ausreichend (Entertainment Ticket) schlecht schlecht
HD-Auflösung ja ja ja ja ja
4K-Auflösung ja (Premium Abo, manche Titel) ja (manche Titel) nein ja ja (manche Titel)
App-Abdeckung und -Qualität Hervorragend gut mittelmäßig mittelmäßig gut
Max. Geräte oder Profile / max. gleichzeitige Streams unbegrenzt / 4 (Premium Abo) unbegrenzt / 2 4 / 2 unbegrenzt / 6 7 Profile / 4
Größter Vorteil Beste Eigenproduktionen Beste Preis-Leistung Exklusiv-Inhalte Exklusiv-Inhalte Exklusiv-Inhalte
Größter Nachteil Film-Angebot ausbaufähig Exklusive Inhalte noch nicht auf Netflix-Niveau vergleichsweise teuer winzige Auswahl an Titeln Auswahl nur innerhalb der „Disney-Welt“
Preis 7,99 Euro/Monat bis 15,99 Euro/Monat 69 Euro/Jahr
(entspricht 5,79 Euro/Monat) oder 7,99 Euro/Monat
jeweils 9,99 Euro/Monat für das Entertainment- und Cinema-Ticket 4,99 Euro/Monat (Familien-Abo für max. 6 Nutzer) 6,99 Euro/Monat oder 69,99 Euro/Monat
Abrechnung monatlich monatlich oder jährlich (Wechsel jederzeit möglich) monatlich monatlich monatlich oder jährlich
Probezeitraum Ja - jetzt testen (Gratismonat) Ja - jetzt testen (30 Tage gratis) Nein - Angebote ansehen Ja - Angebote ansehen (7 Tage gratis, bei Hardware-Neukauf 1 Jahr) 7 Tage

Gemeinsamkeiten von Netflix, Amazon Prime Video, Sky Ticket, Apple TV+ und Disney+

Schauen wir auf unsere 4 Testkandidaten, so lassen sich auf Anhieb einige Punkte feststellen, die auf alle zutreffen. Das sind die grundlegenden Gemeinsamkeiten der Streaming-Anbieter:

  • Internet: Früher kam das TV-Programm zu festen Zeiten per Antenne, Kabel oder Satellit – heute kommen Serienkracher wie „The Walking Dead“ oder „The Witcher“ jederzeit auf Abruf (Video-on-Demand, VoD) und in digitaler Form nach Hause. So gesehen sind die Video-On-Demand-Anbieter technisch eher mit YouTube verwandt, als mit dem klassischen Fernsehen. Ohne Breitband-Internet-Anschluss geht dabei nichts. Netflix empfiehlt übrigens 5 Mbit pro Sekunde für HD-Qualität und sogar 25 Mbit pro Sekunde für Ultra-HD-Qualität (4K). Diese Werte kann man als allgemeine Richtschnur für alle VoD-Anbieter nutzen.
  • Abonnement: Alle hier getesteten Anbieter verlangen eine monatliche Abo-Gebühr, die durchschnittlich bei rund 10 Euro liegt. Für gewöhnlich gelten keine fest vereinbarten Laufzeiten, sodass man sein Abo schnell beenden kann. Einzige Ausnahme hier das Jahresabo von Amazon.
  • Apps und Endgeräte: Filme, Serien und Dokus kann man auf zahlreichen Endgeräten wie Fernseher, Smartphone, Tablet oder PC anschauen. Die Streaming-Anbieter bieten für fast jede Plattform eine passende App an. Je nach Abo-Plan/Nutzungsbedingungen ist auch die parallele Nutzung eines Accounts auf mehreren Geräten gleichzeitig erlaubt.
  • Angebot: Was bei Netflix, Amazon Prime und Sky Ticket zu sehen ist, ist eine je nach Anbieter unterschiedliche Mischung aus exklusiven Eigenproduktionen (z. B. „Carnival Row“ bei Amazon Prime Video) und lizenzierten Inhalten anderer Studios (z. B. „Der Hobbit - Smaugs Einöde“ von Metro-Goldwyn-Mayer). Eine Ausnahme bildet Apple TV+ und Disney+, hier sind bisher ausschließlich exklusive Serien und Filme zu sehen.

