Wer krank ist, der sollte zum Arzt gehen – oder doch lieber zu WhatsApp? Die Krankschreibung per Messenger, die ein Hamburger Start-up seit einem Jahr anbietet, könnte bald schon verboten werden. Der Fall wird jetzt von der Wettbewerbszentrale vor Gericht gebracht.

Online-Krankschreibung per WhatsApp: Musterprozess steht bevor

Das Geschäftsmodell der „Dr. Ansay AU-Schein GmbH“ könnte sich bald schon in Luft auflösen. Die Krankschreibungen für den Arbeitgeber, die online vom Nutzer erstellt und anschließend per WhatsApp bestätigt wird, soll gegen den Wettbewerb verstoßen. So sieht es zumindest die deutsche Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs, die gegen das Hamburger Start-up einen Prozess anstrengen möchte. Eine entsprechende Klage soll bereits eingereicht worden sein, berichtet heise online.

Nach Ansicht der Wettbewerbszentrale würde das Start-up gegen das Heilmittelwerbegesetz verstoßen. Zudem sei die Werbung der Webseite nicht weniger als „irreführend“, da die bestellten AU-Scheine arbeitsrechtlich nach Meinung „von etlichen Juristen“ nicht gültig wären. „Für Arbeitgeber wäre es wichtig zu wissen, ob eine solche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung den erforderlichen Beweiswert hat“, meint Christiane Köber, Mitglied der Geschäftsführung der Wettbewerbszentrale.

Bereits Anfang 2019 hatten die Ärztekammern von Hamburg und Schleswig-Holstein Bedenken wegen des Datenschutzes bei au-schein.de angemeldet. Zudem wurden Nutzer davor gewarnt, dass Arbeitgeber die Krankschreibungen via WhatsApp auch einfach nicht akzeptieren könnten.

So bewirbt der Dienst die Krankschreibung per WhatsApp:

Werbevideo des Portals au-schein.de.

Schon über 20.000 Krankschreibungen ausgestellt

Seit dem Start des Dienstes Ende 2018 sollen nach eigenen Angaben über 20.000 Krankschreibungen ausgestellt worden sein. Der Betreiber Dr. jur. Can Ansay kann die Bedenken nicht verstehen: „Wir stellen rechtsgültige Bescheinigungen aus, mit Originalunterschrift eines Arztes“, sagte er gegenüber Spiegel Online. Diese Bescheinigungen würden sich nicht von denen unterscheiden, die Nutzer von ihrem eigentlichen Arzt bekämen. Der eindeutige Vorteil läge darin, dass sich kranke Menschen nicht noch zu einer Arztpraxis schleppen müssten.

Ärztekammern sehen darin aber eine Gefahr: „Eine verantwortungsvolle und behutsame Überführung des vertraulichen Arzt-Patient-Verhältnisses in das digitale Zeitalter sieht nach Auffassung der Ärzteschaft anders aus.“

Tipps zu WhatsApp gibt es hier in der Bilderstrecke:

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Um eine Krankschreibung über au-schein.de zu bekommen, müssen Nutzer zunächst online einen Fragebogen mit ihren Symptomen ausfüllen (zum Beispiel Kopfschmerzen, Fieber, Rückenschmerzen). Nach der Bezahlung von 14 Euro über PayPal oder andere Dienste wird über WhatsApp eine PDF-Datei mit dem AU-Schein verschickt. Bei einer Bestellung vor 8 Uhr kommt die Krankschreibung per WhatsApp bis 8.30 Uhr an. Eine Lieferung des AU-Scheins per Post ist auch möglich, kostet aber 5 Euro mehr. Was haltet ihr von dem Konzept?