Das neue iPhone 11 und iPhone 11 Pro besitzen einen neuen Chip, über den bislang nur wenige Details bekannt sind. Nach ersten grundlegenden Informationen folgen nun weitere Berichte, die Licht ins Dunkle der neuen Technik bringen.

Apple U1: Ultra-Wideband kann mehr als eure Schlüssel finden

Schon kurz vor der Vorstellung der jüngsten iPhone-Generation und dem darin enthaltenen U1-Chip, der die sogenannte Ultra-Wideband-Technik (kurz UWB) beherbergt, gab es Berichte, was Apple damit alles anstellen könnte. Der offensichtlichste Einsatz sollte in den „Apple Tags“ zu finden sein: Kleine Plastik-Kärtchen, die einen ähnlichen Nutzen wie die Tracker von Tile haben sollten. Doch Apple präsentierte kein vollständig neues Produkt, auf das diese Beschreibung passt. Bis dato erklärt Apple das Vorhandensein des U1-Chips lediglich in Verbindung mit AirDrop, wir berichteten.

Jason Snell von Six Colors hat sich Ultra-Wideband etwas genauer angesehen und sich unter anderem mit Mickael Viot, VP of Marketing bei DecaWave unterhalten. Das Unternehmen beschäftigt sich seit Jahren mit UWB und produziert die notwendigen Chips. Ultra-Wideband bietet neben einer genaueren Lokalisierung – die Rede ist von einer Genauigkeit von wenigen Zentimetern im Vergleich zu mehreren Metern bei Bluetooth – eine erhöhte Sicherheit, die unter anderem aus dieser Genauigkeit resultieren kann.

Während andere Technologien die Stärke eines Signals dazu nutzen, um die Distanz zwischen zwei Geräten zu schätzen, benutzt UWB die Zeit, die ein Signal benötigt, um vom Sender zum Empfänger und zurück zum Sender zu gelangen. Diese Berechnung benutzt Apple bereits bei der Apple Watch, um euren Mac zu entsperren.

Die Schwachstelle bei Nutzung der Signalstärke konnte in der Vergangenheit etwa bei Autoschlüsseln beobachtet werden. Hier gelang es Angreifern, das Signal zwischen Auto und einem Funkschlüssel künstlich zu verstärken, um so das Fahrzeug zu öffnen, obwohl die Schlüssel weit entfernt waren.

iPhone 11: Apples Promo-Video

UWB als Teil von HomeKit

UWB könnte in Zukunft etwa wichtiger Bestandteil von HomeKit werden. Einem smarten Türschloss wäre es etwa möglich zu erkennen, dass man mit einem iPhone 11 Pro in der Hosentasche – oder der Apple Watch am Armgelenk – direkt vor der verschlossenen Tür steht. Betritt man das Haus nach einer automatischen Öffnung, erkennt das Schloss dies und verschließt die Tür wieder.

Als weiteres Beispiel wird ein Musiksystem genannt, das den Zuhörer durch das Haus verfolgt. Mehrere Lautsprecher im Haus erkennen dabei die Bewegungen durch die Zimmer und spielen die Musik nur dort, wo man sich gerade befindet. Für Büros oder auch öffentliche Gebäude könnte UWB darüber hinaus eine Indoor-Navigation ermöglichen – ein Feature, das für GPS unmöglich ist.

Viot vergleicht Apples Unterstützung von Ultra-Wideband mit dem ersten iBook, in dem Wi-Fi zum Einsatz kam. Dies brachte einen Stein ins Rollen, den wir heutzutage als alltäglich einschätzen und nur dann bemerken, wenn das kabellose Internet mal wieder nicht funktioniert. Apple ist aber nur eines der Mitglieder von diversen Organisationen, die sich mit UWB beschäftigen; auch Google, Samsung, HTC und viele andere Unternehmen zählen zu den Interessenten. UWB und der U1-Chip im iPhone 11 könnten damit in Zukunft an vielen weiteren Stellen im Alltag eine wichtige Rolle spielen.