So haben wir die Streaming-Anbieter bewertet

Wir vergeben jeweils bis zu 5 Punkte in den vier Kategorien Angebot (Aktualität und Umfang), Nutzerfreundlichkeit (Bedienung & Endgeräte), Bild und Ton sowie Preis-Leistungs-Verhältnis. Neben unserer GIGA-Gesamtwertung nennen wir zusätzlich auch weitere Stimmen, wie etwa die Noten der Stiftung Warentest und die Nutzerwertungen bei Trusted.

Netflix im Test (2020)

Mit Netflix macht man nichts falsch – so könnte man es in einem Satz zusammenfassen. Das Angebot an Eigenproduktionen („Netflix Originals“) ist umfangreich und qualitativ hochwertig. Das gilt für packende Serien wie „Stranger Things“, „BoJack Horseman“, „Orange is the New Black“, „Mindhunter“, „The Umbrella Academy“, „Dark“, „Marvel's Jessica Jones“ und viele mehr – das Potential zum Binge-Watching ist nirgendwo sonst so hoch.

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Netflix: Das sind die 10 beliebtesten Serien der Welt

Aber auch überragende Filme wie „Annihilation“ (2018), „Marriage Story“ (2019) oder „The Irishman“ (2019) sind Pflichtprogramm für Cineasten. Weniger gut schneidet Netflix bei den nicht-exklusiven Inhalten, aktuellen Produktionen und Film-Klassikern ab. So sind aus der Top 20 der besten Filme aller Zeiten (IMDb) hierzulande aktuell nur zwei abrufbar („Inception“ und „The Matrix“). Immerhin ist fast das gesamte Angebot bei Netflix auch in Originalsprache (OV) und mit deutschen Untertiteln erhältlich.

Die Bedienung ist weitestgehend übersichtlich und hilft mit individuellen Empfehlungen – das gilt sowohl für die Webseite im Browser, als auch die Apps (z. B. für Apple TV 4K). Beim Endgerät hat man eine riesige Auswahl, denn Netflix gibt's für praktisch alle Handys, Tablets und Smart-TVs. Einschränkungen erfährt man allenfalls mit einem uralten Betriebssystem (z. B. Android-Version 4.4.2 oder älter). Wo wir einen Punkt abziehen müssen, ist der Informationsgehalt zu Serien und Filmen, denn Netflix zeigt keine Noten aus externen Quellen an. Wer also wissen möchte, wie gut „Star Trek: Discovery“ bei Metacritic abschneidet, muss das außerhalb der Netflix-App herausfinden (Die Antwort ist übrigens ein „Metascore“ von 72). Schnellere Infos zur Qualität eines Titels würden dem Nutzer die Auswahl beim Filmabend erheblich erleichtern.

Netflix: Neu im Januar 2020

Bei Bild und Ton verdient sich Netflix die Bestnote. Zwar erreicht keiner der hier besprochenen Anbieter die Top-Werte einer 4K-Blu-ray, aber im Alltag und ohne direkten Vergleich gibt es wirklich nichts zu bemängeln. Dank ausgeklügelter Streaming-Technik schafft es Netflix stets, ein scharfes und flüssiges Bild sowie ordentlichen Sound zu liefern – und das fast ohne nervige Anlaufzeit (Buffering) und praktisch ohne Ausfälle.

Fazit: Über Netflix-Serien spricht man längst auch überall im Alltag – und das aus gutem Grund. Die Eigenproduktionen des US-Anbieters sind zum Teil wegweisend. Wir empfehlen Netflix für Fans von Krimi-, Horror- und Comedy-Serien, die sich auch gerne mal mehrere Folgen am Stück reinziehen. Allerdings klaffen riesige Lücken bei Serien- und Film-Inhalten externer Studios und die Abo-Preise sind für einen Einzelnutzer etwas zu hoch.

Netflix im Test: GIGA-Wertung

  • Angebot 3/5
  • Nutzerfreundlichkeit 4/5
  • Bild und Ton 5/5
  • Preis-Leistungs-Verhältnis 4/5

GIGA-Gesamtwertung (2020): 80 Prozent

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Netflix im Test: Wertungen bei Stiftung Warentest und Trusted

Amazon Prime Video im Test (2020)

"Star Trek: Picard" ist ab 24. Januar 2020 exklusiv auf Amazon Prime Video zu sehen (Bild: obs/Amazon/Trae Patton)

Bei Amazon Prime Video (ehemals die Onlinevideothek „Lovefilm„) handelt es sich gewissermaßen um einen Sonderfall, denn der Streaming-Dienst ist Teil eines umfassenderen Angebots, das als Amazon Prime bekannt ist. Gegen einen jährlichen Mitgliedsbeitrag (aktuell 69 Euro) erhält man als Amazon-Kunde eine ganze Reihe von Vorteilen, wie etwa kostenlosen Versand, früheren Zugang zu Blitzangeboten oder unbegrenzten Foto-Speicherplatz auf dem Amazon Drive. Schätzungsweise 17,3 Millionen Menschen in Deutschland sind 2019 Amazon-Prime-Kunden (laut IFH) – man darf davon ausgehen, dass nicht jeder davon Prime Video nutzt, sondern viele auch wegen den anderen Prime-Vorteilen Mitglied geworden sind.

Für einen von vielen Unterpunkten innerhalb eines Kundenprogramms ist Amazon Prime Videos Angebot aber recht umfangreich ausgefallen. Sogar eine Reihe aufwendiger Eigenproduktionen („Star Trek: Picard“, „The Man In the High Castle“, „The Marvelous Mrs. Maisel“, „Tom Clancy's Jack Ryan“) ist Teil des Unterhaltungsangebots. Noch können diese „Amazon Originals“ in Summe noch nicht an Netflix vorbeiziehen – aber es ist offensichtlich, dass hier ein milliardenschweres „Wettrüsten“ zwischen den beiden Anbietern stattfindet. Wir konnten 7 Filmklassiker aus der IMDb-Top-20 bei Amazon Prime Video finden – mehr als bei den anderen Diensten im Test. Trotzdem kann uns auch hier das Gesamtangebot an Filmen und Serien nicht vollends überzeugen, es mangelt an aktuellen Kinohits im Abo mangelt es an aktuellen Kinohits und Arthouse-Filmen. Wer einen bestimmten Film sehen möchte, kann diesen auf Amazon aber kaufen oder leihen und so seiner digitalen Filmbibliothek hinzufügen. Die Abdeckung von Originalfassungen und die Versorgung mit Untertiteln ist gut, aber bei weitem nicht perfekt.

Carnival Row - Offizieller Trailer Staffel 1

Die Bedienoberfläche ist nicht ganz so benutzerfreundlich wie bei Netflix – ein derzeit noch störender Aspekt ist das Vermischen von Abo-Inhalten und Titeln, die nur gekauft oder geliehen werden können (gegen Zusatzkosten). Eine Suche nach einer bestimmten Filmreihe dürfte neue Nutzer mit der Ergebnisseite erstmal verwirren, da man nach der Kennzeichnung „In Ihrer Prime-Mitgliedschaft enthalten“ Ausschau halten muss. Auch das jede Staffel einer Serie sowie deren Sprachfassung als eigener Punkt aufgeführt wird, dient nicht gerader der Übersichtlichkeit. Dafür sind zu fast allen Titeln ausreichend viele Kundenbewertungen zu finden, die eine Einschätzung der Qualität leichter machen. Simpel und nützlich: Eine Funktion namens X-Ray bietet Zusatzinformationen zu Filmen und Serien, die gerade auf dem Fernseher laufen.

Bild und Ton sind gut. In seltenen Fällen startet ein Film aber erst pixelig, um dann nach einigen Sekunden an Qualität zuzulegen. Das war früher noch deutlich schlimmer, offenbar hat Amazon hier technisch einiges optimiert. Etwas mager: Es können pro Account nur zwei Streams gleichzeitig laufen.

Fazit: Amazon Prime Video erinnert an eine 90er-Jahre-Videothek in einer mittelgroßen Kreisstadt – die Auswahl ist okay und irgendwie findet jeder etwas Passendes. Wer aber höhere Ansprüche hat und sich spezielle Titel wünscht, landet schnell bei den Leihfilmen (meist 3,99 Euro Gebühr) oder sogar bei Blu-ray-Discs, die Amazon verkauft. In Anbetracht der niedrigen Mitgliedsgebühr von 69 Euro im Jahr für Amazon Prime ist Prime Video aber durchaus eine Empfehlung wert – erst Recht, wenn man die anderen Vorteile von Prime auch nutzt.

Amazon Prime Video im Test: GIGA-Wertung

  • Angebot 3/5
  • Nutzerfreundlichkeit 3/5
  • Bild und Ton 5/5
  • Preis-Leistungs-Verhältnis 5/5

GIGA-Gesamtwertung (2020): 80 Prozent

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Amazon Prime Video im Test: Wertungen bei Stiftung Warentest und Trusted

Sky Ticket im Test (2020)

Sky Ticket bezeichnet bei genauer Betrachtung drei Pakete: Sky Ticket Entertainment (für Serien), Sky Ticket Cinema (für Filme) und Sky Ticket Supersport (Fußball, Handball, Formel 1 etc.). Wir bewerten hier nur die Pakete Entertainment und Cinema, da sie als direkte Alternativen zu Netflix und Amazon Prime Video zu verstehen sind.

Das Angebot ist einen Blick wert (Alle Neuerscheinung in unserer Übersicht). Mit aufwendigen und von der Kritik gelobten Eigenproduktionen wie „Chernobyl“, „Das Boot“, „Babylon Berlin“ oder „Gomorrha“ muss sich Sky Ticket keineswegs vor Konkurrenz verstecken – ganz im Gegenteil, könnten sie sogar der Grund für einen Wechsel sein. Aufgrund eines Exklusivvertrags landen die meisten HBO-Serien wie „Game of Thrones“, „Westworld“ oder „Watchmen“ zuerst bei Sky. Bei Sky Ticket Cinema bekommt man eine handverlesene, aber nicht besonders umfangreiche Auswahl an Kinofilmen – aktuell 1.151 Titel laut Justwatch. Zum Vergleich: Bei Netflix findet man mehr als doppelt so viele Titel, bei Amazon Prime Video die dreifache Anzahl. Aus der IMDb-Top-20 konnten wir immerhin vier Filmklassiker bei Sky Ticket Cinema abspielen, darunter auch den „besten Film aller Zeiten“ („Die Verurteilten“, 1994).

Das Boot: Staffel 2 - Offizieller Trailer (Sky Originals)

Die Bedienung ist ein Graus, da kann man wirklich nicht um den heißen Brei reden. Sky hat softwareseitig in den letzten Monaten zwar nachgebessert (z. B. Offline-Modus wurde nach langer Wartezeit nachgereicht), aber in Sachen Nutzerführung, Geschwindigkeit und Stabilität ist der Anbieter noch immer nicht auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. Mehrere Streams gleichzeitig (z. B. innerhalb eines Haushalts) sind bei Sky Ticket nur auf zwei Geräten möglich. Netflix lässt im Premium-Paket praxisnahe 4 Streams gleichzeitig zu. Bild und Ton sind ausreichend, aber die maximale Auflösung „Full HD“ (1080p) ist heutzutage zu wenig, eine Tonausgabe in 5.1-Surround fehlt.

Fazit: Wer sowohl Sky Ticket Entertainment (Serien) und Sky Ticket Cinema (Filme) abonniert, kommt auf monatliche Gesamtkosten von 19,98 Euro – das ist unserer Einschätzung nach deutlich zu teuer. Wir empfehlen, auf das Cinema-Paket zu verzichten und nur das Entertainment-Paket zu buchen (9,99 Euro/Monat). Hier bekommt man genug hochwertige Produktionen geboten, die mehrere Monate für Unterhaltung sorgen können. Grundsätzlich gilt, dass man bei Sky Ticket in Sachen Technik mindestens ein Auge zudrücken muss, damit man sich nicht zu sehr aufregt.

Sky Ticket im Test: GIGA-Wertung

  • Angebot 2/5
  • Nutzerfreundlichkeit 2/5
  • Bild und Ton 4/5
  • Preis-Leistungs-Verhältnis 3/5

GIGA-Gesamtwertung (2020): 55 Prozent

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Sky Ticket im Test: Wertungen bei Stiftung Warentest und Trusted

Apple TV+ im Test (2020)

SEE – Offizieller Trailer der Serie mit Jason Momoa auf Apple TV+

„Apple TV+ wird die Plattform für einige der hochwertigsten selbstproduzierten Geschichten, die TV- und Filmfans je gesehen haben“, erklärte Eddy Cue, Senior Vice President bei Apple (März 2019). Knapp ein Jahr nach dieser Ankündigung muss man jedoch weiterhin das „wird“ betonen. Denn das Angebot ist seit dem Start im November 2019 nach wie vor so klein, dass man locker alle verfügbaren Titel auswendig lernen könnte:

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Apple TV+: Alle Serien & Filme des neuen Streamingsdienstes in der Übersicht

Apple verzichtet bei Apple TV+ darauf, Inhalte anderer Studios anzubieten – wer die sehen will, darf weiterhin brav bei iTunes Kauf- oder Leihgebühren bezahlen. Eine ganz schön bekloppte mutige Entscheidung in Anbetracht der knallharten Konkurrenz im Streaming-Markt.

Technisch ist Apple TV+ vorbildlich: 4K-HDR-Bild und Dolby-Atmos-Ton, dazu Originalfassungen sowie Untertitel. Das wenige Material, das zur Auswahl steht, bekommt man also in vorzüglicher Qualität. Wobei einen die Übersicht in der Apple TV App die Haare raufen lässt. Hier ist alles durcheinander aufgelistet: Filme und Serien von Apple TV+, Leih- und Kauftitel, Starzplay, die Arte-Mediathek, Sky Ticket und vieles mehr. Das ist zwar gut gemeint, weil wohl alle Inhalte in nur einer App gebündelt sein sollen – in der Praxis ist das aber chaotisch und nicht zielführend. Die Benutzerfreundlichkeit ist so schlecht, dass man sich fragt, wo hier Apples nachweisliches Know-how auf diesem Gebiet abgeblieben ist. Die App gibt's für alle Apple-Geräte (iPhone, Mac etc.) sowie einige neuere Smart-TV-Modelle und Amazon Fire TV. Eine Version der Apple TV App für Android-Smart­phones lässt noch auf sich warten, hier muss man den Browser nutzen (https://tv.apple.com/).

Fazit: Zu klein ist bei Apple TV+ die Auswahl an Titeln, die meisten Serien stehen zudem erst am Anfang. Immerhin ist die inhaltliche Qualität vielversprechend und Technik top  – so darf es gerne weitergehen. Um nochmal Apple zu zitieren: „Kunden, die ab dem 10. September 2019 ein neues iPhone, iPad, Apple TV, iPod touch oder Mac gekauft haben beziehungsweise kaufen werden, erhalten Apple TV+ ein Jahr kostenlos.“ – Genau das ist der einzige Weg, auf dem man unserer Meinung nach Apple TV+ nutzen sollte! Apple TV+ kostet zwar überschaubare 4,99 Euro im Monat, aber trotzdem empfehlen wir erstmal, noch einige Zeit mit der Buchung abzuwarten. Die monatlichen Abo-Kosten ist der Dienst bislang einfach noch nicht wert, weil die Konkurrenz in Form von Netflix und Amazon Prime Video eben so überwältigend stärker aufgestellt ist.

Apple TV+ im Test: GIGA-Wertung

  • Angebot 1/5
  • Nutzerfreundlichkeit 3/5
  • Bild und Ton 5/5
  • Preis-Leistungs-Verhältnis 1/5

GIGA-Gesamtwertung (2020): 50 Prozent

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Apple TV+ im Test: Wertungen bei Stiftung Warentest und Trusted

  • Stiftung Warentest: Note 4,2 („ausreichend“), Ausgabe 01/2020
  • Trusted: noch keine Wertung vorhanden

Disney+ im Test (2020)

Disney+ legt mit Star Wars, Pixar und den Marvel-Filmen (MCU) einige heiße Blockbuster in die Waagschale, die den Nutzer von der Konkurrenz herlocken dürften. Dazu kommen noch einige interessante Einträge wie alle Simpsons-Folgen oder natürlich die Trickfilm-Klassiker aus den vergangenen Jahrzehnten, die jeder einmal gesehen haben sollte. Insgesamt ein ausgesprochen familienfreundliches Programm, das auf düstere Inhalte verzichtet.

Exklusive Serien nennen sich bei Disney+ „Originals“ und sind in ihrer Anzahl noch überschaubar. In diesem Bereich wird Disney noch nachlegen müssen, um mit den Konkurrenten mithalten zu können. Das erste Highlight ist hier auf jeden Fall „Mandalorian“ – eine Star-Wars-Actionserie, die produktionstechnisch ganz vorne mit dabei ist und die allein schon eine Monatsgebühr rechtfertigt.

THE MANDALORIAN – Official Trailer (Disney/Lucasfilm)

Die Benutzeroberfläche orientiert sich an Netflix, sortiert wird in Kategorien wie „Action“ oder „Dokumentationen“ oder auch „Micky Maus“. Auf den ersten Blick wird allerdings nicht ersichtlich, ob ein Film oder eine Serie hinter einer Kachel steckt – das hat auch GIGA-Redakteur Thomas in seinem ausführlichen Ersteindruck zu Disney+ bereits angemerkt.

Technisch ist Disney ein guter Start gelungen – und das mitten in der Corona-Krise, bei der die Anbieter drosseln müssen. Die Bildqualität ist gut, wir konnten kaum Startverzögerungen und keinerlei Pixelbildung feststellen. Der Ton ist bei den allermeisten Blockbustern als 5.1-Sound verfügbar, das Bild in Dolby Vision. Wer als waschechter Nerd aber Blu-rays sammelt, wird im Streaming-Dienst keine adequate Ablöse finden: Nicht alle Filme sind (derzeit) in 4K als Stream verfügbar (z. B. „Rogue One“ bekommen wir nur in HD auf unserem Apple TV 4K angezeigt) und bei einzelnen Titeln ist das Angebot an Tonspuren schlecht (z. B. Avatar nur auf Deutsch). Dafür gibt's häufig einige Extras, wie gelöschte Szenen und Blicke hinter die Kulissen.

Fazit: Die Welt von Disney ist bunt und leicht verdaulich – das war schon immer so. Das ist zugleich die größte Stärke, aber auch die größte Schwäche des Streaming-Dienstes Disney+. Für Pixar-, Star-Wars- und MCU-Fans ist die Entscheidung ohnehin klar, sie werden sich ein Abo holen (außer man hat schon alles auf Blu-ray). Auch Familien mit Kindern ist Disney+ zu empfehlen, hier sind viele Stunden großartige Unterhaltung garantiert. Wer es aber kontrovers, schaurig oder tiefsinnig mag, wird eher bei Sky, Netflix oder Amazon fündig. Das Disney-Angebot ist knallebunt reichhaltig, aber gewissermaßen inhaltlich eingezäunt (max. FSK 12) – der vergleichsweise niedrige Abopreis von 6,99 Euro im Monat ist somit angemessen.

Disney+ im Test: GIGA-Wertung

  • Angebot 2/5
  • Nutzerfreundlichkeit 4/5
  • Bild und Ton 4/5
  • Preis-Leistungs-Verhältnis 4/5

GIGA-Gesamtwertung (2020): 75 Prozent

zum Anbieter

Disney+ im Test: Wertungen bei Stiftung Warentest und Trusted

  • Stiftung Warentest: noch keine Wertung vorhanden
  • Trusted: noch keine Wertung vorhanden

Streaming-Anbieter im Test (2020): Fazit und Empfehlung

Abschließend wollen wir noch Empfehlungen aussprechen, die den Nutzer beschreiben – vielleicht erkennst du dich darin?

  • Empfehlung für Netflix: Jeder, der gerne Zeit mit Serien und Filmen verbringt. Außer du möchtest stets die neuesten Kino-Blockbuster sehen, dann musst du auf Verleih-Angebote außerhalb von Netflix ausweichen.
  • Empfehlung für Amazon Prime Video: Film- und Serienliebhaber, die auch Amazon-Kunde sind – und sich gern auch mal den neuesten Blockbuster separat kaufen.
  • Empfehlung für Sky Ticket Entertainment: Serienjunkies, die mit Netflix und Amazon Prime Video „fertig“ sind oder unbedingt die exklusiven Titel bei Sky Ticket sehen wollen. Ansonsten keine Empfehlung.
  • Empfehlung für Apple TV+: Keine Empfehlung – außer du kommst dank Apple-Hardware-Kauf in den Genuss des kostenlosen Probeabos für 1 Jahr.
  • Empfehlung für Disney+: Empfehlung für Familien mit Kindern. Auch Mainstream-Fantasy-Fans kommen auf ihre Kosten. Keine Empfehlung für Arthouse- und Horror-Fans, die werden hier nicht fündig.

Um Geld zu sparen, ist es bei allen Anbietern ratsam, die Kosten auf mehrere Nutzer aufzuteilen. Aber Vorsicht: Das „Account Sharing“, also die Weitergabe der Konto-Zugangsdaten an Freunde oder Dritte, ist den Streaming-Diensten ein Dorn im Auge. Sie wünschen sich eine gemeinsame Nutzung nur innerhalb eines Haushalts (z. B. Netflix) oder einer Familie (z. B. Apple TV+).

Wer keinen Cent für Serien und Filme ausgeben möchte, kann auch auf kostenlose Anbieter setzen: Hier sind in erster Linie die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zu nennen. So findet man einzelne interessante Filme bei Arte oder im Ersten. Mit der Auswahl der hier besprochenen Bezahl-Anbieter können die Mediatheken aber freilich nicht mithalten. Wovon dringend abzuraten ist, sind illegale Streaming-Seiten (oft mit „.to“-Domain) – ihre Nutzung kann strafrechtliche Konsequenzen haben.

Wer ein Fan verschiedener Filmfranchises und Serien ist, wird kaum um mehrere Bezahl-Abos herumkommen. Letzten Endes eine Frage der Kosten, die dann schnell mehrere Hundert Euro im Jahr betragen können. Die Wunschvorstellung, dass man mit einem einzigen Abo alles jemals produzierte zu sehen bekommt, gehört ins Land der Träume – die Wirklichkeit des Streaming-Marktes ist nun mal eine andere.

Am Ende bleibt die Empfehlung: Such dir den am besten zu deinen Interessen passenden Anbieter aus und hol dir dort das Abo. Wenn du merkst, dass die Auswahl nach einiger Zeit nichts mehr für dich hergibt und deine Nutzungsdauer weniger wird, dann kündige konsequent. Eine zukünftige Wiederanmeldung ist in der Regel unkompliziert und schnell erledigt. Abgesehen davon, darf man sich auch gerne mal eine mediale Pause gönnen und den neuesten Serienhype mit Absicht an sich vorbeirauschen lassen. Oder wie es mal ein kluger Kommentator auf Reddit in Bezug auf den damals herrschenden „Game of Thrones“-Zwang formuliert hat: „Relax. It's just a TV-Show“. („Entspann dich, es ist nur eine TV-Sendung“).

Stefan Bubeck
Stefan Bubeck, GIGA-Experte für Consumer Electronics, insbesondere Audio.

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